Der Auftakt zum Bardentreffen in Norburg (5. Peraine – 8. Peraine 09:00 Uhr)

Gieselhold berichtet:

Der Tag, der 5. Peraine 1039 BF, begann, wie so vieles, in unserer Stammgaststätte in Norburg (Anm. d. Red.: Hier von „Stammgaststätte“ zu sprechen, würde mancher als „despektierlich“ bezeichnen. Denn das Haus Wolfsruh ist das zweitbeste Hotel der Stadt und beherbergt normalerweise Leuten mit Niveau. Glücklicherweise haben die Helden hier in Norburg einen einflussreichen Protegé, der ihnen nicht nur diese Unterkunft besorgt hat, sonder ihnen diese auch bezahlt).

Spieler: Holger, Sascha, Christian (GM), Christoph (Berichterstatter)

Bei Met, Bier und Geschichten saßen wir beisammen. Auch die Surjeloffs hatten hier im Haus Quartier bezogen, erschöpft von ihren Reisen (Anm. der Red.: Da scheint der Berichterstatter vergessen zu haben, wie komfortabel reiche Menschen zu reisen pflegen...und „Quartier bezogen“ bedeutet, dass Umerike Surjeloff ein gesamtes Stockwerk gemietet hat, obwohl in Norburg dem Hause Surjeloff mehrere herrschaftliche Häuser gehören).

Schon heute wird auch das Frühstückbuffet hier im Hotel von einem uns bekannten Barde vom Roten Chor musikalisch aufgeheitert (Anm. der Red.: Ja, Reijkad Stellmacher würde sich auch als Barde bezeichnen. Darüber hinaus – oder viel wichtiger für ihn – ist er „auch“ der Leiter des über die Grenzen des Bornlandes hinaus berühmten Festumer Goblin Chors „Der Rote Chor“ und – besonders in Festum – eine einflussreiche Persönlichkeit...aber wen interessiert schon derartige Unbedeutendes). Mit allerlei geschickt arrangierten fröhlichen Liedern versteht er es die Gäste zu begeistern.

Als er an unserem Tisch vorbeikommt, erkennt er uns und begrüßt uns herzlich. Im Gespräch erfahren wir, dass er in der Zwischenzeit – wie er uns ja auch versprochen hatte – unserer Begegnung mit dem Theaterritter-Geisterzug in dem Moor „Große Mosse“ künstlerisch aufbereitet hat. Begeistert stimmte er ein düsteres Lied an – die Ballade vom berüchtigten Geisterzug von Rukenau „Die Ballade vom Geisterzug der Großen Mosse“, vorgetragen in als eine düster-traurige Ballade in Moll-Tönen, gesungen mit schwerer Stimme:

Am Dammweg, schwarz und nebelkalt,

da steht Gamrik, der Wache hält.

Ein Leuchten flackert südwärts fern –

ein Irrlicht nur? Es kommt doch näher her.

Vier Wagen rollen, schwer beladen,

Ritter in Stahl, bleich wie die Schatten.

Leibeig‘ne folgen, stumm, gehetzt,

ein Zug aus Zeit, die längst verweht.

Gieselhold wird schnell geweckt,

die Helden steh’n, der Geist erschreckt.

Doch halt! Der Reiter spricht sie an –

Marschall Gerbald, ein toter Mann.

Sein Wappen glänzt, doch rostzerfressen,

die Adjutanten, kalt, vergessen.

Von Ilmenstein mit Hass im Blick,

von Beilunk mild, doch auch ihr Glück ist längst entwich’n.

„Ihr sucht den Schädel“, flüstert’s leis,

„im Sumpf versank mein Haupt so weiß.

Begrabt mich dort, wo Reisgras steht,

damit der Fluch zur Ruhe geht.“

„Von Korn und Sand bezwungen“, spricht

der Marschall mit gebrochnem Licht.

„Doch unser war das Land – nun kalt,

nur Geister weinen hier im Sumpfeswald.“

Gieselhold taucht in eis’ge Flut,

spürt keine Kälte, nur die Wut

der Toten, die im Schlamm verfault,

bis er den Schädel endlich holt.

Ein letztes Mal steht Gerbald da,

sein Blick durchdringt die Nacht so nah.

„Legt mich ins Gras, gebt mir den Segen,

damit wir endlich dürfen gehen.“

Gamrik spricht Worte fromm und schwer,

zu Peraine, zu Rondra hehr.

Boron geleite sie hinfort –

da löst sich auf der Geisterort.

Nur noch ein Hauch, ein Seufzer leis,

verweht im Nebel, ewig heiß.

Die Mosse schweigt, der Sumpf bleibt kalt,

nur Reisgras wächst – doch niemand hält mehr Wacht.

Letzte Akkorde verhallen langsam in bedrückender Stille. Langsam setzt der Frühstückstrubel wieder ein. Als wir nicht überschwenglich begeistert sind entschuldigt sich Reijkad für seine frühe Fassung. Er wolle noch weitere daran arbeiten und die Geschichte in ein größeres und angemessenes Werk würdig einbauen.

Neugierig machten wir uns auf zur Universität, um das Holz abzuliefern. Doch bereits die Architektur des Gebäudes stellte uns vor Rätsel: seltsame Winkel, unmögliche Übergänge – als hätte ein verwirrter Magister selbst den Geometrie-Bann herausgefordert. Die Übergabe verzögerte sich, nicht zuletzt durch die widerspenstige Form des Baus.

Nachdem wir Bisminka schließlich in ihrem Büro gefunden hatten, ließ sie uns eintreten. Sie wirkte abwesend, aber freundlich, und erklärte uns, wir könnten den Baumstamm einfach in ihr kleines Nebenzimmer bringen – dort sei er sicher aufbewahrt. Dabei beobachtete uns ihre Tochter und Assistentin, ein siebenjähriges Mädchen namens Bilkis. Sie erinnerte uns seltsam stark an jemanden… aber an wen nur?

Anschließend gingen wir noch zum Hesindetempel, um den Magierstab abzugeben, den wir noch von den Hexen hatten. Dort sollte man ihn seinem rechtmäßigen Besitzer zuführen. Auf die Frage, woher wir den Stab hätten, antwortete Gerald wahrheitsgemäß, dass wir ihn im Bornwald gefunden hätten – ein Fund, der magische Spuren zeigte. Das müsse bedeuten, dass der Magier noch lebt. Doch der Geweihte war weniger an der Herkunft interessiert – vielmehr brannte ihm eine andere Frage auf der Zunge: Was genau ist uns im Bornwald begegnet?

Der Wald, so sagte er, sei seit Jahrhunderten nicht mehr lebendig durchquert worden – unsere Erlebnisse seien von größtem Interesse. Doch wir mussten weiter: Der morgige Tag, der 8 Peraine, war wichtig für unsere Gruppe, und wir durften von Ask nicht enttäuschen, wenn wir zu spät zur Norburg kämen.

Zurück in unserem Gasthaus verabschiedete ich mich recht schnell, um noch einige Informationen für den kommenden Tag zu sammeln – insbesondere zur geplanten Vorgehensweise gegen den Korsmal-Bund. Ich wollte sicherstellen, dass wir nicht mit leeren Händen auftreten und nur zuhören. Dabei stieß ich auf folgende Erkenntnisse:

  • Am Zusammenfluss des linken und rechten Borns (Anm. d. Red: Der Born teilt sich nördlich von Norburg in den linken und rechten Born und umfließt, dann die Stadt östlich und westlich um dann wieder zu einem mächtigen Strom zu werden) soll ein Liebespaar ertrunken sein. Man sagt, wer die beiden in einer Nacht erblickt, stirbt binnen Stunden.
  • Außerdem wurde der Korsmal-Bund immer wieder in Begleitung von Drachen gesehen. Es heißt, er sei verantwortlich dafür, dass die Tiere im gesamten Bornland zunehmend aggressiv wurden – und dass er sie, auf irgendeine Weise, unter Kontrolle habe. Ja, die Frau Korsmal-Bund ist mächtig.
  • An den Rest der wichtigsten Gerüchte erinner ich mich nicht mehr.

Am nächsten Tag, den 6. Peraine, lungern wir im im Hotel rum und machen nichts. Kopf leer.

Am nächsten Tag, den 7. Peraine, lungern wir wieder im Hotel rum, bis es Zeit ist gute Aussichtspunkte auf die Eröffnungsfeier, die auf dem Marktplatz vor dem Hotel stattfinden wird, zu suchen. Gamrik findet einen Sitzplatz auf der Terrasse des Hotels inkl. angemessener weiblicher Begleitung, Gerald mischt sich unter die Zuschauer vor der Tribüne und ich klettert auf das Dach des Hotels. Geron setzt sich mit einem Humpen Bier in den Biergarten des Hotels und „hört nur zu“, wie er gesagt hat.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass da vieles und wichtiges erzählt wurde, aber ich erinnere mich nicht mehr. Jetzt ist das Bardenfest offiziell eröffnet und die Party geht richtig los. Die Nacht wird zum Tag gemacht und das Blut in den Adern durch Wein, Schnaps und Bier ersetzt...könnte man meinen.

Am nächsten Morgen, 8. Peraine, 08:00 Uhr, machten wir uns auf den Weg zur Burg von Norburg, um dem großen Treffen beizuwohnen. Natürlich gab es Schwierigkeiten – wie immer. Doch schließlich fanden wir uns im kleinen Speisesaal ein, das blaue Buch sicher bei uns.

Dort begrüßte uns Graf Wahnfried von Ask herzlich, fast wie alter Freunde. Über dem Bankett thronte – im wahrsten Sinne – ein gewaltiger Stuhl, beinahe ein Symbol der kommenden Entscheidung. An seiner Seite: Woltan von Ilemstein, ein – wie Wahnfried uns erklärt - Sandkastenfreund und auch Ritter im Orden der Jagt. Was seine Anwesenheit zu bedeuten hat, bleibt vorerst ein Rätsel.