Vier mal Besessenheit und kein Todesfall, aber der Tag ist noch jung
Am 30. Firun 1039 BF, in den frühen Morgenstunden eines klaren und wolkenlosen Wintermorgens, erwachte die Burg zu einem unerwarteten Ereignis. Im Gebetszimmer, wo das Morgengebet um 6:43 Uhr stattfand, wurden diesmal zwei der Betenden von den mysteriösen Geistern besessen. Ihre Namen waren Paale und Semkin. Die plötzliche Besessenheit sorgte für Unruhe unter den Patienten und Pflegern, doch der besonnene Abt-Baron Jelomir von Korswandt bemühte sich, alle zu beruhigen und dafür zu sorgen, dass die Menschen den Raum in Ruhe verließen. Lediglich die beiden offiziell sich nicht im Dienst befindlichen Sonnenlegionäre (aber in Anbetracht der Notlage stehen sie trotzdem bereit) Galvin Gathrin und Arvid Dappersjen, Bruder Vitek, Bruder Littjew, der Abt-Baron, Gamrik und Gerald blieben bei den zwei Besessenen im Gebetsraum.
Spieler: Sascha (Berichterstattter), Christoph, Holger, Christian (GM)
Gamrik begann wieder behutsam mit den Besessenen zu reden. Durch den Tumult der anderen Patienten, welche gerade den Raum verließen, konnte von den Besessenen nur das Wort „Feind“ wahrgenommen werden.
Gamrik fragte daraufhin Semkin: "Welcher Feind?"
Semkin antwortete ihm „Aufwachen! Von Osten kommt der Feind“
Gamrik fragte weiter: "Wer bist du?"
Semkin antwortete mit den Worten: "Mein Tod bringt unseren Sieg."
Gerald, der die ganze Situation neugierig beobachtete, wollte den Namen der legendären Goblinschamanin Kunga Suula einwerfen, nur um die Reaktion der Besessenen zu sehen. Seine Frage "Ist Kunga Suula für euren Zustand verantwortlich?"
Gleichzeitig antwortet Semkin mit „Gebt alles für das Vaterland!“ und Paale mit „Ich sterbe wie ein König – reich und angesehen.“
Die Reaktion der Besessenen zeigte deutlich, dass sie unsere bisherigen Fragen nach bestem Wissen beantwortet hatten.
Paale sagte „Seit tapfer und gerecht dann lässt dein Reichtum die Welt erstrahlen!“
Während dieses Zitates trat Semkin respektvoll vor Paale zurück, um ihr Platz für ihre Aussage „Ich sterbe wie ein König, Tapfer und Angesehen“ zu machen.
Gamrik begann daraufhin die zweite Strophe des Goblingedichtes zu zitieren
Semkin reagierte darauf mit der Aussage „Aufwachen! Von Osten naht der Feind!“ während Paale die Strophe einfach bejahte.
Danach zitierte Gamrik die erste Strophe.
Beide Besessenen sagen wie aus einem Mund „Ja“
Mit den Worten „Wir fallen für ein Reich das nach zwei Seiten ficht.“ fällt Semkin in Ohnmacht.
Auch Paale fiel nach dem Satz „Gib stolz und Ruhm der Macht der Meute.“ ebenfalls in Ohnmacht.
Gerald viel auf, dass diesmal die Aussagen sogar für ihn einen Sinn ergeben, eine Tatsache die ihm mal wieder an seinen Geisteszustand zweifeln ließen. Unter der wahnwitzigen Annahme, dass die eingefahrenen Wesen bzw. übernatürlichen Kräfte etwas mit den Goblins zu tun haben, könnten die Aussagen wie folgt interpretiert werden:
- Vom Osten kommt der Feind…ein Reich das nach zwei Seiten ficht
- ….ein Reich der Goblins wurde angegriffen.
Ist Kunga Suula verantwortlich für euren Zustand?
- Gebt alles für das Vaterland!
- Mein Tod bringt unseren Sieg
- ...Helden gingen klippwärts fort…Den Tod von eig’ner Hand nur gibt es dort.
- Wir fallen für ein Reich…
Könnte es sein, dass die Schamanin ein Ritual nahe einer Klippe abgehalten hat, welches Goblinopfer verlangte, um ihr Volk zu retten?
- Seit Tapfer und Gerecht dann lässt dein Reichtum die Welt erstrahlen
- Ich sterbe wie ein König, Tapfer und angesehen
- Auf Ehre, Sieg und güld’ne Kriegsbeute
Diese Tugenden und Verlangen haben die Goblins von heute nicht mehr. Gingen sie vielleicht durch den Kampf oder das Ritual verloren?
Gerald war klar, dass diese Fragestellungen noch auf sehr wackligen Beinen stehen. Von Thesen zu sprechen wäre – im aktuellen Stand seiner Beobachtungen – nicht nur vermessen, sondern unseriös...oder größenwahnsinnig...was wiederum zum Ambiente passen würde...
Gleichzeitig ist ihm klar, dass die gesamte aventurische, kermale, astrale und normale Lehrwelt, es als bewiesen ansieht, dass Goblingeister weder beschworen noch nachgewiesen werden können. Dazu gibt unzählige Studien, Berichte und Abhandlungen, die alle gemeinsam habe: Gescheiterte Versuche Goblingeister zu beschören oder ihre Existenz nachzuweisen. Alle kommen zum gleichen Ergebnis: Goblingeister gibt es nicht.
Deshalb musste sich Gerald nochmal ausdrücklich einbläuen einem offenen Verstand zu behalten. Sich jetzt schon auf Thesen festzulegen, sorgt nur dafür, dass man die Beobachtungen passend interpretiert bzw. anpasst und nicht umgekehrt.
Nach dem die Besessenen ohnmächtig wurde, kam der Abt-Baron von Korswandt auf Gamrik zu. Doch sein Blick ist von Entsetzen erfüllt, dass während der heiligen Handlung des Morgengebetes zwei unglückliche Seelen von geisterhaften Mächten heimgesucht wurden. Dennoch, unbeirrt von dieser schaurigen Begebenheit, verkündet er mit fester Stimme, dass die bevorstehende Verhandlung unweigerlich zur geplanten Zeit stattfinden soll. Man lasse sich von solchen ungebetenen Gästen nicht die praiosgegebenen heilig Ordnung durcheinanderbringen.
Kaum fünf Minuten später kehrten die beiden von Geistern besessenen Menschen wieder zu Bewusstsein, um, nach einer Untersuchung der zuständigen Ärzten zum Frühstückstisch gebracht zu werden.
Gerald schlug Gamrik vor, den Gebetsraum zu verlassen und stattdessen ein Stockwerk höher auf das Dach des majestätischen Burgfrieds zu gehen, um dort die sagenumwobene Blutklippe zu suchen. Als sie das Dach wieder betraten, überkam sie wieder das unbehagliche Gefühl, dies konnte kein Zufall mehr sein. Doch sie ließen sich nicht entmutigen. Da die Burg auf dem höchsten Punkt im gesamten Gebiet erbaut wurde, ist die Spitze des Turm der höchste Punkt bis zum Horizont. Man hat einen beeindruckenden und weiten Blick in alle Himmelsrichtungen über den Korswald bis an den Horizont. Eine imposante Klippe – zweifellos die gesuchte Blutklippe – entdecken wir in Richtung Süd-süd-ost, mitten im düsteren Korswald. Irgendwie beeindruckend und gleichzeitig furchterregend. Die Klippe scheint zwar nur 7-10 Kilometer Luftlinie entfernt zu sein, doch durch den dichten Wald würde es eine ganze Tagesreise zu Fuß oder zu Pferden dauern, um dorthin zu gelangen.
Geron, der wachsame Beobachter, hatte gestern im Norden ein Feuer entdeckt. Die Spannung stieg, als sie auf dem Turm wieder frische Fußspuren im Schnee entdeckten. Doch diese Abdrücke gehörten weder den Stiefeln der Sonnenlegionäre noch den einfachen Strohschuhen der Leibeigenen. Ein Rätsel, das es zu lösen galt. Schließlich entschieden sich Gerald und Gamrik dazu, den Turm wieder zu verlassen und ihre Aufgaben für den Tag nachzugehen.
Gamrik bereitete sich auf die bevorstehende auf 10:00 Uhr angesetzte Gerichtsverhandlung vor. Er schlüpfte in das Gewand des Verteidigers und schreitet mit Entschlossenheit in Richtung des Gerichtssaals.
Währenddessen hatte Gerald den Entschluss gefasst, die Norbarden aufzusuchen, um sie dazu zu bewegen, ihren Aufenthalt bei den Bronnjare rechtmäßig anzumelden.
Als Gerald über den prächtigen Hof zum Burgtor schriet, erklang plötzlich die Glocke des Tores. Am Tor angekommen, erblickte er Dascha, begleitet von ihrer treuen Vertrauten Minka und zwei weiteren Männern der Jantareff-Sippe. Die beiden Sonnenlegionäre Ulmjescha Kruschin und Nadjescha Elmsjen geleiteten die Gruppe in das Innere der Festung zum Audienzsaal des Abt-Barons, während der Sonnenlegionär Marissja Gemmenthaler zum Palas geht.
Gerald, der von dieser Szene überrascht war, trat auf Dascha zu und sprach sie an. Er konnte seinen Ohren nicht glauben, als Dascha ihn sagte, dass sie Jelomir von Korswandt einen Vorschlag unterbreiten wolle. Da sie keine Zeit – oder vielleicht auch keine Lust – hatte Gerald alles zu erzählen, beschloss er die Norbardengruppe zu begleiten, da er so auch sein Anliegen nochmal mit Dasha besprechen konnte.
Die Sonnenlegionäre führten sie durch den Hof direkt in das Erdgeschoss des Burgfrieds, der ja zu einem einfachen Audienzsaal umgebaut wurde. Mit einer eindrucksvollen Geste forderten die Sonnenlegionäre die Gruppe auf, geduldig zu warten, bis der Abt-Baron sich Zeit für sie nehmen könne. Er sei bezüglich ihrer Ankunft informiert worden.
Währenddessen im Palas. Der Speisesaal des Palas wurde in seiner Sitzordnung von den Leibeigenen der Burg zu einem Gerichtssaal umgestaltet. Neben Fetanka, die von den beiden Sonnenlegionären Garamold Goldenbacher und Ilbin Dübelholz bewacht wurde, waren auch noch Prainike Eslamsrodener und ihr Ehemann Vito von Elkauen-Schossko anwesend. Prainike trug das Gewannt des Anklägers und blickte konzentriert auf die Angeklagte. Vermutlich ging sie in Gedanken ihre Agitation noch einmal durch. Jelomir von Korswandt, in der standesgemäßen Robe des Richters gekleidet, wies ein paar Leibeigenen an noch letzte notwendiger Anpassungen durchzuführen, damit die Räumlichkeiten hinreichend für eine ordentliche Verhandlung sei. Gamrik blätterte gerade in seinen Unterlagen um zum wiederholten mal seine Argumentation für den Antrag eine notwendigen Vertagung durchzugehen, als ein der Sonnenlegionär, Merissja, eintritt und mit dem Abt-Baron spricht. Merissja erklärt, dass eine Delegation der Norbardensippe Jantareff unter der Führung der Mumme Dascha Jantareff in der Angelegenheit Fetanke um eine dringende Audienz bäten. Man habe sie in den Audienzsaal gebracht, wo diese nun auf den Abt-Baron warten würden. Bezüglich dieser Störung nicht erfreut, beschließt der Abt-Baron trotzdem den Beginn der Verhandlung um 30 Minuten, auf 10:30, zu verschieben. Gamrik verlässt seine Mandantin, die darüber sichtlich entsetzt ist, und geht dem Abt-Baron hinterher.
Der Abt-Baron fragte die anwesenden Norbarden höflich, was der Grund führ ihren Besuch wäre.
Dasha unterbreitete ihm mit sehr geschickten Argumenten und salbungsvollen Worten ein Angebot zu einem – aus ihrer Sicht sehr attraktiven – Vergleiches. Man könne doch die Irritationen einer Verhandlung und die sich daraus ergebenden Kosten doch schon jetzt minimieren und stattdessen eine Kompensation der Unannehmlichkeiten anstreben, um die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Als ein Geste des Guten Willens hatten die Norbarden auch Geschenke, einen Topf Honig, den symbolische Batzen und ein paar wunderschöne Gewobene Wollmäntel mitgebracht.
Der Abt-Baron war etwas verärgert darüber, dass sie versuchten, die Gerechtigkeit durch Bestechung zu umgehen. Dennoch lehnte er das Angebot nicht schroff ab und nahm sogar die Geschenke an, um die Diplomatie aufrechtzuerhalten.
Dascha interpretierte die übliche Ablehnung des ersten Angebots (alles andere wäre – aus Sicht der Norbarden – eine Beleidigung gewesen) als eine Verhandlungstaktik des Abt-Barons. Gerald erkannte aber, dass von Korswandt nicht verhandeln wollte noch würde.
Dascha versuchte, das Angebot zu erhöhen, leider ohne die gewünschte Wirkung. Als Kompromiss und damit Dascha nicht ihr Gesicht verlöre, lässt der Abt-Baron – auf Grund der besonderen Lage – es zu, dass auch Norbarden, als Zeugin an der Verhandlung, zugelassen sind. Sowohl der Verteidiger, als auch der Ankläger können, bei Bedarf, entsprechend Zeugen dann benennen.
Gerade als man sich einig ist, stürmt Garamold Goldenbacher in den Audienzsaal und informiert den Abt-Baron: "Wir haben ein Problem mit der Angeklagten, eilen Sie bitte schnell!"
Sofort eilen alle Anwesenden in den Gerichtssaal, wo sie die Zibilja am Boden liegend vorfinden. Es scheint, als hätte sie einen Anfall erlitten, der sie zu Boden geworfen hat.
Der Sonnenlegionär Ilbin Dübelholz berichtet, dass die Angeklagte Fetanka Jantareff plötzlich Symptome einer Besessenheit zeigte. Sie sei zurückgelehnt, sich den Bauch streichelnd, von einem Anwesenden zum anderen geschritten und versucht dabei mit wirren Goblinischen und Garethi Sätzen, in Kontakt zu treten, ähnlich dem, wie sich Therinja III von Ilmenstein vor ca. 14 Tagen verhalten hat. Leider war niemand anwesend, der hier der Besessenen hätte sich annehmen, helfen oder unterhalten können. Es waren alle zu entsetzt. Es schien der Eindruck, dass Fetanka nach jemand gesucht hätte. Schließlich wurde Fetanka mit den Worten "Wir fallen für ein Reich, das nach zwei Seiten ficht." bewusstlos. Ilbin ist sich nicht sicher ob sie davor nicht auch noch etwas von „nicht nur“ gemurmelt hätte...
Genau zu diesem Zeitpunkt erhob Dascha ihre Stimme, da sie Fetanka am Boden liegen sah und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Abt-Baron, indem sie ihm eine schlechte Behandlung Fetankas vorwirft. Die Sonnenlegionäre zurückhaltend, bietet der Abt-Baron Dascha an, dass sie den weiteren Verlauf der Verhandlung aus dem Gelass verfolgen dürfe, falls sie sich nicht in der Lage fühle sich wie ein Gast zu verhalte. Sie habe jetzt noch die Wahl. Daraufhin besann sich Dascha und hielt sich zurück. Wie wir schon so oft beobachten konnte, erwacht auch jetzt wieder die besessene Person nach kurzer Ohnmacht.
Um Dascha etwas zu beruhigen, sprach Gerald mit ihr.
Die Verhandlungen wurde, zwar wie geplant, aber trotz der nicht geplanten weiteren Überraschung, mit 30 Minuten Verspätung um 10:30 begonnen.
Überraschenderweise forderte die Anklägerin nicht das zu erwartende Ausbrennen der Zibilja, sondern deren unverzüglichen Hinrichtung.
Gamrik reagierte jedoch nicht direkt auf diese Forderung der Anklägerin, sondern bittet um eine Vertagung. Er argumentiert, dass er bisher nicht ausreichend Zeit gehabt hätte, alle Unterlagen zu begutachten, und dass es der Angeklagten gesundheitlich nicht gut gehen würde.
Der Richter stimmt einer Vertagung bis zum Nachmittag zu und verlangt ein ärztliches Gutachten von Bruder Littjew, um festzustellen, ob die Angeklagte verhandlungsfähig sei. In Anbetracht der Dringlichkeit und der Kritikalität und um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, bittet er Bruder Littjew unverzüglich um die Erstellung eines Gutachtens zur Verhandlungsfähigkeit der Angeklagten. Bruder Littjew sichert zu, dass er dieses Gutachten in der notwendigen gerichtsfesten Qualität in sechs Stunden erstellen können. Daraufhin vertagt der Vorsitzende Abt-Baron auf 17:00. Das sollte genügend Zeit sein, sodass alle um 18:00 Uhr am Abendgebet teilnehmen können.
Gamrik und Gerald wecken Gieselhold, um ihn auf den Stand der Dinge zu bringen. Nach kurzer Rücksprache beschließen die drei folgendes zu tun:
- Gamrik durchsucht die Krankenakten weiter nach Hinweisen. Dabei hat er ein besonderes Augenmerk auf Emjan von Hursakoje hat.
- Gerald kümmert sich derweil um die Norbarden, dass diese nicht auf für den Gerichtsverhandlung ungünstige Ideen kämen.
- Gieselhold geht in den Keller und stemmte, basierend auf seinen Beobachtungen von letzter Nach die „Löcher“ in der Wand unauffällig wieder auf. Damit sollte der diensthabende Wächter diese entdecken könnte und dann Meldung machen. Sehr wichtig ist dabei, dass Gieselhold keinerlei Spuren hinterlässt, soll, die auf die Helden zurückführen könnte. Derartige Spuren wäre fatal für den weiteren Verlauf der Verhandlungen. Denn diese Heimlichkeit – dieses „nicht im Licht des Praios wandeln“ – kann nur negativ ausgelegt werden.
Um Dascha zu beruhigen und ihr Vertrauen zu gewinnen, führt Gerald sie und ihre Begleitung in das Arbeitszimmer von Gamrik.
Als sie den Raum betreten, nimmt Gerald die Rolle des Gastgebers an und beginnt, die Gruppe nach ihren Beweggründen zu befragen. Mit einer Stimme, die von Entschlossenheit und Mitgefühl erfüllt ist, erklären sie: "Wir sind hier, um Fetanka aus diesem schicksalhaften Dilemma zu befreien. Wir haben drei Tage lang auf eine unserer Schwestern verzichten müssen, und das ist einfach nicht hinnehmbar."
Dascha, mit einem Blick voller Aufrichtigkeit und Vertrauen, möchte den guten Ruf Fetankas im Zeugenstand bestätigen. "Wenn sie sagt, dass sie es nicht war, dann spricht sie die Wahrheit", verkündet sie mit fester Stimme.
Um die Aussagekraft von Daschas Worten zu verstärken und ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen, überredet Gerald sie, sich und ihre Familie endlich offiziell hier im Lehen anzumelden. Denn nur durch eine offizielle Registrierung können ihre Worte die volle Wirkung entfalten und die Wahrheit ans Licht bringen. Schon habe die Anklägerin in ihrer Eröffnungsrede diese Weigerung sich anzumelden verwendet, um diese grundsätzliche kritische Motivation der Jantareff gegenüber der legitimen Autorität als einen Hinweis auf die schändliche Motivation von Fetanka zu verwenden.
Gerade als Dascha Gerald über das offensichtlich erhöhte „Aufkommen“ an Schitzen berichtete und dass die Norbarden hier davon beunruhigt sind und die Gegend schnellstmöglich verlassen wollten, verdrehte sie plötzlich die Augen. Sie schien gerade ein Opfer der Besessenheit zu werden.
Minka und die beiden Norbarden sind schockiert und nicht im Stande etwas zu unternehmen. Im Singsang der altertümlichen Garethi Sprache sagte sie zu Gerald gewandt „Eurer Fürsten sind eure Väter, doch ihr müsst den Müttern folgen.“
„Ich sterbe wie ein König reich und angesehen“.
Gerald fragte darauf hin Dascha: „Werte Person sagt an, kennt ihr den Orden der Theaterritter?“
Ohne zu zögern antwortete Dascha mit „Ja“, gefolgt von den Worten „Gib Stolz und Ruhm, die macht der Meute“.
Dies waren ihre letzten Worte, bevor sie in Ohnmacht fiel.
Auch hier dauerte die Ohnmacht nicht lange an, zum Glück, denn gerade als Dascha aufwachte klopfte der Sonnenlegionär Galvin Gathris an der Türe. Dieser bat Gerald Gieselhold im Keller aufzusuchen.
Nach einer kurzen Rücksprache mit den Norbarden, ob es in Ordnung gehe, und den Hinweis, dass es um 13:00 Uhr Essen im Gemeinschaftsaal gäbe, lief Gerald los, denn eigentlich sollte niemand Gieselhold IM KELLER FINDEN!?!
Gamrik hat sich wieder in eines der Behandlungszimmer im Burgfried hier im ersten Stock zurückgezogen. Das Zimmer wurde im vom Abt-Baron zur Verfügung gestellt, damit der die Patientenakten nicht durch die ganze Burg tragen müsse. Inmitten der Stille die ihm umgab, saß er über seinen Unterlagen gebeugt. Seine Neugierde, sich in die Tiefen der Patientenakten von Emjan zu vertiefen, war geweckt. Die Akte beinhaltete folgende Punkte:
- Am 5. Boron 39, d.h. vor ca. zwei Monaten, wurde Emjan auf eigenen Wunsch durch seinen Bruder eingewiesen.
- Bruder Rochnow ist für Emjans Untersuchung und Behandlung zuständig.
- Die Diagnose lautete Raserei, die andere gefährdet und auch zur Selbstverletzung führt. Ein Zustand, der Gamrik neugierig machte.
- Doch etwas Besonderes fiel Gamrik ins Auge: Eine handschriftliche Notiz auf der Rückseite der Einweisungspapiere, die besagte, dass Emjan aufgrund der Gefahr für andere, insbesondere nachts, sicherungsverwahrt im Keller unter Verschluss gehalten werden sollte. Unterzeichnet war dies von Bruder Rochnow.
Gerade als Gamrik sich bereit machte, eine neue Akte zu öffnen, betrat die Sonnenlegionärin Nadjescha Elmsjen das Behandlungszimmer. Mit wenigen Worten teilte sie Gamrik mit, dass Gieselhold sich gerade im Behandlungssaal im Keller befände. Gamrik eilte daraufhin los, um zu ihn zu gehen. Was ist mit Gieselhold passiert? Niemand hätte Gieselhold im Keller sehen sollen!!!
Kurze Zeit zuvor erwachte Gieselhold aus seinem traumlosen Schlaf. Anders als erwartet lag er nicht in seinem Bett, sondern auf einer Behandlungspritsche im Behandlungszimmer des Kellers. Um ihn herum stehen Bruder Stane, der Sonnenlegionär Raul Maultheuer und die Assistentin von Bruder Stande Verisja Perschoff.
„Wo bin ich? Was ist geschehen?“, fragt Gieselhold und denkt sich dabei ‚Vorsicht, den Raum kenne ich offiziell nicht.‘
„Du befindest dich hier im Keller-Behandlungszimmer. Du hattest einen Anfall. Ich gehe davon aus, dass nun auch du ein Opfer der Besessenheit wurdest. Es wird an der Zeit, dass unser Abt-Baron dagegen endlich Maßnahmen ergreift. Du hast hier alle sehr erschreckt.“
„Erschreckt?“, fragt Gieselhold.
„Du bist mit den Worten ‚‘Aufwachen! Von Osten naht der Feind!‘ in den Keller gestürmt gekommen“, berichtet der anwesenden Sonnenlegionäre, „woraufhin ich Alarm ausgelöst habe.“
„Zum Glück für uns hat sich das als Fehlalarm herausgestellt“, meinte Bruder Stane, „aber zumindestens hat es gezeigt, dass die Sonnenlegionäre ihr Handwerk verstehen und wir hier in guten Händen sind.“
„Ich habe selten jemanden mit einer derartigen Überzeugung die Wort ‚Gebt alles für das Vaterland‘ sprechen hören. Du hast irgendwie das Talent zum Anführer…“, fragt Raul Maultheuer
Gieselhold setzt sich erst mal wieder auf. Er ist ja nicht krank.
„Gerald und Gamrik werden sicherlich gleich da sein.“, versucht Bruder Stane Gieselhold zu beruhigen, während Verisja Perschoff ihm ein Glas Wasser reicht.
Um Gieselhold zu beruhigen – oder abzulenken – plaudert man so mit ihm über dies und das.
Laut Verisja Perschoff, sei die Stimmung hier im Keller sowieso gedrückt. Die Nerven aller Patienten lägen blank. Keiner könne nachts mehr schlafen, da sie von ständigen mysteriösen Klopfgeräuschen geplagt wurden. Zudem kam es immer wieder zu Besessenheit unter den Patienten. Kein Wunder also, dass Verisjas Schwester Tjeika Walroder, die normalerweise auch hier arbeitet, zurzeit wegen nervlicher Überlastung krankgeschrieben zuhause im Dorf sei.
Gamrik schritt mit entschlossenem Schritt durch den düsteren Kellerbereich. Doch bevor er Zutritt zum Keller erlangen konnte, musste er sich in das Besucherbuch eintragen. Eine scheinbar belanglose Formalität, die Gamrik jedoch geschickt zu nutzen wusste.
Mit geschultem Auge durchforstete er die Einträge vergangener Tage, auf der Suche nach einem Muster, nach den Zeiten, zu denen Bruder Rochnow den Keller betrat. Und siehe da, das Geheimnis lüftete sich: Jeden Tag nach dem Abendessen und vor dem Morgengebet begab sich der Bruder in die Tiefen des Kellers. Mit dieser Information ging Gamrik und der gerade dazugekommene Gerald in das Behandlungszimmer.