September 1, 2026

Höhlenmalerei

Yilrim machte sich auf den Weg zu einer Höhle, während draußen ein unerbittlicher Sturm tobte. Schnee und eisiger Wind peitschten durch die Landschaft und machten jeden Schritt zu einer Anstrengung. Als er schließlich den Eingang der Höhle erreichte, schleppte er sich hinein, suchte sich einen geschützten Platz zwischen den Felsen, rollte sich zusammen und schlief beinahe sofort ein. Die anderen sahen sich kurz an und beschlossen, neben ihm ein Feuer zu entzünden, damit er in der Nacht nicht erfrieren würde. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkten sie etwas Merkwürdiges. Die Höhle war deutlich wärmer, als sie es erwartet hatten. Je länger sie sich darin aufhielten, desto wärmer wurde es. Schon bald war klar, dass das Feuer eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Die ungewöhnliche Wärme schien aus dem Inneren der Höhle selbst zu kommen.

Während sie sich umsahen, entdeckten sie an den Wänden alte Höhlenmalereien. Die Darstellungen zeigten seltsame Gestalten, Tiere und Symbole, von denen einige an die Spezies erinnerten, denen sie bereits begegnet waren. Bei genauerer Betrachtung entstand ein beunruhigender Gedanke: Vielleicht beherrschten diese Wesen nicht nur eine ihnen unbekannte Kultur, sondern auch Magie. Die Bilder wirkten nicht wie einfache Zeichnungen, sondern schienen etwas darstellen zu wollen, dessen Bedeutung sich ihnen noch entzog. Bei ihrer Suche fanden sie jedoch nichts in der Höhle, das eindeutig zu den Darstellungen passte. Kein Artefakt, keine Statue und keinen Gegenstand, der ihnen erklären konnte, was die Bilder bedeuteten. Lediglich ein Altar kam ihnen merkwürdig bekannt vor, auch wenn keiner genau sagen konnte, warum.

Während die anderen die Höhle untersuchten, bemerkte Gerald, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Er fühlte sich plötzlich ungewöhnlich einsam. Erst nach einiger Zeit wurde ihm bewusst, woran es lag: Sein Geist war verschwunden. Dort, wo er normalerweise die vertraute Verbindung spürte, war nur noch ein leises Rauschen. Keine klare Stimme, kein Gefühl von Nähe, nur dieses unheimliche, gleichmäßige Geräusch. Gleichzeitig wurde es in der Höhle immer wärmer. Ihre Jacken waren längst geöffnet, und schließlich zogen sie sie ganz aus. Am Ende standen sie nur noch in T-Shirt und Hose da, weil die Temperatur in der Höhle mittlerweile fast angenehm warm war. Sie löschten das Feuer, da es ohnehin nicht mehr gebraucht wurde, und verwendeten stattdessen den Quwenpytrillstein und den grünen Leuchtstein, um genügend Licht zu haben.

Am nächsten Morgen wollte Gerald herausfinden, was geschah, wenn er mit der Bärentatze die Höhle verließ. Als Gieselhold die Tatze aus der Tasche holte, um sie ihm zu geben, fiel ihnen jedoch etwas auf. Die Tatze blutete nicht mehr. Eigentlich hätte sie noch bluten müssen, doch die Verletzung schien sich verändert zu haben. Gerald nahm sie an sich und verließ die Höhle. Kaum war er draußen, spürte er seinen Geist wieder. Allerdings war die Verbindung nicht normal. Sie war schwach und von einem starken Rauschen durchzogen, als würde zwischen ihm und seinem Geist eine gewaltige Störung liegen. Innerhalb der Höhle dagegen war von dieser Verbindung nichts zu spüren.

Der Otter hatte währenddessen die ganze Zeit über tief und fest geschlafen. Als die Gruppe schließlich ihre Sachen zusammenpackte, beschlossen sie, ihn zum ersten Mal aus der Höhle hinauszutragen. Kaum befand er sich außerhalb des Höhleneingangs, war seine Müdigkeit verschwunden. Er wurde schlagartig wach und teilte ihnen mit, dass sie schnell wieder in die Höhle zurückkehren müssten. Draußen sei es gefährlich. Der Sturm würde etwas holen. Was genau damit gemeint war, wusste er allerdings selbst nicht. Er wusste nur, dass etwas im Sturm war und dass es näher kam. Die Gruppe entschied sich deshalb, den Otter und Gamrik zurückzulassen, wobei Gamrik auf ihn aufpassen sollte, während die anderen tiefer in die Höhle vordrangen, um den Rest zu erkunden.

Auf dem Weg kamen sie erneut an den Wandmalereien vorbei. Dabei bemerkte Gerald plötzlich, dass Sand aus seinem Rucksack rieselte. Als er nachsah, stellte er fest, dass es sich um die vier Sandäpfel handelte. Zwei davon waren bereits vollständig beschädigt, während einer nur noch zur Hälfte intakt war. Nur einer der Sandäpfel war noch vollkommen unversehrt. Sie beschlossen, diesen vorsichtshalber schnell zu den anderen zurückzubringen, falls sie ihn später noch benötigen würden. Anschließend setzten sie ihre Erkundung fort und stießen tiefer in der Höhle auf einen seltsamen Stein. Er war weiß und schien von innen heraus zu leuchten. Doch das eigentlich Ungewöhnliche war, dass er pulsierte. Mit jedem langsamen Puls ging eine Welle von Wärme durch die Höhle. Nun hatten sie offenbar die Quelle der ungewöhnlichen Hitze gefunden. Gerald nahm den Stein an sich.

Weiter in der Höhle entdeckten sie eine weitere Höhlenmalerei. Sie versuchten, aus den verschiedenen Bildern eine zusammenhängende Geschichte zu rekonstruieren. Die Darstellungen schienen Wesen, den Sturm, einen leuchtenden Stein und etwas Magisches miteinander zu verbinden. Vielleicht waren die Malereien nicht einfach nur Aufzeichnungen vergangener Ereignisse. Vielleicht waren sie eine Warnung. Nachdem sie die Zeichnungen untersucht hatten, kehrten sie zu den anderen zurück und legten eine Pause ein.

Während dieser Pause begannen sie mit verschiedenen Experimenten. Sie wollten herausfinden, welche Wirkung der weiße, pulsierende Stein auf andere Gegenstände hatte. Bei einem der Versuche hielten sie die Brecheisenstange in seine Nähe. Zunächst geschah nichts. Doch dann begann das Metall langsam zu glühen. Gleichzeitig veränderte sich das Pulsieren des weißen Steins. Es wurde langsamer. Und genau in diesem Moment ging Gerald in die Knie. Seine Kraft schien ihn plötzlich zu verlassen. Für einen Augenblick konnte er sich kaum noch auf den Beinen halten. Trotzdem gelang es ihm, sich wieder aufzurichten. Schwerfällig und erschöpft schleppte er sich zurück in die Höhle, wo er sich schließlich wieder hinsetzen und etwas essen wollte.

Hinter ihnen blieb der weiße Stein zurück. Sein Pulsieren war inzwischen deutlich langsamer geworden. Draußen tobte weiterhin der Sturm. Und immer wieder mussten sie an die Worte des Otters denken: Der Sturm würde etwas holen.

Noch wussten sie nicht, was damit gemeint war. Doch langsam entstand der Verdacht, dass die Höhle weit mehr war als ein zufälliger Zufluchtsort vor dem Unwetter. Die Wärme, die Wandmalereien, der Altar und der seltsame Stein schienen miteinander verbunden zu sein. Vielleicht hatten die Wesen, die einst diese Höhle bewohnt hatten, etwas entdeckt, das sie nicht kontrollieren konnten. Vielleicht hatten sie versucht, es mit Magie aufzuhalten. Und vielleicht war der Sturm, der nun draußen tobte, nicht einfach nur ein Naturereignis.

Vielleicht kam mit ihm etwas zurück, das seit langer Zeit darauf gewartet hatte, wieder freizukommen.