Die Macht der Vereinbarungen
Bewusste und unbewusste Entscheidungen und ihre (verborgenen) Kosten
Am 05. Phex 1039 BF, Nachmittags, nach dem dritten Wettkampf, der die Herzen der Zuschauer in Aufruhr versetzt hatte, ertönte die feierliche Verkündung: Alriksej, der unerschütterliche Norbarde, hatte mit zwei glorreichen Siegen die Führung übernommen. Die Sonne neigte sich dem Horizont entgegen, als die Uhr auf 16 Uhr zuging und der Schauplatz, sich langsam leerte.
Spieler: Holger, Christoph, Christian (GM), Sascha (Berichterstatter)
Zusammen machten wir uns auf den Weg zu Semkin, um das Geheimnis zu ergründen, warum seine Zugtiere nicht auf der Weide grasten, wie dies die Tiere der anderen Teilnehmer taten.
Wir machten uns auf den Weg zu einer der vielen temporären Herbergen, die nicht minder fantasievolle Namen haben. In „Zur tanzenden Krone“ haben Schitze Jadvige von Krabbwitzkoje-Sirsinkis mit ihren Knappen Semkin von Irberod-Karkriwen ihre behaglicher Unterkunft gefunden. Wir betraten die Herberge und trafen beide im Innenhof, wo diese gerade gemeinsam die Pferde versorgten. Es stellte sich heraus, dass der Knappe sich die Tiere mit seiner Schitze teilte, die sechs stolze Pferde besaß. Sollte das Schicksal ihm hold sein und er den Wettkampf gewinnen, würde sie ihm ihre Pferde anvertrauen. Doch Gieselhold war sich unsicher, ob eine solche Abmachung den Regeln des Wettbewerbs entsprach. Auf eine Rückfrage von Gerald, warum die Pferde nicht mit den anderen auf der Weide waren, antwortete Jadvige, dass sie ihre Pferde hier in den Stallungen des Hauses untergebracht hat, weil in letzter Zeit sich die Angriffen der wilden Wölfe auf die Stadtweite signifikant zugenommen haben. Die Stadt hat sogar die Hirten und Wächter deswegen erhöht. Sie wolle da kein Risiko eingehen, da ihr die Pferde zu wertvoll sind.
Nachdem die Fragen geklärt waren, verabschiedeten wir uns und setzten unseren Weg fort. Unser Ziel war Leudara die uns Aufschluss über die Rechtmäßigkeit der Abmachung zwischen Jadvige und Semkin geben sollte. Es war nun 17 Uhr, und die Zeit drängte.
Um 18 Uhr erreichten wir eines der vielen Zeltrestaurants, wo das Licht des Lagerfeuers tanzte und der verführerische Duft von Braten am Spieß in der Luft lag. Leudara, umgeben von vielen Zuhörern, war in ein lebhaftes Gespräch vertieft. Sie stand an einem Stehtisch, einem leeren Fass, und war so mit den anderen Gästen beschäftigt, dass wir sie nicht stören wollten. Wir beschlossen sie am nächsten Morgen aufzusuchen, um die Frage zu klären.
Da der Abend noch jung war und es keinen Anlass gab diesen zu vergeuden teilten wir uns auf. Gerald ging zurück in den Rondratempel, um an diesem sicheren Ort das Blaue Buch zu bewachen.
Gieselhold, von Neugier getrieben, beschloss daraufhin die Nacht zu nutzen, um die Wohnstätten aller Wettkampfteilnehmer herauszufinden. Zudem hatte er von Gamrik den Auftrag erhalten, das Rätsel um die Identität der geheimnisvollen Dame, mit welcher er die letzte Nacht verbringen durfte, zu lüften.
Als erstes wollte sich Gieselhold um die Wohnstätten kümmern. Seine Entdeckungen waren ebenso vielfältig wie die Teilnehmer selbst. Daß Semkin von Irberod-Karkriwen und Jadvige von Krabbwitzkoje-Sirsinkis in der Herberge „Zur tanzenden Krone“ gastieren, wusste er schon. Schitze Salwinia von Elkenacker, Schitze Gervin von Growinsk-Nasshosen und der Festumer Hafenarbeiter Fabius ter Frauting hatten sich im ehrwürdigen Waldhof der Familien Henker, die Standardunterkunft für die Teilnehmer, niedergelassen. Dort, inmitten der rustikalen Gemäuer des Schankraums, verweilten auch zehn disziplinierte Schüler einer Praios-Schule, begleitet von einem Praiosgeweihten, der mit strenger Miene sicher über ihre Ausbildung wachte. Doch Gieselhold ließ sich von der vielleicht interessanten Fragestellung ob und wie Praioten lachen...äh...feiern, nicht aufhalten. Er zog weiter, nachdem er erfahren hatte, was in interessierte.
In dem Lager der Söldner vor der Stadt fand er schließlich den Zwergensöldner Bengram Schmetteraxt bei seinen Kameraden, saufend als gäbe es kein Morgen.
Alriksej hatte sich mit seiner Ricarda in der Herberge „Zum weißen Karpfen“ niedergelassen. Janko wohnte mit seinen Brüdern in einem – vermutlich – Mietzelt einer Norbardensippe, die auf der Norbardenwiese vor der Stadt ihre Kaleschka aufgestellt haben.
Doch noch hatte Gieselhold eine zweite Aufgabe zu erfüllen. In den schattigen Gassen der Stadt, wo das Flüstern der Geheimnisse durch die Luft schwebte, machte sich Gieselhold auf, um das Rätsel der Dame zu lösen. Gieselhold durchstreifte die verwinkelten Straßen, seine Augen suchten nach dem Funken der Erkenntnis, während er die Worte der Stadtbewohner aufnahm wie ein erfahrener Jäger, der die Fährte seines Ziels verfolgt. Doch je mehr er fragte, desto mehr schien sich das Bild der Dame in ein Nebelmeer zu verwandeln. Schließlich, nach unzähligen Gesprächen und dem Durchforsten der tiefsten Geheimnisse der Stadt, kam die ernüchternde Erkenntnis: Es gab keine Frau, die der Beschreibung entsprach, hier in dieser Stadt. Sie war ein unbeschriebenes Blatt, ein Phantom, das sich in den Träumen der Männer verlor und in den Erinnerungen der Stadt nicht verankert war. Gieselhold stand da, umgeben von den flüsternden Gassen, und spürte, dass er einem Rätsel gegenüberstand, das tiefere Wurzeln hatte, als er je ahnen konnte.
In den schimmernden Hallen der Extravaganz, wo der Duft von Parfüm und das Lachen der Reichen in der Luft lagen, begab sich Gamrik auf eine Reise durch die exquisiten Feierlichkeiten der Reichen und Mächtigen. Sein Herz war erfüllt von der Neugier, auch er versuchte die geheimnisvolle Dame zu ergründen, mit der er die Nacht verbracht hatte. Inmitten seiner Nachforschungen stieß er auf eine geheimnisvollen Adeligen, deren Augen das dunkle Blau von tiefen Seen in der Nacht hatten und Gamrik schon anfing darin zu verlieren. Sie versprach, die von ihm gewünschten Informationen zu beschaffen, die er suchte. Der Preis für diese Information wäre nur einen kleinen Gefallen. Gamrik, unsicher was das bedeuten könne, bekommt – weil er ja nicht Einheimischer sei – von der Unbekannten erklärt, dass „Der Gefallen“ die im Bornland am weitesten verbreitern „Währung“ sei, egal ob bei den Bronnjaren, den Leibeigenen, Festumer Bürger oder Norbarden. Selbstverständlich werden beim Einlösen des Gefallens dem Schuldner seine Möglichkeiten und Fähigkeiten berücksichtigt. Auch wäre es ein Ehrbeleidigung etwas darüber hinaus zu verlangen. Aber Gamrik, ein Mann von Prinzipien, wies ihr verlockendes Angebot mit einem entschlossenen Kopfschütteln zurück, denn ihm war das Risiko zu groß. Amüsiert wendet sich die Damen von ihm ab.
Nach dieser Erfahrung machte Gamrik sich auf, um seiner Verpflichtung nachzugehen.
Sein Weg führte ihn zum Hintereingang des Gasthofes „Gebrochenes Rad“, einem Ort, an dem – für Gamriks – Schatten und Licht in einem ewigen Tanz verwoben waren. Nachdem er freundlich um Einlass gebeten hatte, wurde er von dem „Portier“ in einen luxuriös eingerichteten Raum geleitet, in dem auf seinem Tisch seine frisch gewaschenen, und geflickten Kleider und sein Degen, dessen Gehänge wieder wie neu glänzte. Nur der Degen schien nicht „poliert“ worden zu sein. Bei seiner Nachfrage bei dem Kammerdiener, der mit in dem Raum auf seine Wünsche wartete, erfuhr er, dass die Waffe ein zu persönlicher Gegenstand sei, man dies respektiere und daher selbstverständlich nicht hier aktiv wurde.
Nach kurzer Zeit öffnete sich die Tür, und eine Frau in dunkler Kleidung, die in ihrem Stil Gamrik an Gieselholds praktischen Modestil erinnerte, trat ein. Ihre Präsenz war von einer melancholischen Eleganz umhüllt. Kaum hatte sie den Raum betreten, folgte ihr eine zweite Gestalt – ihr Zwilling, der die düstere Aura nur verstärkte. Beide umgab eine Aura von tödlicher Gefahr.
Doch dann, wie ein Lichtstrahl in der Dunkelheit, erschien eine dritte Frau, barfüßig und in ein zartes rosa Kleid – wenn man es so nenne wollte – aus seidenen Schleiern, das mehr andeutete als versteckte, ihr Gesicht hinter einem feinen Schleier verborgen. Ihre Präsenz war von einer knisternden Eleganz erfüllt, die alle Sinne von Gamrik auf sie fixierte.
Sie griff nach einem Glas Wein und bot Gamrik ebenfalls einen an.
Gamrik nahm Platz, aber seine Gedanken drehten sich nur um die Erinnerungen an seinen letzten Besuch. Wie Schatten schwebten sie über dem Raum.
Ein höfliches Gespräch ergab sich in dem die Dame sich für die Irritationen, entschuldigte und ihm – um weitere Missverständnisse zu vermeiden – anbot, den Rest seines süße Betrages zu wandeln. Ihr sei es wichtig, dass bei einem Abkommen alles auf Gegenseitigkeit beruhe. Man sei zwar seinem Wunsch gemäß in Vorleistung gegangen und habe die gewünschte streng geheime Information organisiert, aber nichtsdestotrotz wolle man jetzt nicht aufs Details bestehen. Gamrik würde ihr nur einen Gefallen schulden. Eine Kleinigkeit, die zu erfüllen selbstverständlich im Rahmen seiner Möglichkeiten läge.
Doch Gamrik, fest entschlossen und unerschütterlich in seinen Überzeugungen, lehnte die Wandlung ab und bestand darauf dass der Vertrag erfüllt werde.
Mit einem Kopfnicken akzeptiert seien Gesprächspartnerin seine zweifelsfreien und unumstößlichen Entschluss. Sie verabschiedet sich höflich und verlässt mit ihren beiden düsteren Wächterinnen den Raum. Das zufriedene Lächeln, dass ihr kurz über das Gesicht huschte konnte Gamrik schon nicht mehr sehen.
In diesem Moment, als die Stille des Raumes sich um ihn verdichtete, wurde ihm klar, dass er heute Nacht wieder eine Kundin erfreuen darf.
Derweil in der Kammer des heiligen Rondratempels zu Irberod. Wurde Gerald in der tiefen Dunkelheit der Nacht, als die Schatten der Welt sich um ihn schlossen, erneut von dem schrecklichen Alptraum heimgesucht – einem Albtraum, der ihn mit der blutigen Identität konfrontierte, die – aus Sicht Geralds – wie ein ungebetener Gast in seinen Gedanken verweilte. In diesem düsteren Reich der Träume stand er der geheimnisvollen Gestalt gegenüber. Mit brennendem Herzen und einer Flut von Argumenten versuchte Gerald, die finstere Präsenz zu überzeugen, die ihn mit kaltem, arroganten Blick musterte. Gerald hoffte den Missmut des Wesens seiner Person gegenüber durch korgefällige Argumente und Verhalten zu schwächen. Mit Zorn in seiner Stimme schrie er dem Wesen wutentbrannt entgegen, dass er hier sei, um seinen Auftrag zu erfüllen. Einen Auftrag den er einhalten würde, egal wie sehr ihn die Wesenheit auch verletzen würde. Dies sollte einem Avatar oder einem Diener des Gottes der Söldner doch zumindest etwas überzeugen. Doch seine Worte, so leidenschaftlich sie auch waren, prallten wie Pfeile an einer unüberwindbaren Mauer ab. Die Gestalt, unbeeindruckt von seinem verzweifelten Ringen um Verständnis, entgegnete ihm nur mit einem schneidenden „Du beleidigst mich!“, das wie ein eisiger Wind durch die Nacht hallte.
Als der Morgen des 06. Phex 1039 BF schließlich anbrach und die ersten Strahlen der Sonne durch die Vorhänge drangen, fand sich Gerald in einem Zustand der Erschöpfung wieder. Die Schatten des Traums hatten ihn gezeichnet, und er erwachte gerädert und mürrisch, als ob die Dunkelheit der Nacht noch immer an ihm haftete. Sein Geist war schwer von der Last der unerbittlichen Konfrontation, und die Welt um ihn herum schien in einem trüben Licht zu erstrahlen.
Trotz dieser Ereignisse machte sich Gerald zusammen mit Gieselhold auf den Weg zu Leudara. Ihr Ziel war es, die drängende Frage rund um die geteilten Zugtiere zu erörtern.
Schnell stellte sich heraus, dass diese Abmachung mit Leudara besprochen war und für ausreichend empfunden wurde.
Danach überzeugte Leudara die beiden zu einem gemeinsamen Abendessen im „Keller“. Sie hätte einen Geheimtipp bekommen, dass es dort das leckerste BBQ-Hähnchen in ganz Bornland gäbe. Außerdem gäbe es dort einen hausgebrannten Messkinnes, der seinesgleichen suche. Nachdem Gamrik noch Verpflichtungen hätte, einigten wir uns darauf heute schon um 18:00 Uhr Abende zu essen. Aus Leudaras Sicht passe dies. Mit einem Grinse, stellte sie fest, dann man dann fast sechs Stunden lange alle Köstlichkeiten des „Kellers“ „verproben“ könne.
Doch bevor wir gehen konnten, bat Leudara uns um einen Gefallen.
Fabius ter Frauting, ein Wettbewerbsteilnehmer, sei auf sie zugekommen und haben ihr einen Zettel, der vermutlich unter der Tür seines Hotelzimmers geschoben worden wäre, geben. Auf dem Zettel war eine Beschreibung der Wettbewerbsaktion vom Vortag. Fabius sei davon überzeugt, dass ihn jemand diskreteren wolle. Damit nicht einmal der Hauch an Zweifel aufkäme, zeige er persönlich diese heimtückische und ehrlose Tat der Schiedsrichterin an. Er sei ein aufrechter Teilnehmer und wolle mit derartiges nichts zu tun haben. Der tapferste und ehrenhaftestes Teilnehmer solle gewinnen und – Rondra bewahre – ein Lümmel, der durch unehrenhafte Taten, sich Vorteile erschleiche. Er habe sogar angeboten – falls jemand Zweifel hätte – öffentlich und unter Eid und Wahrheitssegen zu bezeugen, wie er diesen Zettel gefunden habe.
Da sie unsere Talente kenne, ist sie davon überzeugt, dass wir die richtigen seien um da Licht ins Dunkel zu bringen. Sobald wir greifbare Beweise hätten, sollten wir sie darüber in Kenntnis setzen, damit die Übertäterin oder die Übeltäter bestraft werden können.
Wir nahmen den Auftrag an uns umzuhören. (Anm. der Redaktion: Wirklich „nur“ umhören oder aktive Nachforschungen?)
Währenddessen saß Gamrik an einem reich gedeckten Tisch im Etablissement. Der Kammerdienst stand wieder bereit, um – falls gewünscht – weitere seine Wünsche zu ermöglichen. Der Duft von frisch gebackenem Brot und aromatischem Kaffee erfüllte die Luft und umhüllte ihn wie ein wärmender Mantel. Nach dem Frühstück ließ Gamrik alles auf sich wirken. Wunderbar erholt, frisch gebadet, frisch gekleidet, angenehme duftend und mit einem Hochgefühl, das ihr durchflutete, beschloss Gamrik nun in den Tag zu starten.
Doch als er sich aufrichtete um alle seine Sachen einzupacken, durchzuckte ihn ein stechender Schmerz in seinem Rücken. Im Spiegel, der an der Wand hing, erblickte er feine rote Striemen die über seinem Rücken verteilt waren. Er konnte sich nicht daran erinnern, wie er diese bekommen hatte. Überhaupt war der gesamte gestrige Abend wie durch einen Schleier in seinen Gedanken verborgen.
Da trat auch schon der Kammerdienst auf ihm zu und bot ihm einen geheimnisvoller Trank an. Mit einem entschlossenen Schluck trank er den Inhalt des Bechers und wie durch ein Wunder heilten die Verletzungen an seinem Rücken und die Schmerzen verschwanden. Er fühlte sich erfrischt, als ob die Götter selbst ihm ihre Gnade zuteilwerden ließen.
Sein Weg führte ihn zum Rahja-Schrein, welcher Teil der ehrwürdigen Hallen einer Kunstschule war, wo Harmonie und Ästhetik in harmonischem Einklang lebten. Dort wurde Gamrik mit offenen Armen empfangen, als wäre er ein lang ersehnter Held, dessen Rückkehr die Wände des Hauses mit Freude erfüllten.
Vor dem Rahja-Schrein des Hauses kniete er nieder, seine Gedanken in sich gekehrt und – wie Laudara ihm geraten hat – in Kontemplation versinkend.
In diesem Moment der Stille offenbarte sich ihm eine Vision: Er sah in der Ferne eine kriegerische Frau in strahlender Rüstung, die mit einem geheimnisvollen Mann sprach. Plötzlich durchbrach ein leises Flüstern die Stille: „Gamrik.“ Verwundert wandte er sich um und erblickte ein majestätisches weißes Pferd, dessen Augen wie Sterne in der Nacht leuchteten. Ein unbestimmtes Gefühl drängte ihn, dem edlen Tier zu folgen, und so tat er es, als ob eine unsichtbare Kraft ihn leiten würde.
Vor ihm erhob sich ein Zelt, majestätisch und geheimnisvoll, umhüllt von schimmernden Schleiern, die wie Nebel im Wind tanzten. Auch das innere des Zeltes war mit Schleiern behangen, sodass er die Person welche sich hinter den Schleiern bewegte, nicht richtig erkennen konnte.
Eine Stimme, klar und durchdringend wie der Klang einer goldenen Glocke, durchbrach die Stille: „Was suchst du?“.
Gamrik, erfüllt von der Schwere seiner Suche, antwortete mit fester Stimme: „Vergebung und Rat“.
Die geheimnisvolle Gestalt, von der Gamrik annahm das es Rahja war, erkannte die Last, die auf ihm lag und die drängenden Fragen, die ihn quälten.
„Steh meiner Schwester bei!“
Sie mit einer Autorität, die sowohl sanft als auch eindringlich war.
„Nicht nur das Trommeln ist wichtig. Es gibt auch andere wichtigere Dinge.“
Ihre Worte waren wie ein Lichtstrahl, der durch die Dunkelheit brach, und sie füllten Gamrik mit neuer Hoffnung.
„Läutere dich selbst und lerne dazu.“ war der nächste Ratschlag (Anm. der Red.: nur ein Ratschlag...so so.) der geheimnisvollen Person, der wie kostbare Juwelen in seinem Herzen erstrahlte.
Getrieben von einem unstillbaren Durst nach Klarheit, wandte sich Gamrik an die verschleierte Frau: „Was ist mein Auftrag? Wie kann ich das Land beschützen? Gibt es mehr Informationen, die du mir geben kannst?“
Die Antwort kam wie ein sanfter Wind, der durch die Bäume strich: „Steh ihm bei und schütze es. Hilf ihm beim Erwachen und lass ihn schlafen. Lebe in Harmonie und suche die Harmonie.“
Mit diesen Worten, die wie ein uraltes Lied in seinem Geist widerhallten, wusste Gamrik, dass seine Reise erst begonnen hatte. Er war auserwählt, ein Wächter des Gleichgewichts zu sein, und die Göttin hatte ihm den Weg gewiesen. Gamrik trat aus dem schützenden Zelt.
Das „Gamrik, Geliebter, kommt zurück zu mir...“ hörte er schon nicht mehr.
Sein Blick fiel wieder auf das Paar, das er am Anfang seines Weges gesehen hatte. Die Frau, in strahlender Rüstung und mit einem Schild, der das Licht reflektierte, strahlte eine Aura der Stärke und Entschlossenheit aus. An ihrer Seite stand der Mann, gekleidet in einer scharf geschnittenen Robe, die seine noble Herkunft offenbarte.
In diesem Moment glaubte Gamrik, die göttlichen Wesen Rondra und Praios in ihnen zu erkennen.
Doch plötzlich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, wurde er aus seiner tranceartigen Betrachtung gerissen. Eine Schönheit, so überwältigend, dass sie selbst die Sterne erblassen ließ, zog ihn aus seiner Vision. Ein Schwindel überkam ihn, und er fühlte sich, als würde die Welt um ihn herum schwanken. Ein unkontrollierbarer Drang überkam ihn, und er musste sich übergeben, während stechende Schmerzen in seinem Rücken und Kopf wie ein Sturm durch seinen Körper fegten. Mit einem Gefühl der Scham und des Unbehagens kniete er nieder und begann mit der Reinigung des Raumes. Man wollte ihm helfen, aber er bestand darauf diese Bürde allein zu tragen.
Doch Gamrik war nicht der Typ, der sich von Rückschlägen niederdrücken ließ. Mit neuem Mut und dem unerschütterlichen Willen eines Liebhabers machte er sich auf den Weg zur Musikkapelle des Kunsthauses. Die schrägen Töne des Musikkorps brauchten seine Unterstützung. Er ließ seine Sorgen hinter sich und spielte mit den Musikern, als ob die Musik ihn von seinen Qualen befreien könnte. Die Künstler bedankten sich höflich für die Inspiration, die er ihnen geben konnte und blickten ihm, als er die Kunstschule verließ, nachdenklich nach.
Gamrik machte sich auf den Weg zum Restaurant, dem verabredeten Treffpunkt mit Gerald und Gieselhold.
Zu dieser Zeit halfen Gieselhold und Gerald beim Aufbau der Arena für den heutigen Wettstreit. Die Arbeiten waren schnell erledigt und so konnten sie gemütlich zum Treffpunkt mit Gamrik gehen.
Nach dem Mahl, bemerkte Gerald, dass Gamrik in einem besorgniserregenden Zustand war. Mit geschickten Händen und einem Herzen voller Mitgefühl machte sich Gieselhold daran, Gamrik zu verarzten. Die Striemen auf Gamriks Rücken waren wieder aufgetaucht und schienen nicht zu heilen. Auch der leichte prickelnde Schmerz war wieder da. Doch während Gieselhold die Wunden versorgte, fiel Gerald die beunruhigenden Zeichen auf. Hatte Gamrik die Symptome eines Minderpaktes?
Ein wahrscheinlichstes Szenario laut Gerald war, dass Gamrik den Minderpakt durch das Getränk eingegangen war. Als Paktgeschenk hatte er die Heilung seiner Verletzungen erhalten. Durch göttliche Intervention erbrach er das Getränk und somit ist der Minderpakt gebrochen. Dies führte dazu, dass die Striemen wieder erschienen, doch sollte er jetzt keinen Pakt mehr haben. Sicher konnte sich Gerald aber nicht sein, nur das Fachwissen einer Geweihten Person würde hier Klarheit bringen können. Außerdem dachte Gerald daran, dass es gerade mal einen Tag her war, dass Gieselhold und er einen unbekannten Trank getrunken hatten. Die Beiden sollten unbedingt auch ihre Körper mal Untersuchen, nur um sicher zu gehen.
Entschlossen äußerte Gamrik den Wunsch, Leudara aufzusuchen deren Kenntnisse und Fähigkeiten ihnen bestimmt weiterhelfen können. Doch bevor es zu Leudara ging, musste noch geklärt werden, was sie ihr erzählen würden. Zum Beispiel sollte Gamrik sie wirklich auf das was er im Hinterbereich des „Gebrochene Rad“ erlebt hat, aufmerksam machen? So könnte Sie etwas über die Herkunft des Zettels von Fabius erfahren. Diese und ähnliche Fragen galt es noch zu klären.