Der erste Abend in der Schenke Zum Roten Widderhorn
Die Sonne Aventuriens war gerade dabei unterzugehen als unsere Reisegruppe das Gasthaus „Schenke Zum Roten Widderhorn“ in Hinterbruch betrat. Der Eingang zur Gaststätte führte uns direkt in den großen Schankraum, welcher bereits gut besucht war. Die Frau hinter der Theke bemerkte unser Eintreten und mit einer kurzen Handbewegung wies sie unserer Gruppe einen Platz zu. Der Tisch war groß genug, dass sich alle zusammen hinsetzen konnten.
Geron ging aber erst einmal direkt zur Theke, um die heutige Übernachtung zu klären. An der Theke kam er mit der Frau ins Gespräch und sie stellte sich als Tsarina vor, ihres Zeichens die Wirtin der Gaststätte. Nach einer kurzen Unterhaltung in der Geron erfuhr, dass der Bronnjare Graf und Magier Thezmar Alatzer gerade nicht im Hause ist, buchte er ein Doppelzimmer für die Geweihte und die Ritterin sowie vier Betten im Schlafsaal für die Gruppe. Die Kosten von 9 Silbertaler bezahlte er gleich um sich anschließend zu seinen Reisegefährten zu setzen.
Während Geron mit der Übernachtung beschäftigt war, kümmerte sich Gamrik um unsere Sicherheit. Mit scharfem Blick begutachtete er alle Anwesenden um nach verräterischen Verhaltensmustern Ausschau zu halten. Diese waren aber nicht zu erkennen und nach einer kurzen Rücksprache mit der Ritterin war klar, dass es sich bei allen anwesenden um ortsansässige Personen handelte.
Nach einer ausgiebigen Mahlzeit mischten sich die Reisenden unter die Leute.
Gerald ging erst einmal zur Theke, um auch mit der Wirtin zu plaudern. Sein Ziel war es herauszufinden, wann der Magier wieder im Wirtshaus auftauchen würde. Diese Information konnte Tsarina leider nicht liefern. Sie verwies auf den Assistenten des Magiers, der uns bekannte Olko Knaack, der in kürze vorbeikommen würde. Solche Informationen könnte dieser sicher liefern. Da die Wirtin sehr beschäftigt war und die Ablenkung durch Gerald den Bierfluss für die Besucher verlangsamte beschloss Gerald sich ebenfalls unter die Gäste zu mischen.
Derweil spielten Geron, Gamrik, Gieselhold, Sulja und Salwinja zusammen mit der ortsansässigen Grimje ein Kartenspiel. Die leidenschaftliche Kartenspielerin Grimje stellte sich als die Gesellin des hiesigen Hufschmiedes heraus.
Um den zweiten Teil unserer Aufgabe nicht zu vergessen, den Kontakt mit den lokalen Goblins herzustellen, sprach Gamrik Grimje auf die Goblins in der Gegend an. Grimje hatte bisher leider eher negative Erfahrungen mit den Goblins. Der Goblin Traak war ebenfalls einmal ein Geselle des Hufschmiedes. Leider ist er schon nach kurzer Zeit wieder verschwunden und das gesamte Werkzeug mit ihm. Der Assistent des Bronnjaren hatte ihr zwar versichert, dass nur die vermenschlichten Goblins, also solche welche in menschlichen Städten wohnten, zu Rache und Habgier fähig sein, trotzdem kam ihr der Satz „nur ein toter Goblin ist ein guter Goblin“ über die Lippen.
Gerald kam unterdessen mit der lokalen Krämerin Veroskja ins Gespräch. Diese saß zusammen mit dem Bernsteinschleifer Karenjan an einem Tisch. Die verwitwete Veroskja erzählte von ihrem alltäglichen Leben, besonders gefiel ihr die Sicherheit, welches ein Leben in Hinterbruch mit sich brachte. Ihr Tischnachbar stimmte dieser Aussage zu, aber seine Miene verriet, dass er gerne auch mal ein Abenteuer erleben würde.
Das spannendste Ereignis in letzter Zeit, war dass eine Norbardensippe nordwestlich der Stadt ihre Lager aufgeschlagen hatte. Diese Aussage verwunderte Gerald sehr, da es bisher noch überall seltsame Vorkommnisse gab. Es stellte sich heraus, dass dies auch hier so war. Die Gaststätte hatte ihren Namen aufgrund des abgeschlagenen Horns des Vierhauptes bekommen. Dieses befand sich in der Gaststätte und es begann immer wieder einmal zu bluten. Das Horn war so aufgestellt, dass man es von jedem Platz aus sehen konnte. „Wer sieht sich schon gerne beim Essen ein blutiges Horn an?“ schoss es Gerald sofort durch den Kopf, aber jetzt gerade fand er diesen Umstand sehr erfreulich.
Nach einer kurzen Verabschiedung stand Gerald auf und untersuchte das Horn etwas genauer. Er freute sich darauf seine neu erworbenen Kenntnisse bezüglich der magischen Analyse, welche er sich in den letzten Wochen in der Akademie in Festum angeeignet hatte, einmal in der Praxis zu testen. Das Ergebnis war eindeutig, bei dem Horn handelte es sich wirklich um ein magisches Artefakt. So abgelenkt bemerkte Gerald gar nicht, dass ein Rondrageweihter die Gaststätte betrat und sich allein an einen Tisch setzte. Den danach eintretenden Olko bemerkte er aber schon.
Olko, der erfreut war seine alten Bekannten wieder zu sehen, setzte sich zusammen mit Gerald an den Spieltisch der Kartenspieler.
Der Magier berichtete uns, was ihm seit unserem letzten zusammentreffen alles passiert ist. Er hatte Festum verlassen, um die Assistenz bei dem über die Grenzen des Bornlands hinaus bekannten Magier, Gelehrte, Buchautor und Bernsteinhändler Graf Thezmar Alatzer von Hinterbruch anzunehmen. Hier würde er seine Studien über die Goblinkultur fernab von menschlichen Einflüssen wesentlich besser vorantreiben können.
Danach erzählte die Gruppe was ihnen so alles passiert ist, ohne das blaue Buch zu erwähnen.
Gerald fragte Olko nach der Geschichte des Hornes und warum es sich in der Gaststätte befand.
Die Gruppe erfuhr darauf hin, dass das Horn, das sich ursprünglich am sogenannten Vierhaupt befand. Ab und zu hat es schon immer „geblutet“ und Töne von sich gegeben. Aber in den letzten Jahren passierte das immer häufiger und daher wurde es, um ins Besondere die nächtliche Lärmbelästigung zu beenden, von der Statue durch Graf Alatzer getrennt. Er hat dann auch das Horn im Gasthof, und damit in der Nähe seines Studierzimmers, aufgestellt um – unter anderem – es auch besser und jederzeit untersuchen und weiter analysieren zu können.
Jetzt fängt das Horn zwar nicht mehr zu spielen an, aber es blutet trotzdem weiter. Wieder anbringen an die Statue kann man das Horn leider nicht mehr, da es – laut Graf Alatzer und basierend auf den Erkenntnisse und Erfahrungen, die er während der Entfernung des Hornes, gesammelt hat – vermutlich zu chaotischen Magieeffekten kommen würde. Dieses Risiko wolle nicht eingeben. Auch Olko ist sich sicher, dass dies ein zu hohes Risiko wäre da nochmals herumzubasteln...
Auf die Frage wann Thezmar ins Wirtshaus kommen würde, hatte Olko leider schlechte Neuigkeiten. Der Bronnjare ist vor kurzem mit dem Leibeigenen Jasswe zu den Ruinen der Theaterritterburg Pilkamm gesegelt. Er ist auch schon seit zwei Tagen überfällig und die Bewohner von Hinterbruch machen sich schon sorgen wo er bleibe. Der Graf ist nicht mehr der jüngste und das aktuelle Wetter lässt niemanden ohne die richtige Ausrüstung lange überleben. Bisher konnte sich aber niemand dazu durchringen, Alatzer zu folgen, denn das Wetter ist rau. Jasser gilt zudem als zuverlässig und der Graf ist dafür bekannt „spontan“ seine Studienreisen zu verlängern. Anlass für Alatzers Aufbruch war der Besuch einer alten Norbardin, die Alatzer vor Kurzem besucht und von alhanischen Glyphen und geheimen Aufzeichnungen in ihrem Seffer Manich gesprochen habe. Olko kam das merkwürdig vor, er will sich aber keine Vorurteile gegen Norbarden vorwerfen lassen.
Gamrik der sich das alles anhörte fand es seltsam, dass die Norbardin so einfach Dinge aus ihrer Kultur preisgab. Die Wirtin die grade eine Runde an Getränken brachte, ergänzte noch das es sich bei den Norbarden um die Sippe der Jantareff handelte.
Nach einer fröhlichen Trinkrunde stand Sulja auf und bat uns mitzukommen. Sie müsste kurz etwas mit uns besprechen. Natürlich folgte die Gruppe ihrer Bitte und wir gingen zusammen in ihr Zimmer. Auf den Weg nach oben, konnte Gerald gerade noch erkennen das die Rondrageweihte Leudara die Gaststätte betrat.
Im Zimmer angekommen bittet uns Sulja sie nach Pilkamm zu begleiten, da sie Thezmar so schnell wie möglich das Buch persönlich übergeben möchte. Nach der Übergabe würde sie dann auch sofort wieder nach Hinterbruch zurückkehren wollen. Die Ritterin kann sie leider nicht begleiten, da diese weitere Verpflichtungen habe. Da dies unseren ursprünglichen Auftrag abändern würde ist auch bereit für unsere Unannehmlichkeiten aufzukommen.
Die Verhandlung von Gerald und Sulja zeigte deutlich, dass die Geweihte bisher noch nicht oft verhandelt hatte. Da dies auch Gerald keine große Freude machte, beendete er die Verhandlungen schnell, indem er das Angebot pauschal zusätzlich zwei Batzen bzw. Dukarten pro Person als Aufwandsentschädigung annahm. Am nächsten Morgen würde die Gruppe zusammen mit der Geweihten nach Pilkamm aufbrechen.
Nach dieser Verhandlung ging die Gruppe wieder zurück in den Schankraum um nicht nur den Abend ausklingen zu lassen, sondern auch um zu schauen, was Leudara hier mache.
Als die Helden den Schankraum wieder betreten, stellen sie fest, dass die Atmosphäre im Wirtshaus von einer aggressiven Stimmung geprägt war. Während die Helden oben waren sind weitere Dorfbewohner eingetroffen, die ihren ihn zustehenden Nachttrunk genießen wollten. Aber auch eine kleine Gruppe von Norbarden war da. Die Anführerin der Norbarden befand sich gerade im Gespräch mit der Wirtin.
Einer der Norbarden war ein großgewachsener Mann, der unter anderem auch als Piercing einen Muschelring in den Augenbraue trug. Gamrik und Gerald fiel auf, dass er von den Gesichtszügen, vom Verhalten und der etwas anderen Gestaltung der Kleidung her in die Sippe der Trebritzki passen würde.
Der junge Mann, der schon vor den Helden hier in der Gaststätte einsam, alleine und eigenbrötlerisch in seinen Krug blickte, behauptete plötzlich, dass die Norbarden bestimmt den Bronnjaren entführt und auch ermordet hätten. Dadurch aufgeschreckt, wollten die angetrunkenen Dorfbewohner die Norbarden unmittelbar durch eine Schlägerei zur Verantwortung ziehen, um ihren geliebten und wertgeschätzten Grafte zu rächen.
Gamrik, der die Situation entspannen wollte, nutzte die Vorurteile der Anwohner aus, um diese zu verwirren. Es reichte die einfache Frage „Warum sollten sie jemanden ermorden, wenn sie auch Bargeld erpressen könnten?“ um die Anwohner ins Grübeln zu bringen.
Ein kurzer Hinweis von Gerald, dass die Norbarden einen ausgebildeten Magier nicht entführen könnten sowie Gieselholds verweis auf die Rondrageweihten, welche Unschuldige beschützen und – im Falle einer Auseinandersetzung – sicherlich auf Seiten der zurzeit unterlegenen Norbarden unterstützen würden, da sie auf einen ehrenvollen und fairen Kampf achten, taten ihr übriges.
Diese Aspekte habe man leider im Rahmen der spontanen Aktivität nicht bedacht und, da die Argumente stichhaltig seien, man würde daher – ausnahmsweise – mal nochmals darüber schlafen wollen bevor man sich dem Thema – bei Bedarf – „morgen“ früh und nüchterner zuwende werde.
Dank dieser Verzögerung verlassen die Norbarden, die anscheinend ihr Geschäft mit der Wirtin in der Zwischenzeit abgeschlossen haben, eilig und unversehrt die Schankstube.
Während wir mit den Dorfbewohnern beschäftigt waren und dabei unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen, verlässt Leudara eilig die Schankstube. Beim Rausgehen grüßte sie uns alle freundlich zu und wir haben das Gefühl, dass sie sich auch freut uns zu sehen und sich – wahrscheinlich – au ch gerne mit uns unterhalten hätte...