Ein Ruf zu neuen Abenteuern (28. Boron – 29. Boron 1030 BF)

Es war der 28. Boron, im Jahre 1030 BF, mitten im Herbst, als sich die Schatten des Schicksals in der Taverne „Zum Weisen Wildschwein“ mitten in Festum zusammenzogen.

Spieler: Christian (GM), Christoph (Hartwin), Holger (Harold), Udo (Hägar) , Sascha (Hesindian) (Berichterstatter)

Unsere Gruppe – bestehend aus dem hilfsbereiten Heiler und Stangenkämpfer Hartwin (1,90 Schritt), dem erfahrenen Draconiter Hesindian (1,95 Schritt), dem kräftigen, schwerhörigen und abergläubischen Waffenschmied Häger (1,90 Schritt) und dem schweigsamen Firungeweihten Harold (2,00 Schritt) – ist in der Taverne wohlbekannt. Die Wirtin schenkt uns täglich ein Glas Bier als Dank dafür, dass wir ihre Tochter aus einer gefährlichen Situation gerettet haben.

An diesem Abend sollte es als besondere Veranstaltung in der Taverne einen Armdrückwettbewerb geben. Doch bisher gingen die Gespräche vor allem um die bevorstehende Adelsmarschallwahl, die in sechs Wochen stattfinden soll.

Hartwin, stets voller Energie, überredet Häger, am Wettbewerb teilzunehmen – eine Herausforderung, die Häger widerwillig, aber schließlich zustimmend annimmt.

Die dralle, lebenslustige Alvinje, die vollbusige vollrunde Schankmaid, kam zu uns an den Tisch, und nach ein paar kurzen, wortlosen Blicken meldete Hartwin ihn zu dem Wettkampf an. Sie fragte Häger, ob er seinem Schicksal folgen wolle. Mit einem Nicken, das sowohl Zustimmung als auch der schlichten Hartnäckigkeit seines Charakters Ausdruck verlieh, stimmte er zu.

Doch auf dem Weg zur Bühne, um das Startgeld zu bezahlen, wo der Wettstreit um die größte Kraft stattfinden sollte, erblickte Häger eine einsame Gestalt an dem Tresen stehen. Eine Frau in den Gewändern einer Rondrageweihten, die, so schien es, ihre eigenen Kämpfe zu führen hatte. Die goldene Aura der Göttin der Ehre umgab sie, als sie allein in der Ecke des Raumes saß.

„Kommt zu uns, Schwester!“, rief Häger, dessen Stimme tief und von echtem Interesse getragen war. „Die Taverne ist reich an Geschichten und Bier, aber zu selten finden wir die wahre Bedeutung des Lebens in den leeren Bänken einer Kneipe.“

Sie, eine Rondrageweihte, stellte sich als Leudara vor und nahm an unserem Tisch Platz. Ihre Präsenz war ruhig und doch von einer außergewöhnlichen Bestimmtheit, die selbst die lautesten der Gastwirt-Gesellen in den Hintergrund trat. Kaum saß sie, begannen an den Nachbartischen unweigerlich Gespräche über sie. Und so gestand sie uns bald, dass sie nach jemanden wie uns gesucht hatte und sie das als Zeichen der Göttin sieht, dass sie sich zu uns setzen sollte.

„Ich brauche Hilfe“, sprach sie mit einer Stimme, die von einer tieferen Weisheit durchzogen war.„Ich habe mich als Kandidatin für die Wahl der Adelsmarschall aufstellen lassen. Leider fehlt mir bis heute der formale Nachweis, dass ich ein Nachfahre der Theaterritter bin und damit das Recht besitze zu wählen und gewählt zu werden. Leider ist mein Ziehvater, Rondrowin von Schwertbergen, nicht ganz so begeistert von meinem Vorhaben und sehr zögerlich bei Fragen rund um das Thema meiner Herkunft. Hinzu kommt, dass meine vorsichtigen Nachforschungen bei anderen Geweihten und Gelehrten und meinen Mentoren im Tempel haben leider nichts ergeben. Ich habe das Gefühl, dass da noch mehr ist. Aber es ist mir unklar, wieso man mir nicht weiterhelfen kann oder – vielleicht – auch will. Ich hoffe, dass jemand so erfahrenes wie ihr es seit und zudem nicht in einem Autoritätskonflikt sich befindet, mehr Erfolg bei Nachforschungen im Rondratempel von Firunen hat. Insbesondere Rondrowin von Schwertbergen und Irinje Thorrassturm von Schwertbergen, die aktuelle amtierende Hochgeweihte des Firuner Rondra Tempels kenne ich schon seit ich denken kann. Ich bin davon überzeugt, dass mein Ziehvater – als ein erster Startpunkt – mehr Licht in die Vergangenheit meiner Familie bringen könnte. Vielleicht auch die Hochgeweihte, die für mich wie eine große Schwester ist.“

Ihre Augen blitzten vor Entschlossenheit, als sie von ihrer Vision – einer Vision der Göttin Rondra – sprach, dass das Bornland in den kommenden Jahren von einem Marschall regiert werden müsse, der das ehrwürdige Erbe der Theaterritter aus vollem Herzen und Glauben vertritt.

Nachdem die Gruppe aufmerksam Leudaras Erzählung über ihre Visionen und die dringende Notwendigkeit, ihre Abstammung zu beweisen, gehört hatte, stieg in jedem von ihnen Mitgefühl auf. Der Gedanke, dass sie einer solchen Frau helfen könnten, die sich von der Göttin Rondra auserwählt fühlte, ließ den Funken des Abenteuers in ihren Herzen auflodern.

Hartwin, der Heiler, nickte langsam und blickte die anderen an. „Es scheint, als sei das Schicksal auf unserer Seite, wenn wir ihr helfen können. Wir dürfen nicht zögern.“

Nach die Helden sich versprochen haben Leudara zu helfen, wann man sich gemeinsam den Vergnügungen, die man hier an diesem Abend noch genießen konnte, zu. Armdrücken, Bier und Lachen füllten die Stunden, und obwohl Leudara in der ersten Runde ausgeschieden war, kämpfte Häger tapfer bis ins Halbfinale. Doch der Blick von Harold, dem schweigsamen Riesen und Firungeweihten, blieb kühl und missbilligend. Seine Mission lag jenseits dieser Feierlichkeiten.

Nur Hesindian verabschiedete sich mit dem Versprechen zeitig wieder zurückzukommen, kurz von der feiernden Runde. Es zog ihn in den Erzhort Telki Elutarkis, seinem Ordenshaus, um dort abzuklären, ob er diesen Auftrag auch annehmen durfte. Im Tempel von Hesinde war man begeistert von der Möglichkeit, die Beziehung zu Firunen zu stärken. Man sei davon überzeugt, dass diese Mission hervorragend geeignet sei den Kontakt zur Hochgeweihte des Rondratempels in Firunen weiter auszubauen. Hesindian erhielt zusätzlich den Auftrag, ihr einen Brief zu überbringen. Gleichzeitig möge er auch – falls möglich - mehr über Leudaras Visionen zu erfahren und zu dokumentieren. Auch jegliche Informationen über Leudaras Abstammung sind für den Orden von Interesse.

Mit der Dämmerung der Nacht begab sich jeder in seine Unterkunft innerhalb von Festum. Nur Harold begab sich zum Jagdtempel Firuns, der außerhalb der Stadtmauer im Festumer Westende lag.

Der nächsten Morgen, der 29. Boron 1030 BF, begrüßte die Helden mit einem eisigen Wind. Wie gestern Abend abgestimmt, trafen sich die vier Gefährten im Morgengrauen vor dem Firuntempel und besprachen ihr Vorgehen vor der Abreise.

Harold und Hesindian noch einmal mit Leudara über ihre Visionen sprechen. Währenddessen wollten Hartwin und Häger die Zeit nutzen und für Hägar passende Amuletten, die vor den mannigfaltigen Gefahren der bevorstehenden Reise schützen werden, suchen und kaufen.

Harold und Hesindian machten sich auf den Weg zum Festumer Tempel der Löwin, in dem Leudara ihre Kammer hat. In dem beeindruckende Tempel, der aufgrund seines festungsartigen Gebäudecharakters stets einen abwehrbereiten Eindruck macht, residiert der Meister des Bundes der Senne Bornland. Nach den üblichen Prozedere – das erstaunlich schnell durchgeführt wurde – konnten wir Leudara auch direkt sprechen. Sie erklärt sich auch gerne bereit noch einmal genauer über ihre Visionen zu sprechen.

Man einigte sich schnell, dass man sich in einem nahegelegenen Gasthof, der für sein sehr gutes Frühstücksbuffet bekannt ist, treffe. Nachdem Hesindian und Leudara ihren ersten Hunger gestillt hatte und man so ins Gespräch kam, redete Leudara auch über ihre Visionen. „In einen meinen Visionen sehe ich den Adelsmarschall – diese Position soll diesmal von einer Frau eingenommen werden. Diese Frau wird nicht nur den Titel des Adelsmarschall tragen, sondern auch das Herz und den Glauben der Theaterritter in sich vereinen.“

Ihre Worte ließen die Luft im Raum dichter werden, als würde die Bedeutung ihrer Visionen durch die Wände der Taverne hallen. Sie fuhr fort: „In Firunen, meinem Heimatort, gibt es die Ruinen der Leufurter Burg – die alte Bastion der Theaterritter, die von den Priesterkaisern geschliffen wurde. In Vollmondnächten haben mich des Öfteren Visionen ereilt und während dieser begab ich mich, ohne dass ich mich erinnern kann, wie ich dorthin gegangen bin, zu dieser Ruine. In meiner Vision war es jedoch keine Ruine mehr, vielmehr erschien die Burg wieder völlig hergestellt. Eine stolze Festung, wie sie zur Blütezeit der Theaterritter ausgesehen haben mochte.“

Leudara hielt kurz inne.

„Danach verändert sich das Bild. Ich stehe jetzt selber auf den hohen Zinnen und blicke auf das Land unter mir. Dort nähert sich eine Kavalkade von Rittern dem Tor, die glänzenden Rüstungen trugen die das Wappen der Theaterritter, eine schreitender silberner Löwe auf rotem Untergrund, tragen.“

Nachdem sie kurz inne gehalten hat, erklärt sie, dass sie davon überzeugt sei, dass dies nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft sein muss. Der Einzug der Ritter kann nur auf eine Wiederkehr der Theaterritter hindeuten. Sie gehe davon aus, dass Rondra ihr damit zeigen will, dass sie eine von ihnen ist und an dem erneuerlichem Erblühen des Ordens teilhaben werde.

Sie blickte in die Gesichter ihrer Zuhörer und fuhr dann fort, als ob sie ihre Gedanken für alle verständlicher machen wollte: „Ich habe diese Visionen nur bei Vollmond, aber ich bin überzeugt, dass ich nicht zufällig diese Bilder empfange.“

Leudara sah nun direkt in die Augen ihrer Zuhörer. „Und ich bin fest davon überzeugt, dass der nächste Adelsmarschall eine Frau sein muss – eine, die sowohl Rondra als auch die Theaterritter im Herzen trägt. Eine, die die Ehre der Ritter mit dem Glauben an die Göttin vereint. Und so Rondra will, werde ich diese Frau sein.“

Ihre Worte hallten nach, und es war klar, dass ihre Visionen mehr waren als nur Bilder – sie trugen eine tiefere Bedeutung in sich, die weit über den Moment hinausging.

Nach dem Frühstück trennten sich die Wege von Leudara, Harold und Hesindian wieder. Sobald Hesindian sich sicher war, das Leudara sie nicht mehr sehen konnte schnappte er sich einen Stift und schrieb alle gehörten Informationen für seinen Auftrag in sein Notizbuch.

Hartwin und Häger waren auf dem Weg zum Avisschrein hier in Festum, nachdem ihnen Hesindian den Tipp gegeben hatte dort bezüglich ihres Glücksbringer-Amulete-für-Reisende-Problems nachzufragen.

Auf dem Weg stießen sie auf ein Geschäft, das sofort ihre Aufmerksamkeit erregte. „Das sieht nach dem richtigen Laden für mich aus“, murmelte Häger, als er die Auslage des Ladens erblickte – Regale, die bis unter die Decke mit allerlei mystischen Talismanen bedeckt waren.

Sie betraten das Geschäft, und sofort umfing sie der Duft von exotischen Kräutern und das Knistern von ungewöhnlicher Energie, das in der Luft lag. Zwischen den Regalen mit schimmernden Steinen und seltsamen Symbolen schien die Zeit langsamer zu vergehen. An der Theke stand ein Mann mit silbernen Haaren, gekleidet in einer auffällig grünen Kutte.

Häger, der auf der Suche nach etwas Besonderem war, trat näher und begann ein Gespräch mit dem Ladeninhaber. „Ich suche nach Schutztalismanen gegen Magie“, sagte er mit tiefer, rauer Stimme. Der silberhaarige Mann in grüner Robe musterte ihn mit einem leicht wissenden Blick, dann antwortete er ruhig: „Solche Talismane sind rar und kosten entsprechend. Aber ich kann dir sicherlich etwas Passendes zeigen.“

Der Mann griff nach einem schlichten, aber auffälligen Talisman, der in der Form eines Drachen gefertigt war, und legte ihn vor Häger auf den Tisch. „Dieser hier könnte dir Schutz bieten – aber er ist kostspielig.“

Häger betrachtete den Talisman und schüttelte dann bedauernd den Kopf. „Es tut mir leid, aber das übersteigt leider mein Budget. Hast du vielleicht etwas günstigeres?“

Der Mann mit den silbernen Haaren nickte, während er zu einem weitere Regal ging, um weitere Talismane aus den Regalen holte. Das wiederholte sich noch einigmal, aber leider blieb die Auswahl über Hägers Bereitschaft zu investieren. Schließlich legte er die Sachen wieder zurück und wandte sich ab. Selbst die berüchtigten Booster-Täschchen mit Glücksbringersteinen wollte er sich für 3 Silbertaler nicht mehr nehmen.

„Schade, dass nichts dabei war“, sagte Häger enttäuscht, als er sich von dem Ladeninhaber verabschiedete. Doch der silberhaarige Mann blieb ruhig und winkte ihnen zum Abschied.

Enttäuscht und mit leeren Händen machten sich Hartwin und Häger auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt, nachdem schon so viel Zeit vergangen war. Häger war enttäuscht und seine Gedanken drehten sich nur um sein Problem, das er nun hat: Keinen hinreichenden Schutz für die gesamte Unternehmung und seine Gedanken drehten sich nur noch um „Das wird nicht gut Enden...gar nicht gut…“. Er benötigt dringendst hier ein Amulett. Vielleicht ergibt sich etwas auf der Reise nach Firunen, aber bis dorthin…„gar nicht gut...das ist gar nicht gut…“.

Zurück am Jagdtempel wird der wichtigste Schritt geplant: Wie nach Firunen reisen? Es entbrannte eine Diskussion darüber. Mit der Kutsche, die nur fünf Tage bis zum Ziel benötigen würde, oder zu Fuß, was die Reise auf zehn Tage verlängern würde. Da der Firungeweihte Harold jedoch jeden Luxus ablehnte, fiel die Wahl auf die beschwerlichere Wanderung zu Fuß über die nach norden führende Bornstrasse, die aber bei dieser Wetterlage und dem Verkehrsaufkommen sehr Matschig sein wird. Ihr Plan war, am ersten Tag unter Aufbringung aller Kräfte bis nach Alderow zu kommen. Auf dem Weg treffen die Gefährten auf eine Norbardensippe, die die Begegnung nutzen wollten mit den Helden zu handeln. Nur Hesidian hätte schon gerne, aber alleine nicht. So ziehen die Helden an den Norbarden vorbei ohne auch nur einen Blick auf das reichlichen Sortiment der reisenden Händler zu werfen.

Als am Abend die Gruppe schließlich am Zielort Alderow ankam, trennten sich die Wege der Gefährten: Harold entschied sich diesen unnötigen Luxus nicht anzutun und wird unter freiem Himmel übernachten. Vielleicht unter einem der vielen Kirschbäume, für die das Dorf bekannt sind. Der Rest der Gruppe wird günstigst im Schlafsaal des Gasthofes „Zur Toten Krähe“ die Nacht verbringen...so der Plan.

Bevor die letzten wärmenden Sonnenstrahlen hinter dem Horizont verschwinden, versammelten sich alle gemeinsam im Gasthof „Zur Toten Krähe“, um noch gemeinsam das bescheidene Abendessen zu sich zu nehmen.

Das Interieur des Gasthofes ist geprägt einem einzigartige Mischung aus gemütlicher Wärme und geheimnisvoller Atmosphäre. Die Wände sind in warmen, erdigen Farben gehalten, unterlegt mit dunklen Holztönen. Die Beleuchtung besteht aus Kerzen und Laternen, die eine gemütliche, warme Atmosphäre schaffen. Die Möbel sind solide und kompakt, mit fein ziselierten Details in der dunklen Kirschkirschholzoptik und dem wiederkehrenden des lokalen Motivs der Alderower Kirschmännchen. Die Tische und Bänke sind ideal für kleine Gruppen oder Einzelgäste gestaltet, die sich an einem Becher der berühmten Alderower Kirschliqueur zusammensetzen. Überall im und am Haus finden sich Motive der Krähe - von Bildern bis zu geschnitzten Figuren. Die Wände sind mit Tapisserien verhängt, die Szenen aus dem Dorfleben und den berühmten Alderower Alraunenmännlein zeigen. Diese kleinen Schnitzereien sind als Souvenirs beliebt und dekorieren Regale, Tische und Sims und können auch, bei Interesse, erworben werden. Die Mitte des Raumes bildet ein loderndes Kaminfeuer. In den Ecken stehen Regale mit eigen Bücher und sonstigen Krimskrams. Die Luft duftet nach herzhaftem Essen und dem Aroma des Kirschweins.

Der Wirt hatte an diesem Abend ein besonderes Highlight organisieren können: Eine exotische Tänzerin mit einer anmutigen Faszination trat trotz der beißenden Kälte vor der Tür in einem aufreizend schimmernden Gewand auf. Mit ihrem verführerischen Tanz zog sie das Publikum unwiderstehlich in ihren Bann, wobei ihre Bewegungen eine Mischung aus Grazie und Sinnlichkeit verströmten.