Ist das die Realität oder doch nur ein Traum?
Es ist der 25. Phex zur Mittagszeit als der Alte die Helden auf ihren Floss erblickt.
‚Nein‘, denkt sich der Alte, ‚das sind keine Menschen das sind waschechte, lebende Helden‘.
Die Pfeife und die Angel liegen vergessen auf dem Boden, als dieser aufspringt und aufgeregt das nächstgelegene Dorf eilt, um dort sicherlich von den Helden zu berichten.
Spieler: Holger (Berichterstatter), Udo, Christoph, Christian (GM)
Unseren Helden ist diese Aufmerksamkeit unangenehm, schließlich könnte dieses Dorf eine Hochburg des Korsmal-Bundes sein und die wollen uns bloß ans Leder. Am liebsten würden die Helden so schnell wie möglich vorbeischippern, aber ihre Befürchtung ist, dass auch hier am Born die Anwohner mit einer Kette das Treibholz und weitere Schätze die der Born aus dem Bornwald mitbringt aus dem Fluss „fischen“. Diese Ahnung stellt sich schnell als real heraus. Als die Helden um die nächste Flussbiegung treiben, sehen sie das Hindernis, das sich von einem Ende ans andere Ende spannt. Weniger die Kette selbst, sondern die Unmengen an Treibgut, welche an der Kette hängengeblieben sind. Das nimmt zudem jede Möglichkeit, mit dem Floß eventuell über die Kette einfach hinwegzusetzen.
Während die Helden fieberhaft nachdenken was zu tun sei, bleibt das Floß an der Kette hängen. Dann sehen sie einen Reiter, gefolgt von einigen Fußsoldaten mit Speeren den Weg am Flussufer zur Kette hinabhasten. Soviel dazu, siech still und leise „vorbei schleichen“.
Ein wenig außer Atem ruft der Reiter die Helden an, sie mögen doch bitte ans Ufer kommen. Es dauert eine Weile, bis die Helden begreifen, dass hier – das Dorf heißt Bornstein und der Reiter stellt sich als dessen Dorfschulze vor – kein Hinterhalt lauert, sondern dass hier die mutigen Helden, welche den Bornwald bezwungen haben, geehrt werden soll. Die Helden wollen zwar schnell weiter, gleichzeitig wissend, dass es eine schwere Beleidigung und Ehrverletzung wäre NICHT dem hiesigen Bronnjaren den Pflichtbesuch abzustatten. Gleichzeitig insistiert der Schulze hier zu verweilen, da es die ehrenvoll Pflicht seines Bronnjaren sei, die Helden ihrer Großtat angemessen zu empfangen, zu bewirten und Logie zu gewähren. Hinzu kommt, dass es die Pflicht des Schulzen ist dafür zu sorgen, dass die Helden davon überzeugt werden vorstellig sein zu wollen.
Nach einigen hin und her geben die Helden – wie üblich – nach.
Jedenfalls wurde die Belohnung für das bezwingen des Bornwaldes schon vor einigen Jahrhunderten schriftlich festgelegt. Ebenjenes Schriftstück, liest der Schulze den Helden nun vor. Neben viel hochtrabendes BlaBla, werden folgende Punkte den Helden versprochen:
- eine Festivität zu Ehren der Bezwinger des Bornwald muss vom hiesigen Bronnjaren zeitnah durchgeführt werden. Dabei sind mindestens 2 Ochsen, 5 Rehe, 30 Fasane, 40 Hasen sind nebst Beilagen aufzutischen.
- 3 Batzen für Informationen/Beschreibungen/Skizzen zum Verlauf des Borns innerhalb des Bornwaldes sind auszuzahlen und noch am selben Tag Abschriften nach Firunen, Festum und Norburg zu senden.
- Eine Ehrentafel aus Eisen, in dem die Namen und Konterfeis der Helden verewigt werden, wird auf dem hiesigen Marktplatz aufgestellt bzw. an der dortige Säule angebracht.
- Eine Nacht mit Brunhild, der Tochter des „damaligen“ Bronnjaren, was schwierig wird, da diese seit mehr als 250 Jahren tot sein dürfte und wahrscheinlich zu Verwerfungen mit der Boronkirche führen könnte. Außerdem ist unklar, wie das bei einer größeren Anzahl von Bezwingern dann sich gestalten sollte...(mit hochroten Kopf erklärt...vermutet der Schulze, dass er davon ausgehen, dass damit gemeint war, dass Brunhild geehelicht werden sollte und dann natürlich nur einer – im Falle von mehreren Bezwingern – dann diesen „Lohn“ erhalten würde bzw. könne...)
Die Helden vertäuen das Floss am Ufer und lassen Gerald als Wache zurück, ebenso werden – so verspricht der Schulze – weitere 4 Leibeigenen zu Gerald entsendet werden, um das Floß mit ihn zu bewachen.
Etwas missmutig, dass man die Helden in ihrer Auftragsdurchführung unterbricht, stapfen die Helden zum Herrenhaus des hiesigen Bronnjare geführt. Schon hunderte Meter vor dem Dorf werden die Helden wie Helden empfangen, bestaunt, beglückwünscht und neugierig ausgefragt. So erfährt man, dass die Feier im großen Saal des Herrenhauses stattfinden werde und dafür schon alle in Bewegung sind.
An dem Haupttor des mit Steinmauer befestigten Dorfes werden die Helden – zu Gamriks Überraschung – von einer sehr hübschen Mitte 20 jährigen sommersprossigen und stupsnasigen jungen Frau begrüßt. Diese stellt sich als Tineke von Bornstein-Sackenstatt vor. Da ihres Vaters und Bruders sich dem Zug gegen die Schwarzen Lande angeschlossen haben, ist sie die Zuständige Bronnjaren des Lehens und für alles Verantwortlich.
Nach der Begrüßung und des üblichen höfischen Zeremoniell, werden die Helden zu einem Bankett zu ihren Ehren für diesen Abend eingeladen, was – nach Rücksprache – den Helden noch ein bis zwei Stunden Zeit zur freien Verfügung lässt. Wobei allen klar ist, dass „freie Verfügung“ relativ ist, da alle und jeder versuchen wird kostbare Sekunden der Aufmerksamkeit von den Helden zu erhaschen.
Sogleich macht Gieselhold auf dem Absatz kehrt und „hört sich um“, was denn so alles in den letzten 14 Tagen – als die Helden im Bornwald waren – passiert ist. Aber Bornstein liegt so weit abseits von den üblichen Reiseruten der Nachrichten und Neuigkeiten, dass man nicht mal über den Wettkampf um die Eisenlieferung in Irberod Bescheid weiß.
Gamrik schlendert durch die kurze Geschäftsmeile des Dorfes. Dabei ersteht für Gerald Wirselkräuter (14 Portionen zum Listenpreis) vom hiesigen Apothekarius bzw. Kräuterhändler und sonnt sich ansonsten im Heldenruhm der Bezwinger des Bornwald. Und er beantwortet mit Freuden die Fragen der Kinder, die den Helden wie ein Tross durch den Ort folgt.
Geron geht zur Schmiede, um sein (Zweit-) Schwert und seine Rüstung reparieren/aufpolieren zu lassen.
Ricarda wird derweil wie die Helden behandelt, während Alriksej als Norbarde…nun ja wie ein „Norbardenheld“ behandelt wird: Man hält unterbietend Abstand...oder – wenn man es weniger freundlich formulieren wolle – man schmeißt ihn nicht raus, aber ignoriert ihn ansonsten. Man könnte fast meinen, die Dorfbewohner haben Erfahrungen mit Norbarden schon gesammelt.
Am Abend werden die Feierlichkeiten von Tineke offiziell eröffnet. Das gesamte Dorf ist offenbart anwesend, Freie wie Leibeigene, Geweihte wie andere Reisende, die zufällig hier im Dorf anwesend waren. Sogar Gerald hat man – zumindest für den offiziellen Teil – vom Floß geholt.
Auch hier folgt man in den ersten Stunden den Geboten des höfischen Zeremoniell, was auch eine Geschichte von jeden Helden über die Erlebnisse im Bornwald beinhaltet:
Gieselhold: über die Begegnung und den Kampf mit den gefährlichen Schlangenfischen und wie diese knapp, aber erfolgreich besiegt werden konnten
Gieselhold trat als erster auf die Bühne und berichtet:
„In den tiefen Gewässern des Born, wo das Wasser so klar ist, dass es den Himmel zu spiegeln scheint, rankten sich zahllose Legenden um die gefährlichen Schlangenfische. Diese Kreaturen, halb Schlange und halb Fisch, waren bekannt für ihre blitzschnellen Angriffe und ihre zahnbewehrten Mäuler. Doch kaum jemand hatte sie je mit eigenen Augen gesehen – und noch weniger hatten Begegnungen mit ihnen überlebt, um davon zu berichten.“
Gieselhold erzählte die Geschichte mit einer Mischung aus Stolz und Ehrfurcht. Er saß in der Mitte der großen Halle umgeben von den staunend Zuhörern, während die Flammen des Kamins tanzten und die Schatten an den Wänden ein Eigenleben zu führen schienen.
„Es war am vierten Tag unserer Reise auf dem Born,“ begann er. „Die Luft war schwer und die Stille lastete auf uns wie eine drohende Warnung. Doch wir waren entschlossen uns von den Gefahren, die der Bornwald androhte, nicht aufhalten zu lassen.“
Er hielt inne, nahm einen Schluck Milch aus dem Metkrug und ließ seinen Blick über die gespannte Menge schweifen.
„Die ersten Anzeichen kamen, als unser Floß plötzlich zu schwanken begann. Zuerst dachten wir, es sei nur eine Laune des Wassers. Doch dann sahen wir sie: Schatten, die sich unter uns bewegten. Groß, schnell und unberechenbar. Die Schlangenfische.“
Ein Raunen ging durch die Menge, doch Gieselhold fuhr unbeirrt fort.
„Ehe wir uns versahen, schlug der erste zu. Ein Biest von der Länge zweier Männer und mit Augen, die wie glühende Kohlen in der Dunkelheit leuchteten. Sein Maul schnappte nach einem unserer Ruder und zersplitterte es, als wäre es trockenes Holz. Doch wir waren vorbereitet. Mit Netzen aus gehärtetem Silber und Speeren, die in Drachenschuppen getaucht worden waren, hatten wir uns ausgerüstet.“
Er lehnte sich vor, seine Stimme wurde leiser, drängender.
„Der Kampf war brutal. Die Schlangenfische griffen aus allen Richtungen an, ihre Körper wanden sich wie lebendige Peitschen, und ihr giftiger Atem brannte auf unserer Haut. Einer meiner Begleiter, Alriksej, wurde fast vom Fluss verschluckt, doch ich konnte ihn gerade noch an der Schulter packen und zurück aufs Floss ziehen.“
Gieselhold hielt kurz inne, um die Spannung in der Halle ins Unermessliche zu treiben, bevor er fortfuhr.
„Es war dann, als wir unsere größte Waffe einsetzten – den Splitter des Sternensteins. Ein Relikt, das wir auf einer früheren Reise erbeutet hatten. Als wir ihn ins Wasser hielten, begann er zu leuchten, ein kaltes, blaues Licht, das die Fische zu blenden schien. Diese zögerten, wurden langsamer, und das war unsere Chance. Wir warfen die Netze, durchbohrten ihre Körper mit unseren Speeren, und einer nach dem anderen sanken sie in die Tiefe. Leider verloren wir dabei nun auch noch die wertvollen Netze.“
Ein erleichtertes Aufatmen ging durch die Zuhörer, doch Gieselhold schüttelte den Kopf.
„Es war kein Sieg ohne Verluste. Mehrere Stahlstangen waren der Preis für diesen Sieg und das Wasser war rot von unseren blutigen Tränen über den Verlust. Doch wir hatten es geschafft. Die Schlangenfische waren besiegt. Wir konnten unsere wilde Fahrt auf den Born fortsetzen.“
Die Halle war still, als Gieselhold seine Geschichte beendete. Dann brach ein tosender Applaus aus, und die Menschen erhoben ihre Becher zu Ehren der Tapferkeit und des Sieges.
Doch tief in seinem Inneren wusste Gieselhold, dass der Born seine Geheimnisse niemals ganz preisgab. Und wer wusste schon, welche Kreaturen in seinen dunklen Tiefen noch lauerten?
Geron: über die Begegnung und die Flucht vor den roten Bären, die beim Sprung ins Wasser das Wasser dampfen ließen.
Geron war an der Reihe. Er saß in der Mitte der Halle, umringt von einer gespannten Menge aus Abenteurern, Fischern und wandernden Händlern. Seine Stimme, tief und getragen von den Erinnerungen an jenes Schicksalhafte, hallte durch die stille Nacht. Er begann mit rauer Stimme.
„Es war am zweiten Tag unserer Reise entlang des Borns. Die Sonne stand tief, und das Wasser des Flusses glänzte wie flüssiges Gold. Wir hatten unser Floß schwer beladen mit dem Stahl für den Rondratempel in Firunen, bereit. Doch was uns dort auf dem Fluss widerfuhr, war nichts, wofür wir vorbereitet gewesen waren.“
Er nahm einen Schluck aus seinem Becher und fuhr fort:
„Die ersten Vorzeichen kamen mit einem unnatürlichen Schweigen. Der Wald, der den Born an beiden Ufern umgab, schien den Atem anzuhalten. Kein Vogel sang, kein Blatt raschelte. Der lautlose Tanz der wenigen Schneeflocken wollte uns in den Bann ziehen. Plötzlich ein Knacken, schwer und bedrohlich, wie der Schlag eines Hammers gegen altes Holz. Dann sahen wir sie.“
Die Zuhörer rückten näher, als Geron den Moment beschrieb:
„Rote Bären. So groß wie Wägen, ihre Felle glühten in der untergehenden Sonne, als wären sie mit Flammen getränkt. Ihre Augen brannten wie Kohlen, und jeder Schritt schien die Erde erbeben zu lassen. Sie waren uns auf der Spur, angezogen von den Gerüchen unserer Ladung.“
Ein erschüttertes Murmeln ging durch die Menge, doch Geron hob die Hand, um sie zu beruhigen.
„Wir taten, was jeder tun würde: Wir versuchten zu fliehen. Mit allem, was wir hatten, stießen wir das Floß ab und ließen uns von der Strömung mitreißen. Doch die Bären folgten uns. Nicht einmal der Born konnte sie aufhalten.“
Er hielt inne, und seine Augen verengten sich, als er sich daran erinnerte, wie die Bären ins Wasser stürzten.
„Sie sprangen, und als sie das Wasser berührten, begann es zu dampfen. Ihr glühendes Fell brachte das kühle Nass zum Sieden. Wolken aus heißem Dampf hüllten uns ein, und es war, als wären wir von einem lebenden Nebel verfolgt. Das Floß begann zu schwanken, die Hitze nahm uns fast die Sinne.“
Die Flammen der Kerzen und Feuerschalen in der Halle warfen Schatten, die wie Geister tanzten, während Geron weiter sprach.
„Mit bloßen Händen konnten wir nichts gegen sie ausrichten. Unsere einzige Hoffnung war, schneller zu sein. Die Strömung des Borns wurde stärker, trieb uns voran, doch die Bären ließen nicht nach. Ihre Klauen zerfurchten das Wasser, und ihre Rufe – ein unirdisches Brüllen – ließen uns das Blut in den Adern gefrieren.“
Einige der Zuhörer schienen den Atem anzuhalten. Manches zart beseidetes Mädchen war der Ohnmacht nahe.
„Dann kam die Schlucht. Ein Ort, an dem der Born schmal und wild wird, ein Ort, den nur die Wahnsinnigen befahren. Wir hatten keine Wahl. Wir lenkten das Floß in die tobenden Fluten, und die Strömung riss uns mit. Die Bären, so stark sie auch waren, konnten dem nicht standhalten. Einer nach dem anderen wurden sie fortgerissen, ihre Brüllen verstummten in der tosenden Gischt.“
Er lehnte sich zurück, seine Geschichte fast beendet.
„Als wir schließlich aus der Schlucht herauskamen, war es still. Kein Dampf, kein Brüllen, nur das gleichmäßige Rauschen des Flusses. Wir hatten überlebt. Doch ich werde diese Augen nie vergessen – glühend, voller Zorn. Und ich schwöre euch: Der rote Bär gibt niemals auf.“
Die Menge saß schweigend da, die Angst und Ehrfurcht vor der Wildnis in ihren Herzen brennend. Dann, einer nach dem anderen, erhoben sie ihre Becher und stießen auf Geron und seine unerschütterliche Tapferkeit an.
Gamrik: über die Begegnung, der Verfolgung und der Rettung vor den „Flusspiraten“, die ausgemergelt den Born aufwärts ruderten. Deren Steuermann hatte eine Hakenhand.
Gamrik saß etwas abseits des Feuers und schien tief in Gedanken versunken. Doch als die Gespräche verstummten und die Aufmerksamkeit sich auf ihn richtete, hob er den Kopf.
Er begann leise: „Ihr mögt die roten Bären fürchterlich finden,doch sie sind nicht die einzigen Schrecken, die den Born heimsuchen.“
Die Menge lauschte gebannt, als Gamrik seine Geschichte begann:
„Es war nicht lange her, als wir, meine Mannschaft und ich, den Born auf einem breiten Floß hinabfuhren. Unsere Ladung aus feinsten Stahl, war wertvoll genug, um jedem ein Ziel auf die Stirn zu malen. Doch wir waren wachsam. Oder so dachten wir zumindest.
Die ersten Vorzeichen kamen, als wir in eine der vielen eisigen Nebelschwaden auf dem Born einfuhren. Ein fauliger Geruch, wie von moderndem Fleisch, legte sich über den Fluss. Die Strömung wurde seltsam unruhig, als hätte das Wasser Angst. Und dann sahen wir sie.
Flusspiraten!
Ihre Boote waren kaum mehr als zusammengeflickte Wracks, doch sie glitten unheimlich schnell durch die Wellen. Ihre Ruderer – ausgemergelte Gestalten mit leeren, toten Augen – bewegten sich, als hätten sie keine Seele mehr. Und an der Spitze ihres größten Boots stand er: der Steuermann. Eine Hakenhand glitzerte im letzten Licht des Tages, und seine Stimme, krächzend und voller Spott, hallte über das Wasser.
‚Gebt uns eure Ladung,‘ rief er, ‚oder ihr werdet den Born nie wieder verlassen!‘
Wir wussten, dass sie es ernst meinten. Sie holten schnell auf, und ihr Boote wirkten wie ein Raubtier, das sich auf ihre Beute stürzte. Wir hatten nur das Floß und unseren Mut, um dieser Gefahr zu entkommen. Also lenkten wir es mitten in die Strömung, dorthin, wo der Fluss am wildesten war. Doch die Piraten ließen sich nicht abschütteln.
Einer von uns, Alriksej, griff zu einem der langen Ruder und schlug es gegen das Boot, das uns nahegekommen waren. Es zersplitterte mit einem schrecklichen Knall, doch es verschaffte uns nur einen Augenblick. Die Piraten holten weiter auf. Ihr Steuermann grinste, seine Hakenhand blitzte, als er auf uns zeigte.
‚Holt sie!‘ brüllte er, und die Ruderer zogen schneller. Das Wasser brodelte, und ich schwöre, ich sah Schatten unter uns, als ob die Toten selbst ihre Boote vorwärts trieben.
Unsere einzige Hoffnung war eine schnelle Entscheidung. Ich packte das Steuerruder des Floßes und lenkte es auf eine seichte Passage zu, eine, die wir – so wusste ich – nur mit viel Glück und der Hilfe der zwölf Götter unbeschadet passieren konnten. Das Floß ächzte,schwankte und stöhnte unter der Belastung als wir über die spitzen Felsen im Born hinwegschossen. Die Piraten folgten, doch ihr Boote hatte eine tieferen Rumpf. Und – den Göttern sei dank – sie führen auf eine Klippe auf und ihr Boot schlug Leck und blieb an dem Felsen hängen.
Als wir schließlich in sicherem Wasser ankamen, war es still. Nur das Rauschen des Flusses begleitete uns. Doch ich werde diese Hakenhand nie vergessen – und das Grinsen des Steuermanns, als sein Boot im Nebel zurückblieb. Selbst jetzt schien er zu wissen, dass wir ihn nie ganz los sein würden."
Die Zuhörer saßen reglos da, von Gamriks Worten gefesselt. Schließlich hob einer nach dem anderen seine Stimme, und ein lautes "Auf Gamrik!" hallte durch die Halle.
Alles in allem eher gruselige und blutige Geschichten, nichts desto trotz hängt das gesamte Dorf an den Lippen der Helden, trotz einiger weinender Kinder und ohnmächtiger Mädchen.
Zu den anderen Gästen zählen Ulmida von Firunen, eine Peraine Geweihte aus Firunen, welche aktuell nach dem hiesigen Schrein schaut, der nicht dauerhaft besetzt ist. Und eine alte Bekannte: Salwinia von Elkenacker, Mitglied des Widderorden, diesmal in Begleitung einer „Freundin“ Gudanja Tippsjen, die von sich behauptet eine Drachentöter (endlich) zu sein und auch Wahnfried von Ask kenne.
Der Abend nimmt seinen Lauf, der offizielle Teil verlagert sich mehr und mehr einem zünftigen Festgelage.
Für Gamrik kommt es, wie es kommen musste: Er wickelt Tineke, die sich berufen fühlt, die vertragliche Verpflichtung ihr „UrUrUr...UrOma“ anzutreten, um den Finger…jedenfalls benötigt er heute kein eigenes Gästezimmer.
Geron verabschiedet sich zeitig, um den hiesigen Spa-Bereich aufzusuchen, aber auch er wird von einem Tross von Damen begleitet, die begierig auf weitere Geschichten – und anderem – sind, aber von Geron mehr oder weniger ignoriert werden. Selbst die beiden, welche ihn bis zu seinem Zimmer begleiten, schließt er mehr oder minder rüde die Tür von der Nase. „Meinetwegen kommt morgen früh um mich zu wecken“ grummelt er dabei...was die ein oder andere Dame wohl auch tun wird.
Gieselhold unterhält sich derweil mit Salwinia und Gudanja. Offenbar hat diese kürzlich wohl tatsächlich einen Drachen – einen Perldrachen – zur Strecke bringen können. Und zwar während dieser Graf Wahnfried von Ask in seiner Flügelrüstung – er hat sie also gefunden – und drei seiner Ritter in die Enge getrieben hatte. Ihr Überraschungsangriff wendete das Blatt und mit Hilfe der Ritter brachten sie dann den Drachen schließlich zu Fall. Der Drachenreiter konnte leider entkommen. Gudanja Tippsjen ist aktuell auf der Reise nach Norburg. Sie ist zuversichtlich, dass sie nun dann auch von Graf Ask in den Orden der Jagd aufgenommen wird. Im Lauf des Abends scheint Gudanja ein besonderes Interesse an Gieselhold entwickelt zu haben. Im Vorbeigehen kann Gamrik mit geschulten blick erkennen, dass die beiden den Rest der Nacht in inniger und ekstatischer Zweisamkeit verbringen werden.
Auch Gerald, bekommt diese Nacht nicht viel Schlaf, denn viele der Leibeigenen, die die Feier verlassen (mussten) kommen beim Fluss vorbei. Sie bringen allerlei. Köstlichkeiten mit, in der Hoffnung auf weitere Geschichten aus dem Bornwald.
Lediglich Geron hat eine äußerst ruhige und erholsame Nacht.
Am nächsten späten Morgen, den 26. Phex, treffen sich die Helden mehr oder weniger munter zum Frühstück. Gamrik hat eine weitere glühende Verehrerin, welche ihn vom Fleck weg heiraten würde. Nichtsdestotrotz beharren die Helden darauf, ihren Auftrag zu erfüllen und dass sie mit dem Floss weiterreisen müssen. Mit dem Versprechen, bald mal wieder vorbeizuschauen (was gemäß der Erfahrung nie passieren wird...), lässt man die Helden ziehen. In der Nacht wurde auch die Kette vom Treibgut befreit, sodass die Helden weiterreisen können.
Zudem fragen Salwinja und Gudanja an, ob sie bei den Helden mitreisen dürfen, da man ja am Ende das gemeinsame Zeile Norburg hat. Und in größeren Gruppen reist es sich sicherer. Nach kurzer „interner“ Abstimmung, wird dem Anfrage zugestimmt. Somit wächst die Besatzung des Floßes um zwei weitere Personen und die Fracht um zwei Pferde an.
Gegen Mittag passiert man die Brücke an der Kreuzung Bornstein Firunen und zweier weiterer Weiler.
Am frühen Nachmittag erblicken die Helden dann erstmals den riesengroßer Ahorn, der seit kurzem in der Riesenburg wächst. Von der Burg selber kann man nur noch eine Hügel mit ein paar riesigen Steinplatten sehen. Gerüchten zufolge erstreckt sich unter dem Hügel verwinkelte Kellergewölbe erstrecken.
Am Ufer erblicken die Helden eine Gestalt, und zwar eine bekannte: Leudara, welche den Helden zuwinkt zu ihr ans Ufer zu kommen.
‚Seltsam denken‘ sich die Helden, steuern aber trotzdem das vereiste Ufer an und vertäuen das Floß.
Während die Helden Leudara zu ihrem Lager folgen, fragt Gamrik nach, warum wir uns schon hier treffen und nicht in Firunen.
Leudara bleibt stehen und dreht sich langsam zu den Helden um. Hinter den Bäumen und Büschen zu beiden Seiten treten nun weitere Gestalten hinzu: Bewaffnete in geschwärzten Rüstungen unter dem weißen Ornat der Rondrageweihten. Novizen, Priester und auch eine Tempelvorsteherin. Mindestens die Hälfte mit Armbrüsten bewaffnet, was äußerst untypisch für Geweihte der Rondra ist. Nur Gieselhold scheint von der Armbrustbewaffnung der Rondrageweihten nicht ganz so überrascht zu sein. Auch führen sie eine gefesselte Norbardin als Gefangene mit sich. Alriksej entfährt ein bestürztes »Dascha! «, als er in ihr seine Muhme erkennt.
Die Tempelvorsteherin ist eine alte Bekannte unter den Bewaffneten: Irinje von Schwertbergen zu Firunen, die euch, Leudara hinterher, nach Irberod geschickt hat.
„Kor zum Gruß“, setzt die Hochgeweihte an.
Kor? Eiskalt läuft es den Helden den Rücken hinunter, sind wir am Ende doch in die Falle des Bund des Korsmal gelaufen.
„Willkommen auf meinem Lehen.“, setzt sie ihre Begrüßung fort, „Ihr steht also wirklich zu eurem Wort. Bedauerlich, dass sich die Norbarden, denen ihr eure Treue achtlos hinterhergeworfen habt, längst nicht so ehrbar verhalten. Die Muhme dieser Verbrecherbande hat sich des Wuchers schuldig gemacht.“
Sie erklärt, dass Dascha zu ihr gekommen sei, um im Namen von Alriksej über die Stahllieferung wieder des Vertrages nachzuverhandeln. Alriksej bestätigt, dass er zurzeit noch Mitglied der Jantareff und damit Dascha seine Muhme sei. Und – das muss Gamrik leider bestätigen – damit berechtigt in Alriksejs Namen sprechen und verhandeln dürfe.
Irinje stellt damit fest, dass Daschas und – damit auch – Alriksejs schuldig sind Vertragsbruch und – basierend auf den Forderungen von Dascha – Wucher begangen zu haben. Als hiesige Lehensherrin ist sie dafür zuständig und verurteilt beide damit zum Tode durch den Strick. Und – das muss Gamrik leider bestätigen – das ist alles berechtigt und auch rechtskonform.
„Der Stahl ist somit Diebesgut, das der Tempel zu Firunen nun konfisziert. Die Verbrecherin soll ihre gerechte Strafe erhalten, und mit ihr auch jenes norbardische Wechselbalg“, sie weist auf Alriksej.
„Tod durch den Strick!“, verkündet sie.
Irgendwie hängt ein unausgesprochenes „Danke Dascha!“ in der Luft...
„Doch euer Mut verdient Anerkennung. Nicht jeder hätte den Bornwald durchqueren können. Auch wenn ihr seine Komplizen seid, sollt ihr eure Ehre verteidigen können. Bei Kor, zieht blank!“
Die Helden sind fassungslos. Zum einen, da ihre Bezahlung und ihr Gewinn aus der Stahllieferung ihnen wie Sand durch die Finger rinnt und damit sie den Surjeloffs dann wohl – wenn sei Glück haben – „nur“ den Vorschuss zurückzahlen müssen, keinen Bonus erhalten und nichts darüber hinaus „schulden“. Zum anderen, dass Leudara – ihre (!) Leudara – mit der sie so einiges erlebt haben, einen Hinterhalt des Bundes des Korsmal gelockt hat und dieser sich nun die Stahllieferung aneignen wird. Die, die immer die Gebote Rondras – wenn auch mit einem Stock im A...ein Stock verschluckt hat… – gefolgt und eingefordert hat.
Und nun auch noch ein Duell zu Ehren Kors. Um Unterschied zu einem rondrianischen Duell für eine Kor Duell immer zum Tode (mindestens) eines der Kontrahenten. Und in wie weit dies „ein Duell“ genannt werden kann, ist auch nicht von der Lesart abhängig. Kann auch mal „ein Duell“ zwischen allen im Getümmel der Schlacht sein...das Glück des Kor halt.
Während dieser Worte und den Gedanken und Überlegungen, die den Helden durch den Kopf schießen, hat Leudara die Helden unbewegt betrachtet. Die Helden kommen zum Schluss, dass hier wohl alle Worte gesagt sind und nur der Kampf bleibt. Die Schultern straffend und die Waffe in der Scheide lockernd machen sich die Helden bereit dem Unausweichlichem in die Augen zu sehen.
Doch jetzt stiehlt sich ein finsteres Lächeln auf das Gesicht von Leudara. Den Blick auf Alriksej gerichtet, zieht sie ihr Schwert – und stellt sich schützend vor euren Freund. Die Hochgeweihte mustert sie.
„Du hast dich also endlich entschieden?“, fragt Irinje heiser.
„Das habe ich“, antwortet Leudara, „wie es jede tun sollte, die ihr Gelübde ehrt. Und du, Schwester Irinje, wirst nun sterben.“