August 31, 2025

Bestien und Bogenschütze  – (19. Ingerimm, 8:00 Uhr bis 11:00 Uhr)

Die Nacht in der Waldhütte lag still und schwer, nur das gelegentliche Rascheln der Blätter begleitete unsere Ruhe. Fetanka, Bisminka, Kolja, Gamrik, Gieselhold, Geron und Gerald hatten sich müde, aber entschlossen zur Ruhe gelegt. Doch Zwei dieser Gruppe fanden keinen wirklichen Schlaf.

Spieler: Christian (GM), Christoph, Holger, Sascha (Berichterstatter)

Gerald, schwer gezeichnet von den Verlusten im Kampf gegen die Korsmal-Ritter, lag wach und grübelte über sein Leben nach. Nichts schien ihm geblieben zu sein, als Händler konnte er, entstellt wie er war, nicht mehr arbeiten, die Götter hatten ihn verlassen und seine Pläne für die Zukunft waren unwiderruflich zerstört – verloren in düsteren Gedanken, zog er in seinem Geist eine Liste mit Pro- und Contra-Argumenten, ob er sich in die verfluchten Büsche stürzen sollte. Als die Liste der Pro-Argumente immer länger wurde, griff er verzweifelt nach seinem Trinkschlauch, gefüllt mit Meskinnes. Ein paar kräftige Schlucke halfen ihm, seinen Geist zu betäuben und hoffentlich in einen traumlosen Schlaf zu sinken.

Auch Fetanka konnte nicht zur Ruhe kommen. Ihr Geist war von einer aufkeimenden Aufregung erfüllt, denn in ihrem alten Ahnenbuch hatte sie etwas entdeckt, das unser Schicksal für immer verändern könnte.

19. Ingerimm 1039 BF

Am nächsten Morgen begannen die Vorbereitungen für den Aufbruch. Gerald zog sich seinen Schleier an, der es seinem Gegenüber nur erlaubte, die untere Hälfte seines Gesichtes als Silhouette war zunehmen. Dieser Schleier verbarg die Narbe, welche von seiner linken Wange aus nach unten lief.

Nach der Vorbereitung entfaltete Fetanka mit leuchtenden Augen das vergilbte Pergament ihres Buches, überflog das geschrieben und begann für uns zu übersetzen und zusammenzufassen: Njobura, eine Ahnin Fetankas, hat im Seffer Manich der Jantareffs eine Fassung der Rondragabund-Legende niedergeschrieben, die einige Unterschiede zur landläufig bekannten Version aufweist: Rondragabund reiste nicht nur verkleidet als Norbardin in einer gekauften Kaleschka, sondern gemeinsam mit einem gewissen Amrun Nevalainen. Fetanka ergänzt, dass seine Sippe bis heute existiert und ist sehr traditionsbewusst. Amrun half Rondragabund nicht umsonst. Im Gegenzug versprach ihm die Theaterritterin „alles, was sie besaß.“ Die Schwerter seien nicht vergraben worden, sondern seien in eine „Rote Höhle“ gebracht worden. Eine Ahnin Fetankas, namens Njobura Jantareff, habe die Höhle versiegelt. Njobura soll eine Deutung von Rondragabunds Traum vorgenommen haben, die sie zur „Roten Höhle“ führte. Demnach war die erwachsene Löwin die Gigantin Mithrida, die einem roten und einem schwarzen Löwenjungen, nämlich Rondra und Kor, das Jagen beibrachte. Njobura soll bezeugt haben, dass Rondragabund ihr Versprechen hielt. Was genau Amrun von ihr erhielt, ist weder überliefert noch gibt schriftliche Dokumente dazu. Und noch Generationen später rätselten Zibiljas über „Njoburas Tausch“.

Diese Offenbarung überzeugte Fetanka, dass es ihr möglich wäre, die rote Höhle zu finden und uns den Zugang zu ermöglichen – ein Ziel, das bisher nur als Mythos galt.

Im Anschuss an diese Erzählung planten wir das weitere Vorgehen. Wie sollten wir den bevorstehenden tödlichen Kampf mit den Sumpfranzen vermeiden? Die Diskussion entbrannte hitzig, doch jede Strategie schien unvollkommen. Schließlich war klar: Kein Weg würde uns gänzlich schützen.

Mit schweren Schritten brachen wir um ca. 09:00 auf. Bald schon bemerkten wir Spuren im moosigen Boden vor uns – frische Fußabdrücke. Die Korsmal-Bündler mussten uns zuvorgekommen sein. Ein Schauder lief durch die Gruppe, als die verfluchten Büsche am Wegesrand uns förmlich zu rufen schienen – ein heimtückischer Lockruf, damit wir uns an ihren Dornen stechen und selbst zu Sumpfranzen werden würden. Doch unser Wille war stark, wir widerstanden dem Fluch.

Es ist 10:00 Uhr und plötzlich stürmten die Sumpfranzen aus dem Nebel. Ein tödlicher Tanz begann: Bisminka zauberte mit geschickter Hand einen Bann auf die Kreaturen, während Fetanka hinter uns vor den Sumpfranzen in Deckung ging. Ein Pfeil zischte durch die Luft – und traf Fetanka in den Rücken. Kolja stellte sich schützend vor sie, eine lebende Barrikade gegen das Ungeheuer.

 Gamrik, Gieselhold und Gerald formierten einen Verteidigungswall, ihre Waffen blitzten im diffusen Morgenlicht. Plötzlich begannen die Hände von Gerald zu zittern, seine Ängste schienen die Überhand zu gewinnen. Inmitten des Chaos bot der Goblingeist, der an Gerald gebunden war, seine Hilfe an. Gerald, noch gezeichnet von den Narben der vergangenen Schlacht gegen die Korsmalsbündler, nahm das Angebot an. Der Geist hüllte ihn in eine unheimliche Aura, das seine Stärke und seinen Mut verstärkte und für kurze Zeit war er befreit von den Gedanken an die Trümmer seiner Existenz. Doch auf süß wird bitter folgen, wenn nach dem Kampf alles schlagartig wieder zu ihm zurückkehrt.

 Gemeinsam drängten wir die Sumpfranzen zurück, bis sie in die Schatten flohen. Der Atem schwer, doch der Geist ungebrochen, suchten wir Deckung vor dem unsichtbaren Bogenschützen. Gieselhold begann mit sicherem Griff die Wand zu erklimmen – vielleicht würde ihm diese Position einen Vorteil verschaffen.

So beginnt der Morgen mit dem rauen Klang von Schwertern und Zaubern, doch der Weg zur roten Höhle lag noch vor uns, voller Gefahren, Rätsel und Geheimnisse.