Februar 12, 2023

Recht oder Gerechtigkeit?

Wie fing das nochmal an mit dem Hinterhalt der Goblinbanditen? Es war bereits später Vormittag. Der Schneefall hatte etwas nachgelassen. Gieselhold hatte zwar die Räuberbande frühzeitig gesehen, aber im blinden Aktionismus versucht seinen Lieblingsdolch unter allen seinen wärmenden Kleidungsschichten hervorzuwühlen. Marja war abgesprungen, und wollten auch den Rest aus dem gemütlich warmen Inneren der Kaleschka raus scheuchen. Der Baum musste aus den Weg geräumen. Als die Pfeile sie knapp verfehlten und in der Kaleschka einschlugen.

Spieler: Udo, Sascha (Berichterstatter), Christoph, Holger, Christian (GM)

Man sagt ja, dass Schnee die Geräusche verschlucken würde, trotzdem konnte wir das Kriegsgebrüll der Angreifer noch in der Kaleschka wahrnehmen. So schnell es uns möglich war traten wir aus der Kutsche heraus und zogen unsere Waffen.

Marja, nur bewaffnete mit ihrer Kutscherpeitsche, versuchte sich verzweifelt gegen zwei Goblinräuber zuwehe zu setzten. Diese „massierten“ sie leider schon erfolgreich mit ihren Knüppeln.

Olko, der zufälligerweise als Erster rausprang und dessen gesamter Körper von einem magischen Schimmer überzogen war, zog direkt die Aufmerksamkeit von zwei der räuberischen Rotpelze auf sich. Gekonnt schaffte es der Magier die Schläge der Goblins mit seinem eigenen Körper zu parieren. Die magische Hülle um Olko herum absorbierte vermutlich den größere Schaden. Vor Schmerz aufschreiend zauberte er – sicherlich reflexartig – und ein Blitz traf einen dieser blutdürstigen Bestien, die daraufhin kurzzeitig verwirrt zurücktaumelte.

Gamrik versuchte derweil die Aufmerksamkeit der Räuber auf sich zu ziehen, damit Olko und Marja, die sicherlich die geringste Kampferfahrung haben, zu entlasten. Leider schien nur einer der Goblin ihn als „möglicherweise relevant“ einzuschätzen, was in seinem innersten zu einem Aufbrüllen führte.

Kaum hatte sich Geron in das Kampfgetümmel geworfen, wurde schon einen Augenblick später der erste Schlag von einem Goblin gegen ihn ausgeführt. Dieser konnte den Schlag problemlos kontern und schlug den Goblin kampfunfähig...präziser wäre „indem er den Goblin fast vollständig halbierte, lag der Goblin nur noch zuckend und sterbend im Schnee...“.

Olko’s beide Goblins schlugen fleissig weiterhin auf ihn ein, er aber suchte das vermittelnde Gespräch mit ihnen. Rhetorisch hervorragend argumentiert legt er dar, dass Gewalt nicht die Lösung sei. Dies schien aber keine Wirkung auf sie zu haben, da sie ungehindert und erfreut über dieses dumme Menschlein weiter machten. Um zu verhindern, dass der Magier noch weiter verletzt wird, trat Gerald an Olkos Seite und griff seine Goblins an.

Nach einem kurzen Schlagabtausch flohen die Goblins. Anders als Gerald es erwartet hatte, war der Magier nicht erfreut über sein eingreifen. Ihm wäre eine friedliche Lösung lieber gewesen und jegliche Aussicht darauf wurde von dem primitiven Verhalten von Geron zunichte gemacht.

Auf der anderen Seite der Kaleschka kämpften Marja und Gamrik gegen drei der Goblins. Marja hatte zu Beginn ihres Kampfes zwar zwei unschönen Schläge einstecken müssen, danach hatte sie sich aber keine Blöße mehr gegeben. Zusammen mit Gamrik konnten sie einen Goblin erschlagen, die anderen zwei flohen darauf hin.

Am Kopfende der Kaleschka wurde Gieselhold von zwei Räuber bedrängt und Spaß dabei hatten, ihm erfolgreich auf seine Fußzähen zu klopfen. Anfangs versuchte er noch seinen Lieblingsdolch von seiner Brust zu lösen (blöderweise war der jetzt auch noch auf der Innenseite bis runter in die Hose gerutscht), schnappte sich sein zweites Messer und sprang gekonnt vom Waagenbock. Wie ein weißer Tod von Oben glitt er über die verbliebenen zwei Goblins und verletzte sie schwer, noch bevor er den Boden berührte. Diese Vorstellung war für die Goblins zu viel und sie frohen so schnell sie konnten.

Während alle anderen ihre Blessuren begutachteten oder Ausschau hielten, ob die Räuber mit Verstärkung zurückkämen, ging Olko, nach seiner ersten „Schlacht“, zu dem verletzten Goblin um sich um dieses – in seinen Augen – arme, bedauernswerte und hilflose Geschöpf zu kümmern. Geron möge sich doch zu aller erste um die Wunden des Goblins kümmern.

Marja, selber durch die Goblins verletzt, glaubte ihren Ohren nicht zu traute und ging auf den  Goblin zu. Mit ihrer schweren Stiefel trat sie dem Wegelagerer ins Gesicht. Das Knacken das darauf hin zu hören war, verriet das es jetzt für den Goblin zu spät war. Ohne größere Emotionen zu zeigen drehte sich Marja mit den Worten um „Es wird schon spät. Wir beseitigen jetzt die Straßensperre und fahren weiter nach Kirschhausen“.

Olko der fassungslos diese Gräueltat mit angesehen hatte blieb vor Schreck die Worte im Halse stecken.

Marja und Gieselhold schlugen mit Äxten die Baumstämme klein und befreiten so die Straße von allen Behinderungen. In der warm Kalschka versorgte währenddessen Geron die beiden sich anschweigenden Verletzten, Marja und Olko. Gerald brühte währenddessen einen Wirselkraut-Tee auf, um den Verletzten zu helfen. Nach einer halben Stunde fuhr die Kaleschka weiter.

Am Abend erreichte die Reisegruppe das stark befestigte Kirschhausen. Hier trennte sich Olko von der Gruppe. Um ihn im Auge zu behalten, ging Geron mit dem Magier mit. Die restliche Gruppe machte sich auf den Weg zum Wirtshaus Honigkrug, um dort Zimmer für die Nacht zu organisieren.

Olko ging auf direktem Weg zum Stadtbüttel. Hier hofft er ein Verbrechen anzeigen zu können, nämlich den Mord an einem Goblin von der Kutscherin Marja. Im ist natürlich klar, dass ein Mord im besten Fall mit Haft und im schlimmsten Fall mit dem Tod bestraft wird, welches wiederum das weiterkommen der Gruppe verhindern würde. Noch viel schlimmer ist, dass es ihn auch signifikant daran hindert, Jääni und Brutsch zu retten. Ein Preis den er – um der Gerechtigkeit Willen – gewillt ist, dass ihn sowohl die Bevölkerung von Festum als auch die Hardner Seenplatten Norbarden bezahlen müssen.

Im Büttel angekommen, wird der Magier gleich in einen gesonderten Raum geleitet um seine Anzeige aufnehmen zu können. Geron der mit ihm zusammen im Wachgebäude angekommen ist, muss aber – Standesgemäß – in der Wachstube bei den gemeinen Bütteln warten. Damit konnten man sicherstellen, dass „der gelehrte Herr Olko Knaack unbelästigt von dem einfachen Volke seine seine Aussage abgeben könne“. Die Anzeige des Magiers wurde auch sehr schnell aufgenommen, vor allem als der diensthabende Ordnungshüter erfuhr, dass es sich bei dem vermeintlichen Opfer um einen Banditen handelte, der „Opfer“ seiner eigenen Untat wurde. Dass es sich auch noch um einen Goblin handelte, machte die Sachlage noch einfacher. Olkos Reisebegleiter vermuteten später, dass die Anzeige in dem speziellen Ablageort neben dem Schreibtisch, wo auch der restliche Papiermüll landete, abgelegt wurde. Olko selber ist aber von der korrekten – d.h. in seinem Sinne gehandhabten – Bearbeitung der Anzeige überzeugt.

Nachdem Olko dies erledigt hatte, wollte er noch von dem Ordnungshüter etwas über den Verbleib der beiden Goblins, Jääni und Brutsch, wissen. Sein Ansprechpartner versicherte, dass es im Augenblick keine Goblingefangenen im Kirschhausener Gefängnis gäbe. Er verwies den Magier zur Herzogin Marja von Kirschhausen, diese würde sicherlich wissen was ihr Sohn, Jaruslaw von Kirschhausen, mit seinen goblinischen „Gästen“ angestellt habe.

Erfüllt von seiner gerechten Tat schnappte sich Olko Geron und ging mit ihm zum Wohnturm der Herzogin. Am Wohnturm angekommen mussten die beiden Besucher erst mal im Wachhäuschen warten.

Da es in der Zwischenzeit schon sehr spät war, konnte man die Herzogin nicht mehr direkt erreichen. Ihr Sekretär, Pedder Jublinski, stand aber zur Verfügung. Olko berichtete im Beisein von Geron darüber, dass Schickse Jaruslaw von Kirschahusen-Krabwitzkoje, der Sohn der Herzogin Marja von Kirschhausen die Festumer Bürger und Goblins Jääni, Bruutsch gefangen nahm. Sein anliegen an die Herzogin ist nun herauszufinden, was mit den beiden passiert sei.

Nachdem sich Padder Jublinski alles angehört hat, versprach er Olko sich darum zu kümmern. Der gelehrte Herr möge doch mitteilen wo er die nächsten Tage erreichbar wäre. Man würde ihn dann informieren, wenn man näheres in Erfahrung gebracht hätte.

Mit den Worten, dass er am nächsten Morgen wieder zurück kehren würde, verabschiedete sich Olko und verließ das Wachhäuschen. Nach diesem langen Tag legten sich beide Männer schlafen und schliefen den Schlaf der Gerechten.

Am nächsten Morgen treffen sich alle an der Türe zum Honigkrug. Das heißt nicht alle Reisenden waren anwesend, Olko war nicht da und niemand wusste wo er war. Die Kaleschkalenkerin Marja gab uns ein Zeitfenster von einer Stunde, binnen dieser Zeit müssten wir aufbrechen oder wir hätten keine Chance rechtzeitig, d.h. vor Anbruch der Nacht, unser nächstes Reiseziel, Stellniz, zu erreichen. Zwar wäre es denkbar auf offener Strecke die Nacht zu verbringen, dies wäre aber sowohl unbequemer und als auch unnötigerweise gefährlicher.

Geron der mitbekommen hatte, wie sich Olko am letzten Abend von der Wache im Wachhäuschen verabschiedet hatte, führte die Gruppe auf den schnellsten Weg zum Wohnturm der Herzogin. Auf dem Weg dorthin machte sich Gerald seine Gedanken über Olko. Nicht nur das Olko die Aufgabe, welche wir von Umerike Surjeloff bekommen hatten, völlig egal zu sein scheint, auch das er einfach so annahm wir müssen auf ihn warten, ohne uns Bescheid zu geben, zeigte wie wenig er uns wertschätzte. Alles in allem war sein Verhalten das typische Verhalten von jemanden, der sich mit Leuten unter seinem Stand abgab. Er mag vielleicht andere Gruppen als gleichwertig erachten als andere Magier, aber trotzdem ist sein Verhalten nicht anders als das eines typischen Magiers.

Am Wachhäuschen angekommen sah die Gruppe bereits Olko vor dem Eingang des Wohnturms mit einer Wache diskutieren. Der Wächter, welcher Olko noch vom Vortag her kannte, meinte er könne ihn nicht einlassen, aber vielleicht gäbe es eine andere Möglichkeit die gewünschten Informationen zu bekommen. Während er dies sagte, juckte der Daumen und der Zeigefinger so, dass er diese reiben musste. Olko, der diese Andeutung nicht verstanden hatte, wollte unbedingt in den Turm. Um die Situation möglichst schnell zu einem Anschluss zu bringen schnitt Gerald Olko das Wort ab und bot der Wache eine Kleinigkeit für die „Kaffeekasse“ an. Der Wächter verriet daraufhin der Gruppe, dass der Schitze bereits weiter gezogen sei und dass er die Goblins mitgenommen habe. Mit sanftem Druck gegen Olko verabschiedete sich die Gruppe vom Wächter und ging auf den direkten Weg zur Kaleschka.

Marja wartete schon ungeduldig auf die Weiterfahrt. Mit knapp einer Stunde Verspätung ging es los nach Stellnitz, welches wir gerade noch rechtzeitig in der Abenddämmerung erreichten.