Der bittere Verlust von 40 Batzen...ach ja und ein Mann ging über Bord und hat gerade so überlebt...aktuell...
Einen halben Tag waren wir schon mit dem Floss unterwegs, als wir in der tiefen Dunkelheit des Waldes, am neunten Tag des Phex im Jahre 1039 BF, die Schatten der Bäume sich wie geheimnisvolle Wächter um uns scharten, unser Nachtlager vorbereiteten. Es war 18 Uhr und der Himmel war mit einem sanften Schleier aus Wolken bedeckt, die vereinzelt Schneeflocken wie funkelnde Sterne vom Firmament herabfallen ließen.
Spieler: Christoph, Christian (GM), Sascha (Berichterstatter)
Gieselhold und Gerald machten sich auf in die unberührten Tiefen des Urwalds, um das kostbare Holz für das Lagerfeuer zu finden, welches unser Lager erhellen sollte. Gerald hielt die Lampe hoch, deren Schein wie ein Leuchtturm in der Dunkelheit strahlte, während Gieselhold sich unter die knorrigen Äste eines alten Baumes schob, um das Holz zu suchen.
Doch als wir die Rinde der Bäume betrachteten, erblickten wir seltsame Zeichen, die in das Holz eingraviert waren. Halt, viel mehr war die Rinde in dieser Form so gewachsen. In Ehrfurcht vor den geheimnisvollen Wesen des Feenvolks, die in diesen Wäldern lebten, entschieden wir uns, diese Bäume unberührt zu lassen, um ihren Zorn nicht zu erwecken. Stattdessen suchten wir einen Baum, dessen Rinde frei von Mustern war, und sammelten dort das Holz, das wir benötigten, vom Boden auf.
Mit unserer Beute kehrten wir zurück zu unserem Lagerplatz, dessen Geräusche uns bereits von Weitem erreichten. Ein hitziger Streit hallte durch die kalte Luft – Ricarda und Alriksej, unsere zwei leidenschaftlichen Wegbegleiter, waren in eine Auseinandersetzung verwickelt. Als wir eintrafen, vernahmen wir die Worte, die wie ein Urteil durch die Nacht schnitten: Alriksej sollte in dieser Nacht allein schlafen.
Wutentbrannt ging Ricarda an die Kochstelle, um das Essen vorzubereiten. Ricarda, eine wahre Meisterin der Töpfe und Pfannen, stand am Feuer und rührte mit geschickter Hand einen köstlichen Wildniseintopf, dessen verlockender Duft die kalte Nachtluft durchdrang.
Gieselhold war damit beschäftigt, die Flammen zu kontrollieren, die in einem leidenschaftlichen Tanz empor zuckten und die Dunkelheit mit ihrem warmen Licht durchbrachen. Die Hitze war intensiv, und das Knistern der brennenden Äste schien die angespannte Atmosphäre zu verstärken. Während die köstliche Speise vor sich hin köchelte, spürte Gieselhold plötzlich einen unheimlichen Blick auf sich ruhen, als ob unsichtbare Augen aus den Tiefen des Waldes ihn beobachteten. Ein Schauer lief ihm über den Rücken, und das Gefühl der Unruhe ließ ihn beschließen, auf dem Floß zu übernachten, um dem geheimnisvollen Blick zu entkommen.
Gerald sorgte dafür, dass eine kleine Menge des köstlichen Eintopfs als Geschenk für die Feen hinterlassen wurde, die in den verborgenen Winkeln des Waldes lebten. In der Hoffnung, ihre Gunst zu gewinnen und den Zorn der Naturgeister zu besänftigen, stellte er das kleine Gefäß behutsam an den Rand des Lagers.
Nach dem üppigen Mahl, das die Gefährten in geselliger Runde – wenn man das zerstrittene Liebespaar mal ignoriert – genossen hatten, senkten sich die müden Augenlider und der Schlaf umhüllte sie wie ein sanfter Mantel der Nacht. Gieselhold fand seinen Ruheplatz auf dem schaukelnden Floß, während Gerald bei den anderen am Lagerfeuer schlief.
In den Tiefen seines Schlafes entglitt Gerald der Realität und fand sich in der vertrauten Umgebung seiner Heimatstadt wieder. In diesem Traum, der von der Dämmerung durchzogen war, begab sich Gerald auf einen beschaulichen Abendspaziergang. Plötzlich erblickte er in der Ferne einen majestätischen Wachturm, der sich gegen den Himmel erhob. Auf dessen Spitze entdeckte er eine Frau, deren Haare im Wind tanzten, doch ihr Gesicht war von Tränen gezeichnet. Ihr Weinen durchdrang die Stille der Nacht und riss Gerald aus seiner träumerischen Ruhe.
„Soll ich dir helfen?“, rief er mit fester Stimme, doch die Antwort, die ihm entgegenschallte, war gedämpft und voller Verzweiflung, als ob die Frau von einem Band geknebelt wurde. Entschlossen, ihr beizustehen, stellte Gerald fest, dass ihm die Arme fehlten, als ob die Dunkelheit ihn seiner Kraft beraubt hätte.
(Willensstärke-Probe mit QS4) Mit einem mutigen Herzen rannte er auf seinen gelben Krallenfüßen zu Reto Weinacker, dem Schlosser, der hier gleich um die Ecke seinen Laden hat, um dessen Leiter zu holen. An dessen Haus angekommen, merkte Gerald das die Leiter ungewöhnlich groß war und ihm wurde klar, dass er sie nicht allein tragen konnte. „Wecke Reto!“, dachte er verzweifelt, während er die Dunkelheit hinter sich ließ. Gerald redet auf den schlafenden Reto und kann diesen trotz aller Widrigkeiten wach bekommen. Vermutlich hat Retor die Dringlichkeit in Geralds Augen erkannte, denn er sprang auf und stellte die Leiter für Gerald an den Wachturm.
Gerald, beseelt von dem Drang zu helfen, kletterte die Leiter empor. Die Sprossen der Leiter konnte er nur unter großer Anstrengung unter Verwendung seiner Krallen und seines Schnabels erklimmen. Oben angekommen, bot sich ihm ein Bild des Elends: Die Frau war geknebelt und mit blonden Haarstrehnen gefesselt. Ihre Augen waren voller Hoffnung, dass Gerald ihr helfen könne. Mit all seiner Kraft und Geschicklichkeit setzte Gerald seine Krallen ein, um die Fesseln zu lösen, und tatsächlich, nach einem verzweifelten Kampf begannen sich die Fesseln zu lösen...
"Aufstehen, deine Wache fängt an" rief Ricarda zu Gerald und riss ihn damit abrupt aus seinem Traum.
Derweil lag Gieselhold die ganze Nacht mit offenen Augen auf dem Floß. Schlaf war ihm ein ferner Traum, unerreichbar und nicht einmal flüchtig, während die Schatten um ihn herumtanzten und die Sterne am Himmel wie stille Zeugen seiner Qual leuchteten. Als die Stunde seiner Wache heranbrach, kämpfte er gegen die Schläfrigkeit an, die wie ein schwerer Nebel über ihm lag. Sein Geist war ein Schlachtfeld, und die Müdigkeit versuchte, ihn in die Tiefen des Schlafes zu ziehen, was ihm aber verweigert blieb. Theoretisch ein Vorteil, wenn man Wache halten muss, aber von Nachteil, wenn einem dadurch die Sinne vernebelt werden. Doch Gieselhold hielt stand und blieb wach, auch wenn die Zeit sich quälend langsam dahinzog und nichts als die Stille der Nacht ihn umgab. Auch Alriksej, der mit ihm Wache hatte, schien kein Bedürfnis zu haben sich mit ihm zu unterhalten. Der blickte in die Glut des Lagerfeuers und grübelte.
In der Morgendämmerung, als die ersten Strahlen der Sonne den Horizont küssten, erhob sich Gerald aus den Fängen des Schlafes. Sein Blick fiel auf Gieselhold, der in der Einsamkeit seiner Wache kämpfte. Ein tiefes Mitgefühl durchströmte ihn, denn er kannte das Gefühl nur zu gut, mit dem Buch in den Händen zu schlafen. Für diesen Tag sollte die Last des Buches wieder bei Gerald liegen.
Am Morgen des 10. Phex, als die ersten Strahlen der Sonne den frostigen Nebel durchdrangen, versammelte sich die tapfere Reisegruppe auf dem wackeligen Floß, bereit, ihre epische Reise fortzusetzen. Doch kaum hatten sie den Anker gelichtet, erblickte Gieselhold in der Ferne drei schemenhafte Gestalten, die ihnen mit funkelnden Augen nachspähten. Es waren wilde Goblins, deren tätowierte Haut im Licht der Morgensonne schimmerte und die mit unheilvollem Grinsen auf ihre Beute lauerten?
Die Fahrt auf dem reißenden Fluss war ein wilder Tanz mit den Elementen. Plötzlich, als das Floß über einen heimtückischen Stein raste, wurde die Gruppe von einem gewaltigen Ruck durchgeschüttelt. Ricarda und Alriksej drohten in die tosenden Fluten zu stürzen. Mit einem mutigen Sprung rettete Gieselhold Ricarda, doch das Schicksal war unbarmherzig – Alriksej fiel in die kalten Tiefen des Wassers.
Gerald konnte Alriksej nicht erreichen und sah entsetzt zu, wie er über Bord ging. In einem verzweifelten Versuch, ihn zu retten, griff Gerald unter lautem Rufen „Mann über Bord“ nach der Ruderstange und streckte sie aus, während die Strömung unbarmherzig an dem Norbarden zerrte.
Nachdem Gieselhold Ricarda sicher war, dass Ricarda wieder einen sicheren Stand gefunden hatte, kümmerte er sich sofort unermüdlich in seinem Streben um das Dringendste, denn er hatte bemerkte, dass mehrere Stahlstangen über die Bordkante fielen, wie verlorene Schätze in den Abgrund des Flusses. Mit unerschütterlichem Mut rettete er so viele Stangen, wie es ihm möglich war, während das Wasser um sie herum wütete, Gerald um Alriksejs Leben kämpfte und Ricarda verzweifelt versuchte Gerald zu unterstützen.
Schließlich gelang es Gerald, mit der Ruderstange Alriksej aus den klammernden Fängen des Wassers zu ziehen. Atemlos und erschöpft zogen er und Ricarda ihn zurück auf das Floß.
Gieselhold, der die Situation rund um die Ladung konzentriert im Blick behielt, zählte die Eisenstangen mehrmals und stellte dann mit einem schweren Herzen fest, dass zehn von ihnen dem reißenden Fluss zum Opfer gefallen waren, ein Verlust von 40 Batzen. Er informierte die anderen, die gerade noch mit dem Schock kämpften, dass Alriksejs vor dem Ertrinken gerade noch gerettet werden konnte. Doch schon zeigte sich das nächste Problem: Alriksejs nasse Kleidung. Ob der Tod durch erfrieren ein besser ist?
Doch trotz des Verlustes von zehn Stahlstangen war die Entschlossenheit der Gruppe ungebrochen – jetzt galt es das Floß schnell an das rettende Ufer zu Steuern, um Alriksej schnellstmöglich eine Aufwärmmöglichkeit zu bieten.
Inmitten der unbarmherzigen Elemente, während der Schnee leise aber immer dichter zu fallen begann und die Welt in ein glitzerndes Weiß hüllte, kämpfte die Reisegruppe mit aller Kraft, das wackelige Floß in die schützende Bucht zu steuern. Nach mehreren verzweifelten Anläufen, die von Anspannung und Entschlossenheit geprägt waren, gelang es ihnen unter der Anleitung von Gerald nach mehreren Fehlversuchen schließlich, in eine von der Strömung verschonten Bucht zu steuern.
Schnell machten sie sich daran, eine provisorische Schwitzhütte für den erschöpften Alriksej zu errichten. Aus dicken Fellen und langen Stangen formten sie einen schützenden Unterschlupf, während das Feuer, das sie aus den in Irberod mitgebrachten Brennholzvorräten entzündeten, mit seinem warmen Schein die Kälte der Umgebung zu vertreiben suchte. Alriksej wurde behutsam in die Hütte gebracht, um sich zu wärmen und neue Kraft zu schöpfen.
Während Ricarda im Notlager blieb, begaben sich Gieselhold und Gerald unterdes auf die Suche nach Holz, um das Feuer weiter zu nähren. Der Schneefall wurde immer stärker und der Wind nahm zu. Während sie so durch den schneebedeckten Wald streiften, entdeckten sie etwas Unheimliches: Spuren im frischen Schnee, die etwa 0,5 Schritt groß waren. Die abgebrochenen Äste und die gewaltigen Abdrücke ließen auf ein Wesen schließen, dessen Größe weit über fünf Schritt hinausging. Ein Schauer lief ihnen über den Rücken, und mit dem Holz in den Armen rannten sie hastig zurück zum Lager, das Gefühl der Bedrohung nagte an ihren Nerven.
Nach der Rückkehr ins Lager berichtete Gieselhold von seinen Beobachtungen und eine angespannte Diskussion über das unbekannte Wesen begann. Keiner konnte sich erklären, was für ein Geschöpf hier umherstreifte, doch alle waren sich einig, dass es kein Troll sein konnte, da diese kleiner waren und die Abdrücke im Schnee keine Fußabdrücke waren. Inmitten dieser Ungewissheit spürte Gieselhold plötzlich einen Blick auf sich ruhen. Ein kurzer Blick in alle Richtungen zeigte ihm einen geheimnisvollen humanoide Gestalt in einem weisen Umhang. Doch als er sich erneut darauf konzentrieren wollte, war die Gestalt bereits verschwunden.
Mit einem ernsten Ausdruck trat Gieselhold vor die Gruppe und berichtete von seiner Beobachtung. Die Atmosphäre war geladen mit einer Mischung aus Furcht und Neugier, Gieselhold und Gerald beschlossen sich die Stelle an dem die Unbekannte stand etwas näher anzusehen. Als beide dort ankamen, waren aber keine Spuren im Schnee zu erkennen. Entweder war es doch nur Einbildung oder die weißgekleidete Person war ein Feenwesen oder Elf. Da wir nichts weiter erkennen konnten, gingen wir wieder zurück ins improvisierte Lager.
In der Dämmerung begannen wir, unseren Platz für die Nacht zu befestigen. Während Gamrik und Geron die Schäden am Floß reparierte, kochte Gerald das Abendessen. Auch von diesem Essen stellte Gerald wieder eine kleine Schale an den Rand des Lagers, ob für die Feen oder die Tiere des Waldes konnte er nicht mit Gewissheit sagen. Während sich alle auf die Dunkelheit vorbereiteten, hofften wir darauf, dass Alriksej in der Wärme seiner Schwitzhütte wieder zu Kräften kommen würde, die Kälte aus seinem Körper vertrieben werden kann und er nicht erkrankte. Er war unser erfahrenster Steuermann. Wenn er ausfällt, wer soll uns dann durch diesen wilden Strom steuern?
In der Nacht fiel Gieselhold in einen tiefen Schlaf, und seine Träume entführten ihn in die pulsierenden Straßen von Havena. Dort, in dieser exotischen Welt, flog er durch die Lüfte, als wäre er ein Meister der Lüfte selbst. Er genoss ungewöhnlichen Blick von hier oben auf seine Heimatstadt, die in dem typischen Blau der Qwen Petryl Steine erstrahlte.
Nur der Halplatz war hell erleuchtet. Auch diesem schwang die schimmernde Klinge einer Axt an einem Seil, ein Pendel der Schicksale, das in einem hypnotisierenden Rhythmus hin und her tanzte. (Willenskraftprobe mit QS4) Gieselhold, von Neugier gepackt, schloss die Augen und stellte sich vor dem Pendel zu stehen. Als er die Augen wieder öffnete, stand er an der gewünschten Position. Mit einem kraftvollen Willensakt, stoppte er die Zeit – ein Triumph, der ihn mit einem Gefühl der Macht erfüllte. Leider musste er feststellen, dass er tatsächlich alles hier in seinem Traum so angehalten hatte, dass sogar er sich nicht mehr bewegen konnte.
Bevor er auf diese Situation reagieren konnte, wurde er von Gerald geweckt. Seine Schicht der Wache sollte jetzt beginnen.
Anders als sein Traum, war seine einsame Wache (Alriksej war freigestellt, da er sich von seinem eiskalten Bad erholen sollte) ereignislos und nur unterbrochen von dem vom Schnee freischaufeln des Lager. Und so sollte der Dunkelheit der Nacht bald die ersten Sonnenstrahlen des Morgens des dritten Tags ihrer Flossreise auf dem Westerbach durch den wilden Bornwald folgen. Bald sollte der Westerbach in den Born münden...so die Hoffnung.