Bis Blütenfeld – Das unbekannte Flüstern (21. Travia -
Die Stahlen der unter gehenden Sonne färbten den Marktplatz von Nivesel gerade in ein warmes Rot, als uns die junge Frau ansprach. In einem freundlichen aber trotzdem geschäftstüchtigen Ton stellte sie sich als Girte vor, eine Stadtführerin. Gegen einen kleinen Obolus würde sie uns die Sehenswürdigkeiten der Gegend zeigen. Olko, der immer darauf erpicht ist neues zu entdecken, konnte diesem Angebot nicht widerstehen und auch der Rest der Gruppe fand dieses Angebot gut, da sich alle noch ein wenig die Beine vertreten wollten.
Spieler: Udo, Sascha (Berichterstatter), Christoph, Holger, Christian (GM)
Dramatis Personae:
- Girte: „unsere“ Stadtführerin in Nivesel
- Junker Wolpieje von und zu Nivesel: Adliger von Nivesel
- Tesbinja Muselken: Reisende Händlerin
Die Stahlen der unter gehenden Sonne färbten den Marktplatz von Nivesel gerade in ein warmes Rot, als uns die junge Frau ansprach. In einem freundlichen aber trotzdem geschäftstüchtigen Ton stellte sie sich als Girte vor, eine Stadtführerin. Gegen einen kleinen Obolus würde sie uns die Sehenswürdigkeiten der Gegend zeigen. Olko, der immer darauf erpicht ist neues zu entdecken, konnte diesem Angebot nicht widerstehen und auch der Rest der Gruppe fand dieses Angebot gut, da sich alle noch ein wenig die Beine vertreten wollten.
Nivesel, so erklärte uns Girte, ist besonders für seine historisch wertvollen Gebäude bekannt und wurde als erster Außenposten nach Festum vom Theaterritterorden gegründet. Aus diesem Grund war die erste Anlaufstelle auch der Tempel der Rondra. In den Lichtern der Straßenlaternen konnten wir dort die Ikone von Lutisana von Kullbach sehen. Bei ihr handelte es sich um ein Gründungsmitglied und erst Marschallin des Theaterritterordens.
Anschließend ging die Gruppe zum nahen Stadttor und auch hier wurden durch Fresken auf den Ritterorden verwiesen.
Ein nahegelegener Turm war die nächste Anlaufstelle. In Nivesel, so erklärte uns Girte, legt man besonders Wert auf die historischen Gebäude. Es gibt in der gesamten Stadt nur ein einziges Bauwerk welches leider verfallen ist. Vor diesem Bauwerk, dem Turm, stand die Gruppe gerade. Laut unserer Stadtführerin war dieser Turm vor zwei Jahren noch in einem herausragend gutem Zustand gewesen, dann jedoch ist auf unerklärliche Art und Weise im inneren des Turmes ein Baum gewachsen. Gerald der schon auf eine Gruselgeschichte gewartet hatte, welche Stadtführung ist schon komplett ohne eine kleine Gänsehaut, war ein wenig enttäuscht. In vielen Orten gibt es verlassenen Gebäude, in denen es jetzt spuken soll aber hier wächst einfach nur ein Baum im inneren. Ein bisschen mehr Mühe hätte man sich hier schon machen können.
Olko schien diese „Gruselgeschichte“ jedoch fasziniert zu haben, kurzerhand ließ er seinen Zauberstab aufflammen und rannte in das Gebäude. Gerald, der sich noch an die Bitte von Umerike Surjeloff erinnerte auf den Magier aufzupassen, lief Olko hinterher. Gieselhold ging daraufhin ebenfalls in den Turm, der Rest der Gruppe wartete draußen.
Im Inneren des Turmes konnte Gerald im Schein des Magierstabs die Wurzeln und den Stamm des Baumes erkennen. Es handelte sich um eine dicke Eiche, welche unmöglich erst zwei Jahren alt sein konnte. Bei einer näheren Betrachtung erkannte Gerald, dass die Wachstumsstreifen des Baumes, die Art und Weise wie die Rinde an manchen Stellen aufgeplatzt ist für ein unnatürliches Wachstum sprachen. Ohne von seinen Begleitern Notiz zu nehmen, beschloss Olko den Baum hochzuklettern und wider erwarten schaffte er es in den ersten Stock des Turmes. Gieselhold, der gerade von hinten an Gerald heran trat, hatte jetzt, da die Lichtquelle von oben herab schien, den gesamten Baum im Blickfeld. Im fielen sofort die Gesichter auf, welche in einem stummen Schrei eingefroren auf im Baumstamm zu erkennen waren. Dieser Anblick erinnerte Gieselhold an seine Erlebnisse im Reichswald mit dem Dämonenbaum. Er machte Gerald auf die Gesichter aufmerksam und beide traten daraufhin einen Schritt zurück. Genau in diesem Augenblick waren die Worte „Odem Arcanum“ aus dem ersten Stock zu hören. In freudiger Entzückung konnte man Olko hören wie er fasziniert vor sich hinmurmelte. Genau zu diesem Zeitpunkt betraten Gamrik und Geron den Turm um nach uns zu sehen.
Da es bereits Zeit zum Abendessen war und wir bisher noch keine Bleibe für die Nacht organisiert hatten, beschlossen wir den Turm zu verlassen und in das nächste Wirtshaus zu gehen. Geron der als letztes den Turm verließ, vernahm beim Verlassen ein Geflüster, welches vom Baum zu kommen schien.
Auf dem Weg zum Wirtshaus redete Olko nur über den Baum. Seine Analyse hat ergeben, dass der Baum durch Magie so schnell gewachsen ist. Dabei sieht er den Ursprung der Magie nicht im Dämonischen sondern eher in der uralte Magie des Landes selbst.
Als die Gruppe den Marktplatz betrat hatten sie zwei Wirtshäuser zur Auswahl. Auf der einen Seite war die Taverne „Zum wuselnden Wiesel“, diese war gerade sehr gut besucht da dort ein Boltanturnier abgehalten wurde. Auf der anderen Seite stand das Wirtshaus „Zum Schwan“, in welchem es wesentlich ruhiger zuging. Mit Maria, unserer Fahrerin, war abgemacht dass wir am nächsten morgen früh losfahren würden, darum beschlossen wir einstimmig das ruhigere Etablissement aufzusuchen.
Bevor wir jedoch das Haus betreten konnten wollte Olko nochmal zur Kutsche und zur Nachbarwirtschaft. Um sicher zu gehen, dass wir Olko nicht verlieren würden, trennte sich Gerald von der Gruppe und ging mit Olko zum wuselnden Wiesel. Dort angekommen bewegte sich Olko schnurstracks zum Wirt um mit ihm ein Gespräch zu führen. Gerald konnte in der lauten Umgebung des Turniers nicht wirklich ausmachen worum es bei dieser Unterhaltung ging, lediglich das Wort „Rotpelze“ konnte er hören. Leider war es Gerald auch unmöglich näher an die beiden heranzutreten, da eine wunderschöne Katze mit ihrem Kopf gegen Geralds Beine stieß. Sie verlangte ihre Streicheleinheiten und Gerald hatte eine andere Wahl als ihr diese zu geben. Als Olko mit dem Wirt zu Ende gesprochen hatte machten sich Olko und Gerald – die Katze hatte wohl andere Pläne – auf den Weg zur Kutsche um Olkos Notizbuch zu holen. Auf dem Weg dorthin sprachen die beiden über den Grund der Unterhaltung mit dem Wirt und es stellte sich heraus, dass Olko sich beim Wirt nach den beiden Goblins Jääni und Bruutsch erkundigt hat. Gerald vermutet, dass Olko das Verschwinden der beiden untersuchen wolle, hat Olko aber darauf nicht angesprochen.
Am Ende dieser Runde gingen beide in das Wirtshaus „zum Schwan“ wo die Anderen für sie bereits Zimmer organisiert hatten. Nach der langen Reise im Pferdewagen und dem ausführlichen Stadtrundgang in der Stadt waren wir doch alle sehr erschöpft und freuten sich alle auf eine warme Mahlzeit. Wobei „alle“ stimmte nicht so ganz, Olko hatte immer noch genügend Energie um sowohl den Wirt wegen Rassismus zu belehren, dieser wollte einem Norbarden kein Zimmer vermieten, als auch den adligen Junker Wolpieje von und zu Nivesel zu einem Trinkwettbewerb herauszufordern und zu gewinnen.
Der nächsten Morgen begann für Olko mit einem entsprechenden Kater, aber er ertrug ihn ohne zu jammern. Schon vor dem Frühstück machte sich Olko auf den Weg um die Wettschulden des Junkters Wolpieje von und zu Nivesel einzufordern. Gamrik befürchtete schon schlimmes und entschloss kurzerhand Olko zu begleiten. Der Junger selber stand zu seinem Ehrenwort und rasierte sich den Bart ab. Mit den Worten Olko habe sich diesen ehrlich verdient und Wettschulden seien Ehrenschulden und bei Ehre verstünde der Junker keinen Spaß, überreichte er den Bard an Olko, der diesen feierlich entgegennahm. Der Rest der Gruppe genehmigte sich noch ein Frühstück bevor sich alle an der Kutsche trafen um in Richtung Blütenfeld loszufahren.
Es schneite wieder stark, aber Maria war zuversichtlich, dass wir es heute bis Hamkeln schaffe. Nach der halben Streckte wurde die Reisegruppe von einem heftigen Schneesturm überrascht. Glücklicherweise konnte Maria noch eine sicheren Unterschlupf für die Kaleschka, die Pferde und uns finden. Zwei Stunden kämpften wir – mindestens gefühlt – um unser Leben. Dann liess der Sturm wieder nach und wir setzten die Reise – trotz des weiterhin heftigen Schneetreibens fort.
Die restliche Strecke verlief daraufhin auch sehr schleppend. Die Temperaturen waren während des Sturms auf unter -50°C abgefallen und es wurde Zeit, dass wir eine sicheren Lagerplatz für die Nacht finden. Nach sechs Stunden – einer weitaus längeren Zeit als erwartet – traf die Gruppe in Blütenfels ein. Nur die Hälfte der heute früh noch geplanten Strecke. Maria würde noch die Tier versorgen, die Kaleschka der lokalen Wartung überlasse und sehr früh ins Bett gehen. Auch alle anderen wollten nach dieser anstrengende Reise nur noch in eine Gaststätte, um etwas zu essen und um sich hin zu legen, wobei auch dieses Mal Olko wieder die einzige Ausnahme darstellte.
Olko ging zu dem einzigen noch geöffneten Laden im Dorf, einem Antiquariat. Diesmal begleitete ihn Gieselhold. Im Laden selber erkundigt wer sich wieder nach den Goblins Jääni und Bruutsch. Die Händlerin, eine kleine, alte, verschrumpelte aber herzensgute Dame, erzählte, dass sich zwei Goblins gesehen habe, auf welche die Beschreibung passe. Die Zwei wahren dem Händler in Erinnerung geblieben, da er es ungewöhnlich fand dass sich diese beiden Goblins untypisch verhielten. Zum einen benahmen sie sich wie ein junges verliebtes Pärchen, das nicht voneinander lassen konnte und zum anderen habe sie noch nie so einen eloquent argumentierenden Goblin erlebt, der sich mit einem Fuhrmann stritte. Weitere Informationen hatte der Händler leider nicht
So verabschiedete sich Olko und Gieselhold und begaben sich zum Rest der Gruppe in das Wirtshaus „Im Holzlöffel“. Als Olko das Wirtshaus betrat fielen ihm als erstes die vielen Bilder von Blumenwiesen auf, welche der Gaststätte eine heimelige Atmosphäre verliehen. Im Speiseraum der Gaststätte hatten Olko und Gieselhold auch kein Problem den Rest seiner Gruppe wieder zu finden. Die meisten saßen an einem Tisch und aßen eine warme Mahlzeit.
Nur Gerald sah sich gerade die Waren einer reisenden Händlerin an. Tesbinja Muselken, so der Name der Händlerin, hatte viele alchimistische Zutaten und Elixiere dabei. Besonders viel Gerald aber der Rattenpilz ins Auge. Dieser Pilz, ein Zeichen des Namenlosen, verhieß bestimmt nichts Gutes. Zumindest hatte Gerald kein gutes Gefühl. Nach einer längeren Unterhaltung mit der Händlerin fand Gerald heraus, dass diese keine Ahnung habe, worum es sich bei dem sehr angenehm duftenden Pilz überhaupt handele. Da die Rattenpilze nur dort wachen, wo der Namenlose Macht besitzt sollte Gerald besser auf der Hut sein. Daher erzählte der der Händlerin nicht, welches Unheil sie hier im Angebot hat. Sicherlich wird – früher oder später – ein armes Würstchen diese unheilige Pilze kaufen, zu sich nach Hause mitnehmen und dann wird das Unheil seinen Lauf nehmen. Aber das ist nicht Geralds Problem.
Nach Beendigung ihrer Mahlzeit ging die Gruppe auch auf ihre jeweiligen Zimmer. Jeder von ihnen fiel sofort ins Bett und schlief die ganze Nacht lang durch, nur Gieselhold wurde in der Nacht von stimmen geweckt, die flüsternd um Hilfe riefen.