Die Recherche muss weitergehen (7. Hesinde - 9. Hesinde 1030 BF)
Am Abend des 7. Hesinde 1030 BF kehren wir nach Firunen zurück.
Auf dem Weg haben wir uns überlegt, welche dringenden Fragen wir als Nächstes klären müssen:
- Wer weiß, wo Leudara ist?
- Woher hat sie ihr Mahl, und was bedeutet es?
Basierend auf den neuen Informationen, die wir vom Köhler erhalten haben, wollen wir alle relevanten Personen erneut befragen. Um effizienter vorzugehen, teilen wir uns auf:
Hesindian und Harold machen sich auf den Weg zum Rondra-Tempel, um mit Rondrowin zu sprechen. Häger und Hartwin werden Leudara und ihre Amme, Geertja Peddersen, noch einmal befragen.
An der Hütte angekommen, werden Häger und Hartwin freundlich von den beiden Frauen zum bescheidenen Abendessen eingeladen. In der ärmlichen Behausung sitzen sie auf improvisierten Stühlen an einem kleinen Tisch und genießen die dünne Grütze.
Häger und Hartwin, so einfühlsam wie sie sind, ignorieren Leudaras Anwesenheit zunächst und richten ihre Fragen direkt an Amme Geertja. Sie wollen intime Details aus Leudaras Vergangenheit erfahren, insbesondere:
- Woher weiß Leudara so sicher, dass sie zu den Theaterrittern gehört?
- Kennt Geertja die Bedeutung des Mals an ihrem Nacken?
- Erinnert sie sich an die Geschehnisse vor 30 Jahren?
Die sichtlich irritierte Amme verweist auf den Rondra-Tempel, in dem die entsprechenden Geschichtsaufzeichnungen zu finden seien. Wer Leudaras Eltern waren, wisse sie nicht. Sie könne jedoch mit Sicherheit sagen, dass der Tempel ihr einst mitgeteilt habe, dass Leudara dort abgegeben wurde – eine Information, die sowohl sie als auch Leudara den Helden bereits früher erzählt hatten.
Geertja bestätigt zudem, dass es unter den älteren Bewohnern Firunens allgemein bekannt sei, dass es vor 30 Jahren eine Sekte namens „Korsmals-Bund“ gegeben habe. Diese sei damals unter der Führung von Rondrowin aufgespürt und für ihre Vergehen bestraft worden. Weiteres könne sie jedoch nicht sagen. Sie erinnert sich allerdings daran, dass die Helden versprochen hatten, Leudara dabei zu helfen, Beweise für ihre adlige Abstammung und ihre Verbindung zu den Theaterrittern zu finden. Was sie jedoch verwundert, ist, warum sich Häger und Hartwin so sehr auf die düsteren Ereignisse von damals fokussieren.
Als die Helden Leudara direkt fragen, was sie so sicher mache, von adliger Herkunft zu sein, scheint ihre Antwort zunächst ausweichend. Sie gibt an, dass die Bevölkerung ihr mit auffallendem Respekt begegne – was sie zu der Annahme verleite, von edler Abstammung zu sein. (Anm. d. Red.: Was Leudara so alles erzählt haben soll…so so.)
Hartwin fragt sie erneut, warum sie ihnen bis nach Firunen gefolgt ist. Sie wiederholt, was sie bereits in Wiesel im Gasthof „Zum Weisen Schwan“ erzählt hatte: Nach längerer Überlegung und einer Nacht des Nachdenkens sei sie zur Überzeugung gelangt, dass die Helden mit ihren Argumenten recht hätten. Deshalb habe sie sich entschieden, ihnen rasch nach Firunen zu folgen.
Als Hartwin schließlich nach der Bedeutung des Mals an ihrem Nacken fragt, tauschen Leudara und ihre Amme einen vielsagenden Blick. Doch seine genaue Bedeutung bleibt unklar. Ihre Antwort ist ausweichend: Sie wüssten es selbst noch nicht genau. Zudem falle es Leudara „etwas schwer“, das Mal an ihrem eigenen Nacken eingehender zu untersuchen …
Bevor sie aufbrechen, erkundigen sich die Helden, ob es in Firunen einen Laden für Amulette und Talismane gebe. Geertja empfiehlt ihnen „Olga Woltjes Krämerladen und Mehr“, einen kleinen Laden in einer Nebenstraße nahe dem Marktplatz.
Währenddessen sind Hesidian und Harold im Tempel angekommen und wollen mit dem diensthabenden Offizier sprechen, um zu klären, ob Rondrowin noch Besucher empfängt. Der Offizier informiert die beiden, dass Rondrowin am Abend mit einigen Novizen und Adepten an einem Ort namens „Zum kleinen Goblin“ vor dem Westtor Firunens verabredet sei.
Zwar gelingt es Hesidian und Harold, einige Informationen zu erhalten, doch der erhoffte Durchbruch bleibt aus. Angesichts des stetigen Besucherstroms im Gasthof beschließen sie, noch länger zu verweilen – in der Hoffnung, doch noch etwas Entscheidendes zu erfahren. (Anm. d. Red.: Da war wohl noch mehr, aber es scheint im Suff der Helden „verloren gegangen“ zu sein … dann ist es halt so.)
Am Morgen des 8. Hesinde 1030 BF machen sich Häger und Hartwin auf den Weg zur Krämerin, um sich dort zu passenden Amuletten und Talismanen beraten zu lassen. Doch die schiere Fülle der angebotenen Amulette und Steine übersteigt Hägars finanzielle Mittel, sodass er sich schließlich für ein schlichtes Amulett aus Stein entscheidet, das ihn 10 Silbertaler kostet.
Unterdessen brechen Hesindian und Harold erneut zum Rondratempel auf, um Rondrowin ein weiteres Mal zu befragen. Diesmal übernimmt Hesindian das Gespräch. Geschickt versucht er, beiläufig Informationen über die Geschehnisse vor 30 Jahren zu entlocken, doch Rondrowin bleibt wachsam und hakt immer wieder nach, was genau Hesindian wissen wolle. Als die Sprache auf das geheimnisvolle Mahl kommt, schweigt Rondrowin beharrlich. Wir gewinnen den Eindruck, dass er mehr weiß, als er zugibt, doch er weigert sich, sein Wissen preiszugeben.
Stattdessen wiegelt er ab und betont, dass Leudaras Weihung alle offenen Fragen bedeutungslos gemacht habe. Er insistiert darauf, dass es manchmal besser sei, den Mantel des Vergessens über die Vergangenheit zu legen. Nicht jede dunkle Ecke müsse ausgeleuchtet werden – oft sei es klüger, nach vorne zu blicken, statt in der Vergangenheit zu wühlen.
Zum Thema Korsmal-Bund-Sekte bestätigt er, dass es diese Sekte einst gegeben habe und dass er sie – nach eigenen Worten – bereits vor langer Zeit vollständig zerschlagen habe. Sollte es jedoch noch irgendwo Überreste dieser Gruppierung geben, so sei er entschlossen, dies zu erfahren. Seine Haltung zu diesem Thema ist von starkem Eifer geprägt, und es entsteht der Eindruck, dass er auch heute noch ein unerbittlicher Verfolger dieser Sekte ist.
Nach dem intensiven Gespräch mit Rondrowin begeben sich Hesindian und Harold in die Bibliothek des Tempels, um weitere Informationen über die damaligen Ereignisse rund um die Verhaftung der Korsmal-Bund-Sekte zu finden.
Der Bibliothekar unterstützt die beiden eifrig und beginnt, stapelweise Bücher aus den Tiefen der Bibliothek hervorzuholen. Während sie sich durch die Berge an Folianten arbeiten und eine erste Sortierung vornehmen, fällt Hesindian buchstäblich ein dünnes Büchlein in die Hände – verborgen zwischen den dicken Chroniken des Tempels. Als er es neugierig durchblättert, stechen ihm besonders folgende Abschnitte ins Auge:
- Theaterritter-Kulte sollen ihren Mitgliedern bei der Weihe ein Mal in Form einer neunfingrigen Klaue in den Nacken eingebrannt haben. Zudem wurden an ihnen weitere archaisch oder ketzerisch anmutende Rituale vollzogen.
- Ein Bericht des Magiers Falladan zu Norburg beschreibt weitere seltsame Merkmale an einem untersuchten Leichnam:
„... Als ich das Haupthaar des Leichnams untersuchte, entdeckte ich plötzlich ein kleines schwarzes Mal in Form einer neunfingrigen Klaue in seinem Nacken. Der herbeigerufene Rondrageweihte betrachtete den toten Mann sichtlich ratlos. Doch als ihm die feinen, arabesk angeordneten Narben auf dem Rücken, die mit rätselhaften Runen tätowierte Brust und die verlängerten Eckzähne des Gebisses auffielen, befahl er umgehend die Übergabe des Körpers und die Einstellung jeglicher Nachforschungen ...“ — Aus dem Bericht des Magus Falladan zu Norburg, 1001 BF.
Hesindian legt das Büchlein auf den Stapel der Bücher, die sie eingehender analysieren wollen. Als der Bibliothekar wenig später mit weiteren Werken aus dem Labyrinth der Regale zurückkehrt, meint Hesindian ihn leise murmeln zu hören: „... das hat nichts mit dem Thema zu tun ...“
Später jedoch stellt er fest, dass das kleine Büchlein spurlos verschwunden ist.
Ansonsten bestätigt sich in den historischen Dokumenten vieles von dem, was Rondrowin bereits erzählt hat. Zudem stoßen sie auf Skizzen eines Wappens, das drei dreizehige schwarze Klauen auf weißem Grund zeigt – ein Symbol, das dem Korsmal-Bund zugeordnet wird.
Mittags stoßen Hartwin und Häger in der Bibliothek zu Hesindian und Harold. Beim gemeinsamen Mittagessen gleichen die vier Helden ihre Erkenntnisse ab und diskutieren das weitere Vorgehen.
Als Nächstes wollen sie Irinje, die Hochgeweihte des Tempels, zu den beiden Hauptthemen befragen. Außerdem planen sie, sie darum zu bitten, dass der Bibliothekar das mysteriöse Büchlein erneut heraussucht.
Doch leider ist Irinje derzeit nicht zu sprechen. Die Helden erhalten stattdessen einen Termin für den nächsten Morgen. Da für heute keine weiteren Nachforschungen möglich sind, beschließen sie, sich ausnahmsweise mal den Nachmittag über zu entspannen und „früher“ zu Bett zu gehen.
Am Morgen des 9. Hesinde 1030 BF machen sich die Helden auf den Weg zum Tempel, um mit der Hochgeweihten zu sprechen. Im Gespräch erfahren sie, dass sie Gerüchte über den geheimnisvollen Korsmal-Bund gehört habe. Angeblich sollen sich dessen Anhänger in den Ruinen der Feste Leufurten treffen – angezogen von den dort umherirrenden Geistern gefallener Theaterritter. Sie selbst hält dies jedoch für eine Schauergeschichte, die vor allem in der Firuner Jugend kursiert. Wer seriös sei, würde solchen Unsinn wohl kaum glauben.
Zum Zeichen der neunfingrigen Klaue erklärt sie, dass es das Symbol des Rondra-Sohns Kor sei, den auch die Theaterritter verehrten. Ihm werden einige ihrer legendären Fähigkeiten zugeschrieben. Auch Leudara trage ein solches Mal – das wisse jeder im Tempel, der damals dort lebte, als sie aufgenommen wurde. Da es sich jedoch um ein persönliches Thema handelt, bittet sie die Helden, direkt mit Leudara darüber zu sprechen. Es bleibt den Helden also nicht anderes übrig, als Leudara nun direkt zur diesem Mahl zu konfrontieren.
Doch als die Helden den Tempel verlassen und die frische Luft einatmen, wird die Stille abrupt durch den prasselnden Galopp eines Pferdes durchbrochen. Ein Bote reitet im gestochenen Galob heran, sein Pferd schnaubt, als es die steinigen Pflasterstraßen entlangfliegt. Der Bote scheint in höchster Eile zu sein. Sein Pferd hat noch nicht angehalten, als er schon abspringt und im Tempel verschwindet. Kaum ist er verschwunden, erwacht der Tempel in einem Wirbel von Aktivität. Etwas ist passiert – und es fühlt sich nicht gut an.
Gerade als wir das Spektakel beobachten, wird unser Blick von einer vertrauten Gestalt abgelenkt. Geertja, ihre Kleidung zerrissen, ihre Augen glasig und erfüllt von Panik, winkt uns aufgeregt von der anderen Straßenseite zu. Ihr Stand ist unsicher. Die Helden kämpfen sich durch die Menschenmenge, die sich zufällig und neugierig vor dem Tempel gebildet hat. Als sie endlich in der engen Seitengasse ankommen, in der Geertja auf die Helden wartet, teilt ihnen die Amme mit keuchender Stimme: „Sie… sie haben sie genommen… Leudara… sie haben sie entführt!“
Ein kaltes Schaudern läuft den Helden den Rücken herunter, als Geertja ihre Worte herauspresst. Sie ist sichtlich mitgenommen, ihre Hände zittern, als sie uns erzählt, was in der Nacht geschehen ist. „Schwer gerüstete Ritter...“, stammelt sie, „…ich konnte es kaum glauben, aber sie kamen in der Nacht, überwältigten uns. Sie… sie haben Leudara mitgenommen.“ Ihre Augen weiten sich, als sie sich an das schreckliche Detail erinnert, das ihr besonders in den Kopf eingebrannt ist: „Auf der Waffenscheide eines der Entführer… war ein Zeichen. Eine neunfingrige Klaue. Genau wie bei…“
Ihre Worte ersticken in einem Schrei, der tief in uns widerhallt – und in diesem Moment wissen wir: Diese Entführung ist keine gewöhnliche. Die Klaue – das Symbol – alles deutet darauf hin, dass mehr hinter dieser Sache steckt, als sich die Spieler je hätten vorstellen können.