Übers Dach
Dick eingemummelt wegen der bereits frostigen herbstlichen Nächte in Festum, wartet Gieselhold im Schatten zwischen der Umfriedung des Gardegeländes und des Rondratempels. Als der Nachtwächter die zweite Stunde ausruft, macht sich Gieselhold auf den Weg, von Schatten zu Schatten huschend dringt er in das Gelände der Garde ein und erklimmt – dank des Tags zuvor errichteten Gerüsts zur Inspektion und Wartung des Daches problemlos die Fassade und erreicht das Dach. Zudem verbirgt das Gerüst Gieselhold vor allzu achtsamen Augen.
Auf dem Dach macht sich Gieselhold auf zu der einen Stelle, wo Gamrik dank seinen Fernrohrs mein, eine morsche Stelle im Dach gefunden zu haben. Auf dem Weg dorthin bricht Gieselhold plötzlich mit dem linken Fuß durch das Dach. Dank seiner Körperbeherrschung gelingt es Gieselhold nicht abzurutschen, aber ein oder zwei Holzschindeln rutschen polternd das Dach hinab und verschwinden in der Dunkelheit um kurz darauf auf dem Boden aufzuschlagen. Das Herz schlägt Gieselhold bis zu Hals, angespannt wartet er auf einen Ruf, einen Alarm oder sonst was. Aber bis auf einen bellenden Hund, der offenbar eine Katze jagt ist nichts zu hören.
Offenbar hat die Kälte alle Bewohner in die Häuser getrieben.
Eine morsche Stelle im Dach ist so gut wie jede andere, denkt sich Gieselhold, und löst leise und vorsichtig einige weitere der morschen Schindeln, bis er sich durch das Loch ins Innere des Dachstuhls hindurchzwängen kann. Nach einer kurzen Pause bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, kann Gieselhold den Treppenabgang aufgrund der Beleuchtung vom unteren Stockwerk leicht ausmachen. Und glücklicherweise ist der Dachstuhl von hier bis zur Treppe relativ frei von Gerümpel.
Schleichend macht sich Gieselhold auf zum Treppenabgang, dort angekommen kann er bereits die Tür zur Asservatenkammer am Fuße der Treppe ausmachen. Lauschend wartet er ab, aber bis auf ein paar gedämpfte Gesprächsfetzen und ab und zu ein leises Gurren aus dem Taubenschlag ist nichts zu hören. Vorsichtig macht sich Gieselhold an den Abstiegt, gekonnt vermeidet er dabei knarzende Treppenstufen oder sonstigen Lärm.
Unten angekommen blickt Gieselhold um die Ecke des Treppenaufgangs. Der diensthabende Weibel Perschin sitzt zurückgelehnt auf seinem Stuhl und ... schläft? Was für eine Arbeitseinstellung, denkt sich Gieselhold und grinst dabei, die Gesprächsfetzen kommen wohl von unten, der Aufenthaltsraum hier oben scheint leer.
Jetzt gilt es, denkt sich Gieselhold und macht sich daran das Schloß zu knacken. Nach kurzer Zeit springt das Schloss mit einem leisen Knacken auf, Gieselhold verschwindet schnell in der Dunkelheit der Asservatenkammer und schließt die Türe. Es dauert eine ganze Weile bis sich Gieselholds Augen erneut an die Dunkelheit gewöhnt haben, leise und vorsichtig schleicht Gieselhold durch den Raum zur Galionsfigur. Das Ding ist ganz schön groß und schwer! Schnell findet Gieselhold den Mechanismus um ins innere der Figur zu kommen.
Mit Hilfe des spärlichen Lichts durch das kleine vergitterte Fenster Schleicht Gieselhold weiter zur zweiten Gittertür, und öffnet diese blind in sekundenschnelle. Überhaupt keine Herausforderung denkt sich Gieselhold, und schlüpft schnell in die Regalreihe dahinter und weiter bis zur Trommel. Vorsichtig hebt Gieselhold die Trommel auf, doch der Schultergurt hat sich in der Dunkelheit in irgendwas verhakt und reißt es aus dem Regal. Instinktiv lässt er die Trommel los, diese fällt mit einen dumpfen Ton zurück auf den Tisch, und fängt blind den Gegenstand – wohl eine Art Vase aus Keramik oder Glas. Puh, Phex ist mit mir, wenn die auf dem Boden zerschellt wäre... Erneut hebt Gieselhold die Trommel auf, noch vorsichtiger als beim letzten Mal und schleicht die Regalreihe zurück und verschließt sorgfältig die Gittertür. Weiter schleicht er zurück zum Eingang der Asservatenkammer in deren Nähe sich die Galionsfigur befindet. Vorsichtig stellt er die Trommel ab und beim Öffnen der Figur kommt diese ins Rutschen. Mit aller Kraft gelingt es Gieselhold mit Müh’ und Not die Figur aufzufangen und wieder aufzurichten. Hoffentlich steht diese und auch die Vase richtig, bzw. keinem fällt was auf... . Schnell wird die Trommel in der Figur verstaut, sie passt gerade so hinein. Immerhin kann sie dadurch auch nicht darin herumrutschen und so Geräusche verursachen. Gieselhold verschließt sorgfältig die Figur und drapiert auch die Abdeckplane möglichst so wie zuvor. Jetzt nix wie raus, bin schon viel zu lange hier drin, denkt sich Gieselhold. Vorsichtig öffnet er die Tür, nur um sie sofort wieder zu schließen. Ein Gardist steht beim Weibel Perschin und spricht mit ihm, mit Blick direkt auf die Tür. Angespannt lauscht Gieselhold und etwas später öffnet er die Tür gaaanz vorsichtig einen Spalt und sieht wie Perschin sich hochrappelt und mit dem Gardisten zum Aufenthaltsraum geht. Schnell schlüpft er aus der Kammer, verschließt die Tür sorgsam und verschwindet so schnell und vorsichtig wie möglich die Treppe nach oben ins Dachgeschoss.
Der Rest des Rückwegs war ereignislos, und einige Minute später war Gieselhold zurück bei seinen Mithelden, die ihn mit einer warmen Ziegenmilch überraschten, die er aber dankend ob der Kälte annahm.
Zurück im Hinterhaus, legen sich die Helden schlafen, um so ausgeruht wie möglich den Coup am kommenden Morgen in die Tat umzusetzen.