Das Vermächtnis der Roten Höhle (20. Ingerim 02:00 Uhr - 05:00 Uhr)
Wir stehen am Eingang zur Hölle, die Waffen bereit. Zögerlich setzen wir ein paar Schritte in ihr Inneres.
Gamrik und Geron tragen Licht bei sich, und so dringen wir tiefer vor. Vor uns breitet sich ein gespenstischer Anblick aus: Verteilt auf sieben steinernen Säule liegen auf roten Tüchern sauber platzierte unzählige makellose Waffen.
Spieler: Holger, Udo, Christoph (Berichterstatter), Christian (GM)
Der Boden und Wände der gesamten Kaverne sind überzogen von seltsamen Symbolen und auch das Gestein wirkt unnatürlich für diese Region. Die Hölle trägt deutlich den Stempel von Rondra, doch sie ist zugleich von Symbolen der Norbarden Kultur und einer dritten Gruppe von uns unbekannten Symbolen – vermutlich der Goblinkultur – durchzogen – je ein Drittel, sorgfältig und gleichwertig verwoben.
Bisminka und Fentanka betrachten fasziniert die Zeichen und Schriftzüge an den Wänden.
Gieselhold, geübt im Umgang mit Dolchen, untersucht einen besonders auffälligen Dolch genauer — und stellt fest, dass auch er, wie alle Waffen hier, meisterlich gearbeitet ist, doch nicht auffälliger als die übrigen.
Bisminka folgt dem Schein von Gerons Fackel weiter in die Tiefe. In die Wände eingelassen entdecken wir Regale; Gieselhold entdeckt außerdem einen weiteren Gang, der tiefer in die Hölle führt. Gamrik beginnt, nach verborgenen Durchgängen zu suchen.
Der Rondrageweihte erhebt seine Stimme zu einem Lobpreis an Rondra. Ehrfürchtig erklärt er, dass die Präzision dieser Anordnung nur göttlichen Ursprungs sein könne — dies sei ein unglaubliches Heiligtum.
In einer Kiste und Regalen finden wir – neben vieler alltäglichen Gegenständen – auch rituelle Gegenstände, Bücher und Pergamente. In den Schränken liegen Textilien — allesamt mit bekannten Rondrasymbolen verziert, wie wir sie schon im Blauen Buch oder in Tempeln gesehen haben. Auffällig ist, das hier nichts der Zeit zum Opfer gefallen zu scheint. Alles wirkt so auf uns, als wäre der Bewohner dieses heiligen Stätte nur kurz weg gegangen.
Mitten auf einem Altar steht eine eisenbeschlagene und verschlossene Kiste, die förmlich danach „riecht“, dass daran etwas sehr sehr wertvolles aufbewahrt und gesichert ist. Neugierig wie Gamrik ist öffnet er kurzerhand diese. Gieselhold bleibt kurz das Herz stehen, da er weiß, was sowas für alle – und allen voran für Gamrik – bedeuten kann, falls die Kiste eine tödliche Falle auslöst. Aber die Helden haben Glück. Nichts – offensichtliches – passiert. In der Kiste liegt ein stählernes Etui, versiegelt mit dem Zeichen der Rondragabund, der – laut Legende - letzten Frau Marschall der Theaterritter. Gamrik öffnet es „aus Versehen“ und liest laut vor:
Hiermit verfügen wir, weiland Kommandantin der Stadt Festum und nach bestem Wissen letzte Befehlshabende des Orden vom Theater zu Arivor, das Folgende:
In Anerkennung aufopferungsvollster Dienste im Namen der Göttin; der Rettung des Festumer Tempelschatzes und dessen Überführung an einen sicheren Ort; der Verwendung uralten Stammeswissens und umfangreicher weltlicher Güter zu desselben göttlich gewollter Sicherung; der selbstlosen Verteidigung desselben gegen schändliche Verfolgung und mannigfaltige Gefahren des Landes; der Treue zum Orden vom Theater in einer Zeit des Niedergangs, als Feigheit und Verrat in den eigenen Reihen um sich griffen, und dies ohne selbst ein Ritter zu sein; in Anerkennung ebendieser Taten übereigne ich den verbleibenden Besitz des Theaterordens auf alle Zeit dem stolzen Volk meines treuen Gefährten Amrun Newalainen: den Alaaniern, auch Nurbarden genannt, hier und heute vertreten durch die ehrenwerte und weise Frau Njobura Janndarev, künftig durch seine rechtmäßige Königin, von wo immer sie herrschen möge.
Dieser Besitz sind alle Lande zwischen den Flüssen Born und Walsach, welche Anno 177 in der Blutroten Bulle durch Kaiser Gerbald I. der ersten Marschallin Arvedua von Neetha übergeben, vom Theaterorden in der Folge befriedet und besiedelt.
Justament die Waffen, welche sind der genannte Festumer Tempelschatz, seien das Eigentum jener, die das Erbe unseres gebrochenen Ordens antreten, auf dass diese die Klingen einst der Bestimmung zuführen mögen, die Rondra ihnen in ihrem unermesslichen Ratschluss zugedacht.
– Gegeben zur Roten Höhle bei Drauhag, den 12. Rondra 338 nach Bosparans Fall, Ritterin Rondragabund von Riedemer
Allen Anwesenden sind wie erstarrt, als ihnen langsam klar wird, was das bedeutet. Bisminka wird kreidebleich. Fetanka scheint tief in Gedanken versunken, während Kolja anfängt leise Gebete zu Rondra zu murmeln.
Gamrik steckt das Schreiben sorgfältig zurück in die metallene Hülse.
In diesem Moment erscheinen vor der Höhle Ischdan von Quelldunkel mit fünf Hunden und seinen Untergebenen, begleitet von Junker Oswin von Treie und dessen Gefolge. Sie fordern uns auf, alles, was wir in der Hölle gefunden haben, herauszugeben oder uns ihnen anzuschließen. Ischdan sicher uns zu, dass er – falls wir uns ergeben – uns unter seinen Schutz stelle und wir nichts zu befürchten bräuchten.
Doch wir verweigern uns. Stattdessen rammen wir unsere Fackeln in den Boden und zeichnen so eine Linie, die sie nicht überschreiten dürfen — andernfalls greifen wir mit allen Vorteilen an, die dieser Ort uns bietet.
Die Spannung ist greifbar, doch schließlich einigen wir uns intern bei klärendem Gespräch: Wir schlagen unseren Gegen er für hier uns jetzt ein Ehrenduell vor: Ein ehrbares 2-gegen-2. Der Sieger darf alles, was sich in der Hölle befindet, als Besitz erhält. Die Verlierer dürfen und müssen mit ihren Gefolgsleuten unverzüglich abziehen, ohne den anderen zu behindern, zu belästigen oder sonstigen Schaden zuzufügen. Das Duell wird ausgetragen zwischen Gieselhold und Gamrik gegen Ischdan von Quelldunkel und Junker Oswin von Treie.
Nach einem langen, unbewegten Moment des Schweigens tauschen der Junker und Ischdan einen Blick. Dann neigt Ischdan den Kopf kaum merklich – die düstere Zustimmung zu unserem Vorschlag. Ein eisiger Zug von Schicksal weht durch die Höhle.
Als wir uns abwenden, um uns innerlich auf das Kommende zu rüsten, fällt unser Blick auf Kolja. Sein Gesicht liegt halb im Schein der Fackeln, halb im Schatten. Er starrt den beiden Bronnjaren nach, die langsam im Dunkel verschwinden. Für einen flüchtigen Atemzug scheint es, als formten seine Lippen ein einziges, lautloses Wort: Kor…?