Februar 9, 2025

Zu Fuß nach Firunen (29. Boron - 6. Hesinde 1030 BF)

Nach unserem langen und erschöpfenden Marsch von Festum sind wir froh endlich in Alderow anzukommen.

Spieler: Sascha, Christoph, Holger, Udo (Berichterstatter), Christian (GM)

Während wir uns im Gasthof „Zur toten Krähe“, in dem wir – sparsam wie wir reisen – auch ein Gemeinschaftszimmer mieten konnten, etwas ausruhen, beobachten wir, wie ein Einheimischer mit dem Wirt spricht und dabei immer wieder in unsere Richtung schaut. Schließlich tritt er an Harold heran. Er stellt sich als Stane Gertimpski vor, Diener der hiesigen Bronjarin, Ritter Bernische von Alderow-Eschenfuth. Höflich verneigt er sich und überbringt eine Einladung seiner Herrin – sie wünscht, den ehrenwerten Harold zum Abendessen zu empfangen.

Harold jedoch gibt sich gewohnt wortkarg. Mit misstrauischem Blick erkundigt er sich, ob die Straßen sicher seien und ob die Ritterin ihrer Pflicht nachkomme, für den Schutz der Hauptstraße und ihrer Umgebung zu sorgen. Erst als Harold mit einem knappen Blick und einem Grunzen seine Zustimmung gibt, zieht sich Stane förmlich zurück, um draußen auf ihn zu warten.

Harold wendet sich seinen Kameraden zu. Wortreich – wie immer – brummt er uns zu: „Pflicht. Abendessen mit der Ritterin.“ und geht Stane hinterher.

Derweil erwacht im Gasthof „Zur Toten Krähe“ das bunte Nachtleben. Die exotische Bauchtänzerinnen wirbeln über die schmale Bühne, Männer messen ihre Kräfte beim Armdrücken, und an den Tischen wird lautstark gefeilscht, getrunken und gelacht. Häger macht es sich mit einem Krug Bier und einem saftigen Schäuferle gemütlich, während er die Darbietung der Tänzerin genießt. Später gönnt er sich eine „private Audienz“ bei der schönen Frau – für zwei Silbertaler erwirbt er einen exklusiven Spa-Aufenthalt mit persönlicher Begleitung und einem überaus zufriedenstellenden „Abschluss“. Entspannt und in bester Laune kehrt er schließlich in unser Gemeinschaftzimmer zurück und legt sich schlafen.

Hesindian hingegen hat für das ausgelassene Treiben kaum einen Blick übrig. Stattdessen widmet er sich dem staubigen Bücherregal des Gasthauses. Er hofft, dort auf nützliche Informationen über Alderow zu stoßen – und vielleicht auf ein paar Geheimnisse, die die Stadt birgt.

Früh am Morgen des 30. Boron 1030 BF liegt die Temperatur um den Gefrierpunkt, und die Dunkelheit hält noch an. Als wir in unsere Mäntel gehüllt aus dem Gasthaus treten, erwartet uns Harold bereits, reisebereit wie immer. Mit grimmigem Gesicht ruft er uns entgegen: „Hopp, hopp! Auf geht’s, wir müssen los!“

Das Wetter steht erneut gegen uns. Kälte und Nässe begleiten uns, der Wind peitscht uns den Regen ins Gesicht und dringt eisig durch unsere Kleidung. Gestern noch trieb uns der Sturm voran, doch heute stemmt er sich unerbittlich gegen uns.

Hesindian schlägt vor, am Straßenrand ein geschütztes Lager aufzuschlagen und das schlimmste Wetter abzuwarten. Doch Harold lehnt entschieden ab – der Auftrag duldet keinen Aufschub. Also marschieren wir weiter, durchgefroren und durchnässt, bis wir endlich Wiesel erreichen.

Erschöpft und steif vor Kälte sehnen wir uns nach trockene Kleidung – und vor allem nach einer heißen Schwitzhütte. Auf dem Marktplatz suchen wir eine passende Unterkunft und entscheiden uns für den Gasthof „Zum Weisen Schwan“. Harold jedoch verzichtet auf ein Zimmer; er macht sich sofort auf den Weg zum Bronnjaren des Dorfes, um dort unterzukommen.

Wir anderen nehmen uns ein Zimmer mit drei Betten – fünf Silbertaler pro Person, inklusive Spa-Aufenthalt. Wer nur das Spa nutzen will, zahlt zwei Silbertaler. Nach einem ausgiebigen Dampfbad sind wir endlich wieder aufgewärmt und fühlen uns wie neugeboren. Wir lassen es uns gutgehen. In geselliger Runde genießen wir ein deftiges Mahl im Gasthaus. Nebenan wird eine Geburtstagsfeier gefeiert, deren fröhliche Musik und Gelächter immer wieder zu uns herüberschallen.

Plötzlich hören wir draußen Hufschläge. Die Tür fliegt auf, und Leudara stürmt herein. Ihr Blick ist entschlossen. Sie hat nach uns gesucht – und nun scheint sie zu der Überzeugung gelangt zu sein, dass es, wie wir es ursprünglich gefordert hatten, tatsächlich besser ist, wenn sie uns begleitet.

Zufrieden und voller neuer Pläne ziehen wir uns schließlich in unsere Betten zurück.

Am Morgen des 1. Hesinde 1030 BF brechen wir auf, doch auch an diesem Tag steht das Schicksal gegen uns. Der Weg ist beschwerlich, das Wetter unerbittlich, und unsere Schritte werden schwerer mit jeder Meile. Erschöpft und niedergeschlagen erreichen wir schließlich den Birkenhof.

Am nächsten Morgen, dem 2. Hesinde, setzen wir unsere Reise fort – doch es will einfach nicht besser werden. Wir kommen nur langsam voran, als würde irgendetwas unser Vorankommen absichtlich drosseln und uns zu immer neuen Pausen zwingen. Erst am Abend erreichen wir über Blütenfeld und Hamkeln schließlich Birkenholt.

Am 3. Hesinde jedoch ändert sich das Wetter. Es ist kalt, und ein leichter Schneefall setzt ein – ein Segen für uns, denn die gefrorenen Wege erleichtern das Fortkommen erheblich. Zügig reisen wir über Balgerick und Dornacker und erreichen am Abend Schlüsselfels.

Doch der nächste Reiseabschnitt von Schlüsselfels nach Schotzen stellt uns vor eine große Herausforderung. Die Hauptstraße führt durch den berüchtigten „Firuner Luchs“, ein sumpfiges Gebiet, das von Sumpfranzen bewohnt wird. Besonders in der kalten Jahreszeit sind die hungrigen Kreaturen eine tödliche Gefahr für Reisende. Hinzu kommt, dass die Strecke mit 40 Kilometern ungewöhnlich lang ist – ein mühsamer und riskanter Weg.

Nach kurzer Beratung beschließen wir, nicht zu Fuß zu reisen, sondern eine Kaleschka zu nehmen – eine jener Kutschen, die hier Richtung Firunen verkehren. Es kostet zwar Silber, aber es ist sicherer. Allerdings sind wir darauf angewiesen, dass überhaupt eine passende Kaleschka mit genügend freien Plätzen verfügbar ist. Da Leudara mit ihrem eigenen Pferd reist, benötigen wir nur vier Plätze.

Doch das Wetter und das Glück stehen nicht auf unserer Seite. Erst spät am Abend des 5. Hesinde trifft endlich eine halbvolle Kaleschka in Schlüsselfels ein. Darin sitzt eine junge Familie – Vater, Mutter und ihre beiden süßen sechsjährigen Töchter, die auf dem Weg nach Rodebrannt zur 60. Geburtstagsfeier ihres Großvaters sind. Ohne zu zögern buchen wir unsere Plätze und bereiten uns auf die Weiterreise vor.

Am Morgen des 6. Hesinde 1030 BF brechen wir noch vor Tagesanbruch auf. Die Kaleschka ruckelt über die gefrorene Straße, und für eine Weile scheint die Reise ohne Zwischenfälle zu verlaufen. Doch nach zwei Stunden Fahrt zerreißt plötzlich wilder Kampflärm die morgendliche Stille.

In der Ferne erkennen wir eine umgestürzte Kaleschka. Mehrere Menschen verteidigen sich verzweifelt gegen eine schier endlose Horde von Sumpfranzen. Eine Gestalt liegt bereits regungslos am Boden.

Leudara zögert keinen Augenblick. Für eine wahre Rondrageweihte ist die Entscheidung keine Frage – sie gibt ihrem Pferd die Sporen und prescht voran, um den Bedrängten beizustehen.

Wir aber zögern.

Unsere Pflicht als Helden, Geweihte und ehrenhafte Reisende ruft uns zum Kampf. Doch ein anderer, dunkler Gedanke schleicht sich in unsere Köpfe: Wir könnten auch einfach weiterfahren. Uns dem Kampf entziehen. Vielleicht überlebt ohnehin keiner, um von unserer Untat zu berichten. Und was die junge Familie in unserer Kaleschka betrifft … Unfälle passieren schließlich immer wieder.

Ein Augenblick des Schweigens.

Dann – mit einem stummen Blickwechsel fällt die Entscheidung. Wir kämpfen.

Jetzt gilt es, schnell zu handeln. Ein Plan muss her. Wir beschließen, mit der Kaleschka an den Kämpfenden vorbeizufahren, dort erst abzuspringen und in die Schlacht einzugreifen.

Die Zeit für Zweifel ist vorbei.

Wir ziehen unsere Waffen. Wir greifen an.