Der Coup beginnt
Nach ausführlicher Planung und Vorbereitung durch die Helden, den Zulieferungen von Jucho und Gieselholds Alleingang in der Nacht zuvor, beginnt der eigentliche Coup.
Spieler: Udo, Sascha, Holger, Christoph, Christian (GM)
Um 9 Uhr muss das Beweismittel am Gericht sein, für die anstehenden Verhandlung zwischen Kapitän Starkad Garlufson der Traviakirche wegen Erregung öffentlichen Ärgernis. Das bedeutet frühes Aufstehen ein kleines schnelles Frühstück und dann ab in Hafenviertel um das Fuhrwerk abzuholen, welches Jucho bereitstellen hat lassen. Danach quer durch die Stadt, am Gerichtsgebäude vorbei, den Laufzettel und notwendige Papiere abholen und schnell weiter zum Gardehauptquartier. Wobei schnell heute in der aventurischen Großstadt maximal Schritttempo bedeutet da offenbar die gesamte Stadt unterwegs ist in Richtung Marktplatz. Da braut sich wohl wieder mal eine Demo zusammen und aus Schritttempo wird zusätzlich ein Stop-and-Go mit viel Gefluche und Geschimpfe.
Letztendlich kommt man beim Gardehauptquartier doch noch knapp im Zeitplan an. Dabei sehen die Helden wie Hauptmann Timpski mit seinen Weibel und ein paar andere Gardisten vor dem aufgebauten Gerüst steht und offenbar wegen irgendwas erbost gestikuliert. Die Helden beschließen ihn mal lieber nicht zu stören. Die Anmeldung am Eingang, das Warten auf den Asservatenkammermeister Nasjan, die Formalitäten zur Auslagerung von Gegenständen, der Laufzettel, das alles ist für die Helden bereits fast schon Routine. Nur auf den Schlüssel muss man etwas warten, den hat der diensthabende Weibel Pirski draußen bei Timpski. Mühsam wuchten die Helden mit gemeinsamer Anstrengung das Ungetüm von Figur, eingehüllt in einer Plane durch die Tür der Asservatenkammer, sie passt gerade so durch. Endlich hat man die Figur aus der Kammer draußen, kommt Timpski die Treppe herauf, eine Begegnung ist unvermeidlich. Als Timpski die Helden sieht, hellt sich sein Gesicht ein wenig auf. „Ah ein Wink des Schicksals, Geron würden sie mich bitte mit in mein Büro begleiten!“. Den Einwand das Geron für den Transport benötigt wird, bügelt Timpski ab, indem er einfach Gardisten dazu abstellt den Helden bei dem schwierigen und wichtigen Transport zu helfen. Sogar eine Geleiteskorte von fünf Gardisten bekommen die Helden für ihren Transport zum Gerichtsgebäude, damit auch auf dem Rückweg es diesmal zu keinen Verzögerungen durch schwierige Passanten komme.
Schicksalsergeben machen sich die Helden mit der Figur und der Eskorte auf den Weg ins Gerichtsgebäude – ohne Geron. Im Zuge den Gardisten auf den Kutschbock abzulenken, mach Geralt eine unbedachte Äußerung und weckt damit die Neugier des Gardisten: Wie sieht diese Figur eigentlich aus, die können wir uns doch jetzt mal ansehen, und findet für den Vorschlag regen Zuspruch von seinen anderen Kollegen. Schnell wickeln Gieselhold und Gamrik die Figur wieder ein, nicht das einer der Gardisten doch noch den Kopf ins Innere des Wagens steckt. Dann stimmt Gamrik dem Vorschlag ebenfalls zu, um das ganze schnell hinter sich zu bringen und damit noch genügend Zeit für den Tausch der Trommel bleibt. Kurze Zeit später muss der Wagen aufgrund des Gedränges anhalten und warten, da eine Demo vorbeizieht. Zeit um die Figur anzusehen. Man „entblößt“ die Figur und sieht sich einem drei Meter hohen „Stinkefinger“, gegenüber. Die Gardisten wollen sogleich die Figur ausladen und in voller Schönheit mitten auf der Straße aufstellen. Gamrik unterbindet dies umgehend, mit den Hinweis, das sei nicht professionell. Was nicht professionell an der Sichtung eines Beweisstückes durch die Garde sei, ist schwer nachvollziehbar, aber das Argument, dass die Helden Zuständig und damit auch Verantwortung für das Beweisstück sind, überzeugt dann die Gardisten (ein Hoch auf die Bürokratie).
Mit Mühe schiebt sich der Wagen durch die Menge bis zum Hintereingang des Gerichts, diese Zeit nutzen Gamrik und Gieselhold die Trommel aus der Figur in das Geheimversteck im Wagen zu bugsieren.. Das Ziel der Demo ist wohl das Gerichtsgebäude selbst, Gerichtsdiener und Gardisten halten die Meute gerade so davon ab das Gebäude zu stürmen. Selbst die Helden werden als Handlanger der Obrigkeit beschimpft. Auch das eine oder andere Ei oder faules Obst fliegt in ihre Richtung. Oha, das sind wohl wieder die überzeugten Festumer Supergutmenschen unterwegs… Egal, die Figur muss ins Gebäude gebracht werden. Das Ausladen und Transportieren ins Gebäude sehen die Gardisten nicht mehr als ihre Aufgabe und ohne Geron müssen alle andere anpacken – und den Wagen erstmals unbewacht zurückzulassen. Nach äußerst anstrengenden 25 Minuten ist die Figur endlich am Ziel, die Formalitäten sind erledigt und die Helden erhalten noch einen Rüffel, dass sich ganz schön spät dran sind. Der Mann hat heute wohl noch nicht aus dem Fenster gesehen…
Zurück im Hinterhof stellen die Helden entsetzt fest, dass der Wagen verschwunden ist. Geron hat es jetzt ebenfalls her geschafft und die Menge der Demonstranten hat sich gefühlt verdoppelt. Was Timpski von Geron wollte, ist jetzt erst mal zweitrangig. Der Wagen muss wieder her. Der für den Hof zuständige Gerichtsdiener hat keine Ahnung was die Helden von ihm wollen, als diese ihn nach dem Wagen fragen, macht sich aber auf den Weg um das zu klären. Aber die Zeit haben die Helden nicht. Direkt bei der Wache am Tor erfahren sie, das die Gardisten der Eskorte den Wagen herausgebracht haben, bevor hier gar nichts mehr ginge. Sie wollten zu einem sicheren Parkplatz vor der Kneipe „die schöne Gardistentochter“ östlich des Marktplatzes, so ein, zwei Straßen weiter. Dort würden sie mit dem Wagen warten.
Mit einem mulmigen Gefühl machen sich die Helden daran sich aus dem Gerichtsgebäude davonzustehlen, was zum einen gar nicht so einfach ist zum anderen eine große Menschenmenge auch reichlich dämlich sein kann.
Schließlich kommen die Helden relativ ungeschoren durch die Menge zu der der Kneipe und finden dort tatsächlich die Kutsche und ein Bierchen trinkend die Gardisten. Man verabschiedet sich und einer kurzen Prüfung später stellen die Helden fest, das die Trommel noch sicher an ihrem Ort liegt. Man übergibt die Kutsche samt Inhalt wie mit Jucho vereinbart an der vereinbarten Stelle – und damit ist der Auftrag erledigt.
Nach einer kurzen Stärkung beobachten die Helden die Demonstranten vom Rand des Platzen auf der Dachterrasse eines kleinen Cafes. Offenbar haben sich hier wieder mal verschiedene Interessengruppen zusammengefunden um allgemein gegen die Obrigkeit zu demonstriere bzw. skandieren. Gutmenschen sind dabei, Idealisten und Ideologen, der Schwarze Block und auch…Anhänger der Travia? Was machen die denn hier?
Nachdem sich die Demo mehr und mehr auflöst, suchen die Helden sich einen geeigneten Ort um sich auszutauschen. Was wollte Timpski von Geron? Kurz zusammengefasst, auch Timpski sieht in der Trommel den Grund für die Blockadesituation in der Stadt und möchte sie gerne „verschwinden“ lassen, soll heißen, die Helden sollen diese beschaffen und aus der Stadt bringen. Timpski wollte die Trommel Geron sogar zeigen, was dieser aber mit den Hinweis er habe noch einen Job und müsse dringend zu seinen Kollegen, gut vermeiden konnte. Jedenfalls müssen die Helden Timpski auf seine Anfrage eine Antwort geben. Aber das erst morgen.
Die Helden müssen irgendwie auf Timpskis Anfrage reagieren, ohne ihn zu verärgern oder gar den Verdacht auf sich selbst zu lenken. Schließlich ist die Trommel ja schon längst weg, was bisher offenbar noch niemanden aufgefallen ist. Die Helden beschließen, den „Auftrag“ dankend abzulegen, schließlich sind sie ehrbare Abenteurer, die sich zu einem Verbrechen nötigen lassen. Was denkt er sich überhaupt bei diesen unmoralischen Angebot.
Als man am Tag darauf im Gardehauptquartier vorstellig wird, mit der Bitte um einen Termin heute oder morgen bei Hauptmann Timpski, fällt dessen Adjutant lachend fast vom Stuhl.
„Wenn ihr Glück habt, so kann ich Euch viiiiileicht in drei oder vier Wochen irgendwo zwischen Tür und Angel...oder besser zwischen seinem Büro und dem Ratshaus ‚reinschieben‘. Um was geht es denn überhaupt? Vielleicht kann das ja ein Stellvertreter von ihm auch klären?“.
Man wolle mit ihm über ihre Arbeit für die Garde oder gar über eine Festanstellung mit ihm sprechen.
„Dafür ist Timpski gar nicht zuständig, geht ins Rekrutierungsbüro im Erdgeschoß.“
Nach einigem Hin und Her, lässt sich der Adjutant darauf ein, Timpski zu fragen ob er die Helden empfangen möchte. Die Helden vereinbaren eine Adresse an diese soll die Entscheidung über ein Treffen geliefert werden.
Während Geron Tags darauf an der besagten Adresse auf eine Nachricht wartet, vertreiben sich die anderen drei den Vormittag mit Behördengängen, Einkäufen oder Hausbesuchen. Mittags treffen die Helden wieder zusammen, und Geron bestätigt einen Termin mit Timpski am Nachmittag.
Beim Gardehauptquartier werden die Helden sofort zu Timpski vorgelassen, und man bespricht unter 10 Augen, sein Ansinnen. Mehr oder weniger direkt, lehnen die Helden eine „ungeplante Verlagerung“ der Trommel ab, mit der zuvor vereinbarten Begründung, man sei ja ehrbare Abenteurer mit Ehre und Anstand. Timpski akzeptiert dies mit einer angehobenen Augenbraue und unterbreitet den Helden einen weiteres Angebot: Der Gerüstbau ist offenbar nicht gemäß den „Weisungen und Richtlinien zu Arbeiten an einem sicherheitsrelevanten Gebäude“ erfolgt. Soll heißen der eigentlich beauftragte Gerüstbauer hat weder das Gerüst nicht aufgestellt, noch ist im bekannt, dass es aufgestellt hätte werden müssen, da die dafür notwendigen Freigaben noch nicht vorliegen und Geldmitteln auch noch nicht angewiesen wurden. Timpski wünscht sich eine Untersuchung wer und warum den Gerüstbau veranlasst hat. Auch diesen Auftrag lehnen die Helden ab, mehr oder weniger wegen der angebotenen Bezahlung von nur 20 Silbertaler (entspricht ungefähr dem Jahresgehalt eines Gardisten) ab.
Schließlich wird Timpski von seinem Adjutanten unterbrochen, er sei – wieder einmal – im Rathaus von Nöten, worauf Timpski sich eilends verabschiedet und den Raum verlässt. Auch die Helden verlassen das Gardehauptquartier.
Nach mehreren Tagen – es erfolgte bisher kein Aufschrei das die Trommel verschwunden sei – suchen die Helden erneut Jucho auf. Die Helden erhalten die ausgemachte Bezahlung plus einen Nachverhandelten Bonus von 20% für außergewöhnlich gute Arbeit. Es folgt noch etwas Small Talk und die Helden verabschieden sich von Jucho. Kurze Zeit später wird der Verlust der Trommel publik, der Aufschrei ist aber geringer als erwartet. Wie von Jucho vorhergesagt, pendelt sich daraufhin das öffentliche Leben, der Handel und die Arbeit des Rats relativ schnell wieder ein und die Lage in Festum entspannt sich, auch wenn diese aggressive Grundstimmung hier in Festum bleibt. Und manchmal haben die Helden das Gefühl, dass sie auch von so einen aggressiven Unruhe erfasst werden...