Januar 15, 2023

Die Ruhe vor dem Sturm?

Die letzte große Aufgabe der Gruppe liegt jetzt schon drei Monate zurück. Nach dem Abenteuer mit der Trommel beschloss die Gruppe erst mal unauffällig zu bleiben und ein normales Leben zu führen.

Doch nicht jeder in Festum konnte die letzten Monate genießen. Das Verschwinden der Trommel wurde nach ein paar Wochen entdeckt und trat eine Reihe an Ereignissen los, die man in ganz Festum spüren konnte. Auch wenn die Trommel als Symbol nicht von jedem Bürger geschätzt wurde, so waren sich doch alle einig, dass sie zu Festum gehörte. Dieses gemeinsame Ziel sorgte in der Stadtverwaltung für Ordnung, da sich alle einig waren, dass die Trommel gefunden werden musste. Nach mehreren Wochen der Ungewissheit wurde der Aufenthaltsort der Trommel auch bekannt, diese ist im Besitz einer Norbardischen Sippe. Doch anders als erhofft, führte diese Information nicht zu einer weiteren Stabilisierung. Es bildeten sich drei Lager aus, welche fortan die Stimmung in der Stadt prägen sollte:

  • Zum einen gab es das Lager unter der Führung von Jaruslaw von Kirschhausen-Krabbwitzkoje, diese wollen die Trommel unter Anwendung von Gewalt zurück holen.
  • Ein anderer Teil der Bevölkerung, angeführt von Gardehauptmann Elkman Timpski, hofft auf eine friedliche Lösung durch Verhandlungen. Man wolle die Trommel zurückkaufen. Dafür wurde auch in der Stadt Festum Spenden gesammelt.
  • Die dritte Fraktion, besteht aus Leuten welche allgemein mit der Regierung unzufrieden sind und eine Änderung dieser fordern.

Das Leben in Festum glich also einem Pulverfass das nur noch einen Funken benötigte um zu explodieren und dieser schien in greifbarer Nähe zu sein.

An diesem Morgen brach eine Delegation unter Führung von Hauptmann Timpski auf um die Verhandlung mit den Norbarden zu führen. Der Ausgang dieser Expedition würde über das weitere Leben in Festum entscheiden, Revolution oder Status Quo was würde die Zukunft bringen?

Um die letzten friedlichen Tage genießen zu können machte sich die Gruppe auf den Weg zu einem kleinen Café. Die Kälte welche in diesen Herbsttagen im Firun (d.h. im Norden) Aventuriens herrschte, konnte nur mit warmer Kleidung bekämpft werden. Auf dem Weg zum Café begegneten sie einer obdachlosen Frau. Ihr aschfahles Gesicht, welches durch Narben und dem Fehlen eines Auges gezeichnet war, drehte sich zu Gerald. Mit zitternden Händen humpelte die Frau auf ihn zu und erbat eine Spende für eine ehemalige Soldatin. Die Kleidung der Frau, welche früher sicherlich von guter Qualität waren, war an vielen Stellen geflickt und gerissen. Es genügte nur ein Blick um zu erkennen, dass diese Frau schon einiges erlebt hatte, Erlebnisse die sie gebrochen haben. Gerald gab ihr einen Silbertaler und Gamrik lud sie auf ein Essen ins Café ein. Bei einer warmen Mahlzeit erzählte uns Jadvige Hornacker, so der Name der ehemaligen Soldatin, über ihre Erlebnisse im Krieg gegen die Schwarzen Lande. Sie kann nicht verstehen, warum sich das Bornland nicht um seine Veteranen kümmert, besonders wenn diese im Krieg verletzt worden sind. Gerade zu diesem Zeitpunkt betrat eine Gruppe der Garde das Café. Die Anführerin der Gruppe, eine hochgewachsene Frau mit stechendem Blick, schien Jadvige zu erkennen. Anerkennend nickte sie unserer Gruppe zu und sagte „Es ist schön zu sehen, das es noch Leute gibt, die Veteranen wertschätzen“. Diese Aussage schien im Café gut aufgenommen zu werden, lediglich eine Tisch mit drei Personen verlangte demonstrativ die Rechnung und ging. Der Abend endete mit einer guten Tasse Tee.

Der nächste Morgen begann mit einem ausgiebigen Frühstück, welches Geron, Gieselhold und Gerald in eine Brunch überführten. Lediglich Gamrik verabschiedete sich von der Gruppe, da er zu seinem Schneider musste. Die Gruppe vereinbarte, dass sie Gamrik in einer Stunde beim Schneider abholen würden damit sie gemeinsam einen Bummel über den Wochenmarkt machen können.

Dann ging Gerald los um die bestellte feine Kleidung vom Schneider Jandrim Zweigler abzuholen. Der Schneider Zweigler, welcher in der ganzen Stadt für seine qualitativ hochwertige Arbeit bekannt war, war ein hochgewachsener Mann mittleren Alters.

Als Gamrik seinen Laden betrat sah er ihn gerade mit einem anderen Kunden diskutieren. Wie aus dem Gespräch entnommen werden konnte, handelte es sich bei dem Kunden um Herrn von Growinsk-Nasshosen, angesehenen Bürger der Stadt und Stammkunden in Zweiglers Laden. Dass Herr von Growinsk-Nasshosen ein Bronnjar ist, war offensichtlich, da er seinen Streitkolben offen trug. Es schien ein Problem mit der Geldbörse von Herr Von Growinsk-Nasshosen zu geben, diese war wohl zuhause liegen geblieben. Das Gespräch drehte sich gerade darum, ob es möglich wäre den Mantel anschreiben zu lassen.

Herr Zweigler erklärte seinem Kunden dass er diese Option vorübergehend nicht mehr anbieten würde, da es bedingt durch die augenblickliche Lage immer wieder zu Unruhen käme. Auch seien während des Atmoskots Umzug zu viele Geschäfte verwüstet worden und mit ihnen auch die Bücher mit den Kundeninformationen verloren gegangen.

Herrn Von Growinsk‑Nasshosen, der die Weigerung des Geschäftsführers als einen persönlichen Affront gegen sich empfand, war außer sich.

Bei dieser jetzt lautstarken Unterhaltung hatte Gamrik kein Problem ihnen zu folgen. Leider war dies auch Herrn Von Growinsk‑Nasshosen klar. Dieser bat Gamrik sofort als Zeuge für eine Duellforderung zur Verfügung zu stehen. Nur ein Duell könnte diese Beleidigung wieder wettmachen.

Gamrik der sich jetzt nicht mehr aus dieser Diskussion heraushalten konnte, versuchte die Gemüter zu beruhigen. Er machte Herrn Von Growinsk‑Nasshosen klar, dass Herr Zweigler eine Berufsduellanten an seiner Stelle antreten lassen könne. Der Freibund, die hisige Händlergilde, würde diesen sogar bezahlen.

Nachdem Herrn Von Growinsk-Nasshosen klar wurde, dass Herr Zweigler – im Gegensatz zu ihm – absolut keine Unannehmlichkeiten durch ein solches Duell zu erwarten hätte, beruhigte er sich wieder und vereinbarte mit ihm den Mantel am nächsten Tag abzunehmen.

Nach dieser Aufregung konnte sich Gamrik endlich um seine eigene Bestellung kümmern. Diese entsprach den Erwartungen und konnte ohne weiteren Änderungen gekauft werden.

Nachdem die Gruppe wieder zusammen gefunden hatte gingen sie gemeinsam zum Hafen um über den Wochenmarkt zu streifen. Der Markt, welcher Waren aus aller Welt anboten, war erfüllt von dem Duft exotischer Gewürze. Da es noch vor dem Mittagsansturm war, konnte die Gruppe problemlos zwischen den Ständen hin und her laufen.

Gerade als sich Geron über die Qualität einiger Gewürze mit dem Händler unterhalten wollte, hörte er einen Aufschrei. „Haltet den Dieb“ schrie der Lederhändler, welcher einen Stand am Ende der Marktreihe hatte.

Geron fiel sofort der 14 Jährige Junge auf, der mit einem Lederbündel in der Hand, vom Stand des Lederhändlers davon lief. Der Norbardische Junge lief direkt auf Geron zu. Mit einer schnellen Handbewegung konnte er den jungen Ausreißer an der Schulter packen um ihn für die Klärung der Situation festzuhalten.

Hoch erfreut über diese Zivilcourage kam uns der Lederhändler entgegen. Im folgte die durch das Geschrei aufmerksam gewordene Marktwache, eine Abteilung der Stadtgarde ,welche sich um die Sicherheit am Markt kümmert. Die Wache nahm Geron sofort den Jungen ab und befragte danach die Beteiligten nach dem Ereignissen.

Der Händler berichtete der Wache, das der Junge ihn beklaut hatte.

Die Aussage des Jungen unterschied sich aber von dieser Geschichte. Laut dem Jungen handelt es sich bei dem Bündel um sein eigenes Leder welches er dem Händler zum Kauf anbot. Da der Händler ihm nicht den geforderten Preis bezahlen wollte, nahm der Junge sein Leder wieder mit. Genau in diesem Augenblick hatte der Händler das Schreien angefangen.

Geron der die Erzählungen beider Parteien verfolgte spürte, dass der Junge die Wahrheit sagte. Die Wache schien das aber nicht so zu sehen, da sie den Jungen in Handschellen legte. Über den Grund warum niemand dem Jungen glauben wollte, konnte die Gruppe nur spekulieren. Die Tatsache das der Junge dieselbe Abstammung aufwies wie die augenblicklichen Besitzer der Stadttrommel war wahrscheinlich ein Grund.

Geron versuchte zwar mit der Marktwache zu reden, diese erwiesen sich aber als unbelehrbar und führten den Jungen in das Marktgefängnis.

Da die Gruppe hier nichts mehr ausrichten konnte, verließen sie den Markt und bereiteten sich auf den Abend vor.

Der Rote Chor hatte an diesem Abend eine Vorstellung in der Oper von Festum, diese wollte die Gruppe ansehen. Nach der Vorstellung gab es eine kleine Soiree im Foyer der Oper. Hier konnten die Gäste der Vorstellung den Chor treffen und mit ihnen plaudern.

Bei einem Gespräch mit dem Chorleiter fiel Gieselhold auf, das Jääni Grauroth und Bruutsch Schmuddelvlies, die Goblins welche er zufällig bei den Ermittlungen zum Mordfall Albin kennenlernte, heute nicht mitgesungen hatten. Die Rückfrage an den Chorleiter ergab, dass diese zwei heute unentschuldigt fehlten, da sie aber frisch verliebt ineinander sind, machte sich deshalb niemand sorgen. Gieselhold, der ein schlechtes Gefühl bei der Sache hatte, fragte auch die anderen Chormitglieder ob sie etwas über die zwei vermissten Goblins wüssten. Niemand wusste etwas genaueres, lediglich dass Magier namens Olko Knaack sein sehr guter Freund von den beiden seien und sie mit ihm häufiger in den „woken“ Kneipen im Hesindedorf  herumhängen würden.

Um der Sache nachzugehen beschloss die Gruppe einen Abstecher ins Hesindedorf zu machen. Gamrik schlug die Hippekneipe Halle der Quacksalber als erste Anlaufstelle vor. Gamrik kann sich düster daran erinnern, dass er dort Olko Knaack des öfteren mit seinen Gesinnungsgenossen herumhängen gesehen habe.

Die diese verrauchte Untergrundkellerkneipe stellte sich als eine Hochburg von Freidenkern, deren Hautziele die Abschaffung des Status Quo ist. Da diese Leute einer größeren Gruppe gegenüber misstrauisch sein könnte, beschloss Gamrik alleine hinein zu gehen. Der Rest der Gruppe folgte ihm ein paar Minuten später nach und setzten sich an einem Tisch in die Ecke.

Gamrik, der erst mal die Lage sondieren wollte, ging offen durch die Kneipe und sprach mit einigen Gästen ob sie die Goblins Jääni und Bruutsch kennen würden. Dabei wurde er immer wieder auf den Olko verwiesen, da das gesuchte Goblinpärchen meist mit ihm abhingen. Es blieb Gamrik also keine andere Wahl als direkt mit Olko in Kontakt zu treten. Unglücklicherweise befand sich dieser gerade in einer Diskussionsrunde über den Status der Goblins in der Festumer Gesellschaft. Um das Gespräch mit Olko natürlich starten zu können, nahm Gamrik an dieser Debatte teil. Der Diskurs war schnell beendet, da – so erzählte zumindestens Gamrik – der Magier keine andere Meinung als seine eigene akzeptiere. Gamrik meinte auch, dass Olko, um die aufgeheizte Stimmung weiter zu schüren, ein Wetttrinken zwischen den beiden vorschlug. Das sollte eindeutig klären, wer der Sieger dieses Abends war. Die umstehenden Leute waren von dem Vorschlag begeistert, lediglich Gamrik konnte dem nichts abgewinnen. Im betrunkenen Zustand wären Olko und er für nichts zu gebrauchen und der Verbleib der Goblins könnte nicht geklärt werden. Gamrik merkte schnell, dass heute ein ruhiges Gespräch mit Olko unmöglich ist. Schnell verabschiedete er sich unter Buh-Rufen von der Gruppe und verließ die Kneipe. Gieselhold und Geron folgten ihn eine kurze Zeit später.

Gerald wollte noch einen Versuch starten kurz mit Olko zu reden. Gerald ging direkt auf ihn zu und fragte ihn ob er etwas über die zwei vermissten Goblins wüsste. Misstrauisch beäugte der Magier Gerald und fragte nach dem warum. Gerald erklärte ihm, dass er die zwei bei der Aufklärung den Mordfalles Alberin kennenlernte und die zwei heute nicht bei der Aufführung des Roten Chores waren, dies aber niemand aus dem Chor störte würde. Bedingt durch die Ereignisse in letzter Zeit wollte er nur sicher gehen, dass ihnen nichts geschehen ist. Olko versicherte Gerald, dass er im Augenblick keine Informationen über ihr Verschwinden für ihn habe. Mit einem „Danke“ verabschiedete sich Gerald von Olko und ging zu seinen Begleitern, welche außerhalb der Kneipe auf ihn warteten. Die späte Stunde in der kalten Herbstnacht veranlasste die Gruppe ihre Herberge aufzusuchen und den Tag heute zu beenden.

Am nächsten Morgen erhielt die Gruppe einen kurze Nachricht von Jucho, dem ehemaligen Adelsmarschall, a.D.:

Liebe Freunde,
eure gute Arbeit wurde nicht vergessen. Wenn ihr einen weiteren interessanten Auftrag erhalten wollt, kommt bitte heute Morgen zum Handelshaus Surjeloff.
Viele Grüße
Jucho

Alle waren sich einig, dass sie sich dieses Angebot anhören sollten. Aus diesem Grund machte sich die Gruppe gleich auf zum Handelshaus der Familie Surjeloff. Dort angekommen wurden die Gruppe in einen Konferenzraum geführt, welcher durch seinen Prunk zu beeindrucken wusste. Kurze Zeit später betrat die Geschäftsführerin Umerike Surjeloff zusammen mit ihren zwei Töchtern den Raum. Die norbardischen Frauen setzten sich an den Verhandlungstisch und mit einer Geste baten sie uns auch Platz zu nehmen. Sobald alle saßen ergriff Umerike Surjeloff das Wort.

Sie berichtete uns, dass wir ihr von Herrn Jucho empfohlen wurden. Wie den Herren sicherlich bekannt, ist die Delegation unter Führung von Hauptmann Timpski ist vor zwei Wochen aufgebrochen, um dieses bedeutende festumer Kulturgut, die Thorwallertrommel, von den aktuellen „Besitzern“, ein Norbardensippe, zurückzukaufen. Eine friedliche Lösung wäre aus Surjeloffs Sicht die optimale Lösung, da sich die Stadtbewohner aus unterschiedlichen Gruppen zusammen setzen. Die Anwohner norbardischer Abstammung können eine Gewaltanwendung als Angriff verstehen bzw. die anderen Anwohner könnten zu Gewalt an den Norbardenern aufrufen. Um sicher zu gehen, dass die Verhandlungen friedlich verlaufen würde sie uns Beauftragen die Verhandlungen in diese Richtung zu unterstützen. Die Delegation wahrscheinlich bei der Hardener Seenplatte schon angekommen. An diesem Ort findet die Verhandlung über dem Verbleib der Trommel statt.