September 1, 2024

Betrunken oder nicht

Nachdem wir herausgefunden hatten, dass Alriksej betrunken gemacht worden war, beschlossen wir den Rest des 7. Phex1039 BF zu nutzen und der Sache auf den Grund zu gehen.

Gerald, der sich immer gut in den Tavernen auskannte, begab sich zurück in die Kneipe, in der wir Alriksej bewusstlos auf dem Boden gefunden hatten. Der schale Geruch von verschüttetem Bier und kaltem Rauch hing noch immer schwer in der Luft. An den Tischen saßen ein paar zwielichtige Gestalten, die uns mit misstrauischen Blicken musterten, als Gerald sich zum Tresen durchkämpfte.

Spieler: Sascha, Christoph (Berichterstatter), Christian (GM)

Er beugte sich zu dem Wirt vor, einem breitschultrigen Mann mit einem dichten, grauen Bart und tiefen Augenringen. „Sag mal, wer war mit Alriksej hier? Hast du gesehen, wer ihm den letzten Krug eingeschenkt hat?“ fragte er, die Stimme gedämpft, aber bestimmt.

Der Wirt wischte mit einem schmutzigen Lappen über den Tresen, warf einen kurzen Blick auf Gerald und schnaubte abfällig. „Viele kommen und gehen hier, nicht mein Job, mir die Gesichter zu merken. Alle haben mit Alriksej seine Erfolge gefeiert. Besonders lange und intensiv an dem Tisch mit fünf Zwergen. Ein sehr trinkfestes Volk und damit für mich ein gutes Geschäft. Am Ende hat Alriksej genug getrunken, wie’s aussieht – mehr weiß ich nicht.“

Gerald kniff die Augen zusammen, aber er merkte, dass er hier nicht weiterkommen würde. Der Wirt war entweder nicht interessiert oder hatte wirklich nichts gesehen. Mit einem Nicken drehte er sich um und verließ die Kneipe, draußen empfing ihn die kalte Abendluft.

WIE LANGE HAT DAS GESPRÄCH GEDAUERT !?!?!

Gleichzeitig wanderte ich durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen des Viertels, die von den schiefen Fassaden der alten Holzhäuser gesäumt wurden. Er hielt Ausschau nach einem Hinweis, etwas, das ihm weiterhelfen könnte.

An einer Ecke entdeckte er eine alte Dame, die sich an einen Stock lehnte und neugierig die Vorübergehenden musterte. Ihr faltiges Gesicht erhellte sich, als sie mich erblickte, und sie winkte ihm zu. „He, junger Mann! Ihr sucht doch jemanden, nicht wahr?“

Ich trat näher, mit einem höflichen Lächeln im Gesicht. „Ihr habt scharfe Augen, Großmutter. Tatsächlich suche ich nach einem Mann namens Alriksej, Ihr wisst schon, den aktuellen Favoriten bei dem Wettkampf. Habt Ihr ihn vielleicht gesehen?“

Die Alte nickte weise und hob eine knöcherne Hand. „Ja, ja, ich hab ihn gesehen. Er war nicht allein – Zwerge waren bei ihm, stark aussehende Kerle, sahen nach Söldnern aus. Sie hatten Waffen bei sich, schwere Äxte, an denen große gelbe Feder gebunden waren. Ging nicht gut für den jungen Mann aus, das kann ich euch sagen.“

Ein kurzes Gespräch folgte, und ich bedankte mich für die Hilfe. Mit diesen neuen Informationen kehrte er zurück, bereit, die Spuren weiter zu verfolgen.

Da Gerald etwas länger gebraucht hat als ich, um mit dem Wirt ins Gespräch zu kommen, machte ich mich schon einmal auf den Weg in Richtung des Zwergenlagers, das außerhalb der Stadt lag. Die Straßen der Stadt waren ruhig, nur vereinzelt zogen sich Menschen durch die Gassen.

Während ich vorbeiging, hörte ich, wie der Junker lautstark mit Rikarda stritt. „Du hast kein Recht, mir so zu widersprechen!“ fuhr er sie an, woraufhin sie nur scharf erwiderte: „Ich lasse mich nicht länger von dir herumschubsen!“ Es schien eine hitzige Auseinandersetzung zu sein, doch ich schenkte dem Streit keine große Beachtung und setzte meinen Weg fort.

Kurz vor dem Lager begegnete mir ein Zwerg, der eine schwere Axt über der Schulter trug und mich misstrauisch musterte. Sein Blick verhärtete sich, als ich ihn nach ein paar Zwerge fragte. „Hmpf, ich sprech’ deine Sprache nicht gut,“ knurrte er, bevor er nach kurzem Überlegen einen Schritt zurücktrat und mit einer fleischigen Hand auf einen Weg in die Stadt zeigte. „Geh zu Blumenladen… Händler dort. Der weiß mehr.“

Ohne weiter Zeit zu verlieren, folgte ich seiner Anweisung und erreichte bald in einem ruhigen Viertel der Zeltstadt den „Blumenladen“, der sich eher als Gemischtwarenladen mit angegliederte Kneipe herausstellt. Ich begrüßte den älterer Zwerg mit einem breiten Lächeln, das jedoch nicht ganz seine Augen erreichte. Kaum hatte ich meine Frage gestellt, wusste er sofort Bescheid. „Ach, die Zwerge. Söldner, richtig? Die Gelbhüte. Hab von ihnen gehört – sie sind bekannt dafür, sich für den richtigen Preis fasst alles machen .“

Nachdem ich herausgefunden hatte, wer die Zwerge waren, machte ich mich direkt auf, um sie zu sprechen. Das Gespräch verlief ähnlich wie zuvor, denn auch diese Zwerge konnten meine Sprache nicht besonders gut. Doch mit etwas Silber in meiner Hand und einem wohlwollenden Lächeln schien ich ihr Interesse geweckt zu haben.

„Ein kleiner Norbardenjunge… so ähnlich wie du,“ sagte einer der Zwerge mit schwerem Akzent und rieb sich lachend den Bart. „Hat uns überzeugt, den Auftrag zu übernehmen. Nichts Großes, aber der Junge hatte überzeugende Argumente.“

Das Gespräch war äußerst hilfreich, und da die Zwerge bereitwillig Informationen teilten, gab ich ihnen noch etwas mehr Geld. „Hier, für euch, damit ihr euch die nächsten beiden Tage keine Sorgen um Getränke machen müsst.“ Sie nickten dankbar, und ich verabschiedete mich, bereit, die nächsten Schritte in Angriff zu nehmen.

Während ich meinen Weg fortsetzte, stieß ich auf eine Gruppe Norbardenkinder, die mir – wie es ihre Art war – sofort etwas andrehen wollten, das ich nicht gebrauchen konnte. „Sommerschuhe, bester Preis! Nur heute!“ rief einer von ihnen mir entgegen und hielt mir ein Paar Schuhe unter die Nase, das bei diesem kalten Wetter vollkommen nutzlos war.

Mit einem gequälten Lächeln versuchte ich, mich aus dem Verkaufsgespräch herauszuwinden, aber schließlich entschied ich mich, meine „Verhandlungskünste“ spielen zu lassen. Es war mehr eine Mischung aus verzweifeltem Feilschen und halbherzigem Überreden, doch irgendwie schaffte ich es, ihnen eine Information zu entlocken: Offenbar war Janko Ragoschoff derjenige, der hinter dem Auftrag steckte, irgendwie. Trotz dieser neuen Information war ich mir bewusst, dass ich noch nicht genug in der Hand hatte. Erst mal darüber schlafen, vielleicht habe ich morgen früh noch eine Idee.

Am nächsten Morgen, es ist der 8. Phex 1039 BF, versuchte ich, Leudara zu überzeugen, dass das Ganze nicht rechtens war, jedoch nicht überzeugend genug. Ihre skeptischen Blicke und knappen Antworten ließen mich schnell merken, dass meine spärlichen Informationen nicht ausreichten, um sie zu überzeugen. Am Ende brachte das Gespräch leider nichts ein, außer der Erkenntnis, dass Alriksej seine Erfolge mit zu vielen zu intensiv gefeiert hat und das einzig und alleine seine – vielleicht dumme – Entscheidung war.

Ich bin unzufrieden, kann aber Leudara auch verstehen, dass sie Fakten benötigt um handeln zu können. Zusammen machen wir uns auf den Weg zum letzten, sechsten Wettkampfes des Wettbewerbs, der ein Wettrennen sein wird. Eine gespannte Menge hatte sich vor den Toren der Stadt versammelt, um das große Wettrennen zu verfolgen. Der kalte Wind trug die Rufe und das Murmeln der Zuschauer über die weite Strecke, die sich vor den Teilnehmern erstreckte.

Leudara eröffnet – wie gewohnt – mit dem historischen Bezug des Wettkampfes die Veranstaltung:

Als die Praioten Anno 337 die Ritter schnöde hintergingen und durch Verrat den Orden an der Drachenspalte schlugen, ward dies die Stunde der Heiligen Rondragabund. Also nahm sie den Tempelschatz zu Festum und lud ihn auf den Wagen eines wohlgesinnten Dieners. Dero fünfzig Rondrakämme, allesamt von Götterhand geweiht, fuhr der Ritter letzte Hauptmann in den Norden, auf dass den Sonnenknechten keiner in die Hände fallen mocht.

Und wie die Heilige Rondragabund soll heut der Tapferste nur sein, welcher eilig im Gefährt der Schwerter drei zuvörderst an den Zielort bringt.“

Drei Schwerter lagen auf jedem der kleinen Einspänner, gezogen von zähen Eseln, die den harten Weg bewältigen mussten. Spannung lag in der Luft, als alle Teilnehmer sich zu ihren Eselkarren begaben. Auch Alriksej schwang sich auf seinem Karren, die Hände fest um die Zügel geschlossen, während er seine Gegner, die drei Reiter die in zehn Meter Abstand hinter ihm Aufstellung genommen hatte, im Blick behielt. Sie saßen auf ihren Eseln und waren bereit, ihn auf der Strecke gnadenlos zu verfolgen.

Ein Horn ertönte, und der Wettkampf begann.

Alriksej schlug die Zügel über den Rücken seines Esels, der sofort antrat und sich in Bewegung setzte. Staub wirbelte auf, als die Teilnehmer ihre Karren über das unebene Gelände zogen. Schon bald schoss das erste Reitertrio heran, entschlossen, Alriksej von seinem Vorsprung abzubringen. Die Strecke war hart, und jeder Schlag auf den Karren ließ die Schwerter bedrohlich klappern. Alriksej trieb seinen Esel zur Höchstgeschwindigkeit, doch die Verfolger kamen immer näher.

Einer der Reiter setzte zum ersten Mal an: Mit einem gekonnten Schwung warf er sich aus dem Sattel seines Esels und landete auf Alriksejs Karren. Der Boden unter den Rädern war holprig, doch der Angreifer hielt sich fest. Alriksej spürte den plötzlichen Ruck, als der Reiter versuchte, eines der Schwerter zu ergreifen. Mit einer schnellen Bewegung riss Alriksej an den Zügeln und wich geschickt aus, während er mit einer Hand nach hinten griff. Mit einem kräftigen Stoß schubste er den Gegner gerade noch rechtzeitig vom Karren, bevor dieser das Schwert packen konnte. Er wusste, ein Schwert verlorenes Schwert zu einer sofortigen Ausscheiden führt.

Doch es blieb keine Zeit zum Durchatmen. Die anderen beiden Verfolger waren ebenfalls herangekommen und versuchten, ihn auf der Seite zu überholen. Alriksej kämpfte verbissen darum, die Kontrolle über seinen Wagen zu behalten, doch die holprige Strecke machte es ihm nicht leicht. Der zweite Reiter startete einen erneuten Versuch, auf den Karren zu springen, doch Alriksej, die Zügel immer noch fest in der Hand, wehrte den Angriff gerade so ab, indem er dem Reiter einen heftigen Stoß versetzte. Der Angreifer fiel vom Karren, und Alriksej konnte seine Fahrt fortsetzen, doch er merkte, dass die ständigen Kämpfe seinen Esel erschöpften und seine eigene Konzentration schwanden ließ.

Der letzte Reiter setzte nun alles auf eine Karte. Mit einem wilden Schrei sprang er von seinem Esel auf den Karren. Alriksej, der bereits schwitzte und die Zügel immer fester zog, war sichtlich erschöpft. Doch er wusste, dass dies der letzte Gegner war, der zwischen ihm und dem Ziel stand. In einem verzweifelten Kraftakt zog er an den Zügeln und versuchte, den Gegner loszuwerden. Der Kampf auf dem Karren war hart, die Räder rumpelten über das unebene Gelände, und der Reiter versuchte, eines der Schwerter zu ergreifen. Mit aller Kraft riss Alriksej an seinem Arm, und nach einem kurzen, heftigen Ringen gelang es ihm, den letzten Angreifer über die Kante des Wagens zu schleudern.

Mit brennenden Lungen und pochenden Armen trieb Alriksej seinen Esel über die letzten Schritte der Strecke. Hinter ihm hörte er das Getrappel der nachfolgenden Karren, doch er wusste, dass es knapp werden würde. Die Ziellinie kam näher, und mit einem letzten Aufbäumen stürmte Alriksej hindurch, nur einen Wimpernschlag vor seinen Konkurrenten.

Das Publikum brach in lauten Jubel aus, und Alriksej, schwer atmend und schweißnass, hob triumphierend die Hand. Er hatte es geschafft – gerade so.

Nach dem spannenden Wettbewerb und Alriksejs knappen Sieg beschlossen wir, uns in einer der besten Kneipen der Stadt zu treffen, um ein kurzes Fazit zum Wettkampf zu ziehen und das weitere Vorgehen mit Alriksej und Ricarda zu planen und abzustimmen. Die „Goldene Garbe“ war eine einladende, gut besuchte Taverne, die für ihre hervorragende Küche und die gemütliche Atmosphäre bekannt war. Sobald wir eintraten, umfing uns der Duft von frisch gebackenem Brot, gegrilltem Fleisch und warmen Kräutern. Die schweren Holztische und die ledergepolsterten Bänke gaben dem Raum eine behagliche Wärme, die in scharfem Kontrast zur Kälte draußen stand. Überall brannten Kerzen in hübschen Leuchtern, und die Deckenbalken waren mit getrockneten Blumen und Kräutern dekoriert, die leise im Zug der offenen Fenster schwankten.

Wir nahmen an einem runden Tisch nahe dem Kamin Platz, wo das Feuer knisterte und uns das Gesicht wärmte. Gerald bestellte gleich eine große Runde deftiger Gerichte: gebratene Hühnerkeulen, Eintopf mit Wurzelgemüse und eine Platte mit allerlei Käse und Brot. Ich lehnte mich zurück, mein Bierkrug mit Milch in der Hand, und während das Essen aufgetragen wurde, begannen wir unser Gespräch.

Es dauerte nicht lange, bis das Thema auf die Schiedsrichterin Leudara kam. Sie war uns allen ein Rätsel geblieben, eine kluge und charmante Frau, die dennoch etwas undurchdringlich wirkte. Alriksej, der inzwischen seine zweite Schüssel Eintopf leerte, blickte auf und meinte: „Ihr habt doch sicher auch gemerkt, dass sie etwas verheimlicht. Da steckt mehr dahinter, als sie zugeben will.“

Gerald nickte, schob sich ein Stück Brot in den Mund und sprach, während er kaute: „Ja, da ist was dran. Ich hab mich ein wenig umgehört.“ Er nahm einen tiefen Schluck aus seinem Krug, bevor er fortfuhr. „Leudara hat Verbindungen zu einigen der alten Adelsfamilien im Bornland, das ist sicher. Aber es gibt Gerüchte, dass sie nicht nur für die Bornländer arbeitet. Manche sagen, sie hält enge Kontakte zu den – und zwar nicht auf die übliche Weise.“

Das erregte unsere Aufmerksamkeit. Die Norbarden waren bekannt für ihre reisenden Karawanen und den Handel, aber auch für ihre heimlichen Geschäfte, die nicht immer im Licht der Öffentlichkeit stattfanden. Ich runzelte die Stirn, legte mein Besteck beiseite. „Und was genau soll das bedeuten? Hat sie… Verbindungen zum Schmuggel?“ fragte ich skeptisch.

„Möglicherweise,“ antwortete Gerald und kratzte sich am Kinn. „Aber ich glaube nicht, dass es nur ums Geld geht. Leudara hat Einfluss – mehr, als sie zeigt. Es scheint, dass sie versucht, ein Spiel zu spielen, das über das hinausgeht, was wir sehen.“

Alriksej, der immer noch die letzten Reste seiner Mahlzeit genoss, schnaubte und lehnte sich zurück. „Das würde zu ihr passen. Sie weiß immer mehr, als sie sagt, und lenkt die Dinge, ohne dass es auffällt. Ich wette, sie hat schon lange ihre eigenen Pläne, vielleicht sogar abseits von den Aufträgen, die sie uns gibt.“

Ich nahm einen Schluck aus meinem Krug, überlegte welche Aufträge Alriksej meinte und ließ die Worte der anderen auf mich wirken. Es ergab Sinn, dass Leudara mehr wusste und lenkte, als wir bislang gedacht hatten. „Also wenn das stimmt,“ sagte ich nachdenklich, „dann sollten wir vorsichtig sein, wie viel wir ihr anvertrauen. Vielleicht arbeiten wir nicht nur für sie, sondern auch gegen ihre versteckten Ziele.“

Unser Gespräch verstummte für einen Moment, nur das Knacken des Feuers und die fröhlichen Stimmen der anderen Gäste in der Taverne erfüllten die Luft. Die Erkenntnis, dass Leudara uns möglicherweise nicht die ganze Wahrheit erzählt hatte, ließ uns wachsam werden. Auch wenn wir ihr gegenüber bisher loyal gewesen waren. Gab es jetzt Zweifel?

Gerald hob seinen Krug und prostete uns zu. „Egal, was sie vorhat – wir werden es herausfinden. Und wenn sie doppelt spielt, dann sollte sie sich besser vorsehen.“

Wir lachten, aber es war ein bitteres Lachen, vermischt mit der Sorge, was uns noch erwarten würde. Das restliche Essen verlief in angeregten Gesprächen über mögliche Wege, mehr über Leudara herauszufinden. Doch eines war klar: Wir würden genau hinsehen müssen, um nicht selbst in ihre Pläne verwickelt zu werden, bevor wir das ganze Bild verstanden hatten.

Alriksej und Ricarda verabschiedeten sich mit den Wort, sie müssen jetzt noch die letztem Handel abschließen, damit die Transportwägen gebaut werden können. Gerald und ich brachen dann auch noch auf, um noch ein bisschen Zeit in der Stadt zu verbringen. Denn am Abend wollten wir uns noch mit Leudara treffen, um die Wiedersehen-Feier endlich nachzuholen.

Als die Sonne untergeht machen wir uns auf den Weg. Im „BBQ-Keller“, einer der schönsten Kellertavernen der Stadt, flackerte das warme Licht der Kerzen über die schweren Holztische. Die Luft war erfüllt vom Duft frisch gebratenen Fleisches, Kräutern und dem leisen Knistern des Kamins. Gerald, Leudara und ich hatten sich an einem gemütlichen Tisch nahe dem Feuer niedergelassen, um den Abschluss eines langen Tages zu feiern.

Leudara, die auch jetzt in ihrer roten, weiße Geweihtenrüstung saß, hob ihren Krug mit einem breiten Lächeln. „Auf den Erfolg und auf Rondras Stärke,“ rief sie und nahm einen kräftigen Schluck von ihrem Bier, während die Krüge der anderen Gäste um sie herum klangen. Zum ersten mal fällt mir auf, dass sie auch ein schwarzes Bärenfell über der Schulter trägt.

Da ich kein Bier mochte, hatte ich mich stattdessen für einen klaren Apfelsaft entschieden und hob meinen Becher. „Ich bleibe bei meinem Apfelsaft,“ sagte ich grinsend, „aber feiern, das kann ich auch.“

Gerald, der sich Tee bestellt hatte, weil er das bittere Gebräu ebenfalls nicht mochte, blies leicht auf seine dampfende Tasse und nahm einen Schluck. „Ein wenig Ruhe hat doch auch etwas Gutes,“ murmelte er zufrieden und lehnte sich entspannt zurück.

Die Nacht war jung, und die Stimmung ausgelassen. Es war ein guter Abend. Der Wettbewerb war fast vorbei. Und der gewünschte Sieger stand, obwohl wir keine „Beitrag“ leisten mussten, fest: Alriksej. Wir hatten das Gefühl, dass auch Leudara erleichtert ist. Es zeigte sich mal wieder, dass Leudara eine Partylöwin ist. Nicht nur Bier und andere Alkoholische Getränke wurden Opfer dieses unersättlichen Raubtiers, sondern auch so manchen Kraut, dass Gerald aus seinen Taschen zauberte wurde kollektiv konsumiert. Spät am Abend kam Leudara auch irgendwie ins Plaudern, aber ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. Hängen geblieben ist nur, dass Leudara glaubt, Rondras Gebote lassen sich mit dem Gelöbnis der Silbernen Horde (Anm. d. Red.: Theaterrritterorden) in Einklang bringen. Und dies entsprächt auch den Lehren des Firuner Rondratempels, wo man Kor mit besonderer Inbrunst verehre.

Wie wir alle dann zurück zu unseren Übernachtungsstätten Betten gefunden haben ist versunken im Nebel des Vergessens.