Blut an der Tatze und Kratzer im Schild (10. Peraine, 11:00 – 11. Peraine, 16:00 Uhr)
Am 10. Peraine um 11 Uhr hatten Gamrik, Geron, Gieselhold und Gerald die zuvor akquirierte Lampe zurückgebracht. Anschließend kehrten sie zur Norburg zurück, um zu erfahren, ob Kirschhausen bereits in Verwahrung genommen wurde. Der Kerkermeister informierte sie, dass dessen Aufenthaltsort noch unbekannt ist.
Spieler: Christian (GM), Christoph, Holger, Udo, Sascha (Berichterstatter)
Nicht entmutigt suchten sie das Gemach des verstorbenen Grafen Ask von Norburg auf, um dort nach Schriftstücken mit Verpflichtungen zu suchen. Doch der Weg ward ihnen von einem loyalen Diener versperrt, der sie sogleich zum Sekretär des Grafen geleitete. Dieser, selbst gefangen zwischen Pflicht und Unwissen, vermutete die gesuchten Dokumente in der Erbmasse. Immerhin: Eine Liste der Gäste der Norburg sei wohl möglich zu beschaffen, versprach er auf Gamriks drängende Bitte.
Kurz darauf versammelten sich Adelige und Edle zur Ansprache der Adelsmarschallin um 12 Uhr. Die Gefährten standen in ihrer Nähe, als sie mit fester Stimme über das ruchlose Attentat an der Weisen Rondra sprach. Ihre Worte waren Bedacht und Hoffnung zugleich: Sie versprach Gerechtigkeit statt Hast, Entschlossenheit statt Rache. Das betagte Publikum der Bronjaren nickte ehrfürchtig. In zwei Tagen, kündigte sie an, werde Graf Ask unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen – die Weise Rondra werde hierfür der Schauplatz sein.
Gegen Nachmittag, zur 14. Stunde, suchten die Gefährten ihr Quartier auf. Gieselhold untersuchte die Bärentatze, doch sie zeigte kein Blut. Vorsichtig verpackte er sie. Auch das blaue Buch und das geheimnisvolle Schild nahmen die Gefährten an sich, um sich auf den Weg zur Norbardensippe zu machen, wo Fetanka sie freudig empfing.
Das blaue Buch, so sagte sie, enthalte große Geheimnisse. Die Quelle seiner Beseelung war ihr unbekannt – sie riet, sich an einen Theaterritter-Experten zu wenden. Als Gamrik nach der Trichterburg der Nevalainen fragte, offenbarte Fetanka, dass jene Sippe längst vergangen sei – einst verbunden mit der legendären Rondragebund. Auch zum Schild wusste sie Spannendes: Er sei alt, kampferfahren, doch zu gut erhalten für sein angebliches Alter von 700 Jahren, wobei göttliches Wirken diese Diskrepanz erklären würde. Einige eingravierte Zeichen, welche nachträglich auf das Schild gebracht wurden, stammen von drei unterschiedlichen Werkzeugen. Diese könnten der Hinweis auf den Verbleib der 666 Schwerter sein. Auf unsere Bitte erklärte sie sich bereit sich näher damit auseinanderzusetzen. Fetanka sagte, dass die 666 Schwerter einst den Theaterrittern gehörten. Sie wollte den Schild eigentlich einige Wochen behalten, gab sich dann aber mit einer Abpause zufrieden, als ihr klar wurde, dass das Schild vom Korsmalsbund begehrt wird.
Die Gruppe betrat schließlich den Rondratempel, der in stiller Würde und feierlicher Ernsthaftigkeit dalag. Nur wenige Gläubige hielten sich in der ehrwürdigen Halle auf, vertieft in leise Gebete oder stille Einkehr. Am Fuße einer Statue der Göttin Rondra knieten zwei weinende Frauen. Über sie beugte sich ein greiser Geweihter – sein Gesicht von Güte und Altersmilde gezeichnet, sein Körper gebeugt vom Gewicht der Jahre. Mit sanfter Stimme spendete er Trost, die zitternde Hand ein letzter Ausdruck von Kraft und Fürsorge.
Als er seine Pflicht bei den Trauernden erfüllt hatte, wandte er sich den Neuankömmlingen zu. Freundlich, aber mit dem Blick eines Mannes, der mehr gesehen hatte, als Worte fassen können, hörte er sich ihr Anliegen an. Die Bitte, das entstehende Heer zu unterstützen, erfüllte ihn sichtlich – und dennoch legte sich ein Hauch von Bedauern auf sein Gesicht. Mit ehrlicher Entschiedenheit erklärte er, dass er dem Ruf des Schlachtfeldes nicht mehr folgen könne: Sein Geist sei willig, doch sein geschundener Körper setze ihm unüberwindliche Grenzen.
Trotz seines Wunsches, zu helfen, blieb er Realist. „Die Zeit des Schwertes liegt hinter mir“, sagte er schlicht, „doch meine Pflicht endet nicht.“ Stattdessen verwies er auf Vanjescha Nach’Rassandra von Sirmgalvis, die ehrwürdige Tempelvorsteherin des dortigen Rondrahauses. Sie, so erklärte er, sei derzeit in Norburg zu finden – jung, stark und kampferprobt, und in der Lage, dem Ruf der Göttin in voller Kraft zu folgen.
Seine Aufgabe sehe er nun im Schutz und der Unterweisung der verbliebenen Pagen im Tempel – junge Seelen, die einst selbst aufbrechen würden, um im Namen Rondras zu streiten. „Auch hier“, sagte er leise, „wird der Kampf geführt – nicht mit dem Schwert, sondern mit Geduld, Glauben und Hingabe.“
Die Gruppe begab sich zu Bisminka an die Akademie, wo auch Bilkis anwesend war. Sie baten sie um Unterstützung bei der Analyse von Schild und Buch. Sie zeigte sich zögerlich, willigte aber ein, verwies aber auf Graf Alatzer als größeren Experten. Dennoch nahm sie das blaue Buch an sich – unter der Bedingung, es am nächsten Abend zurückzugeben. Gamrik und Gerald blieben beim Artefakt, um es zu schützen.
Gieselhold und Geron hingegen suchten die Ogerfaust auf, wo sie auf Vanjescha trafen. In einer vertraulichen Runde schilderten sie die Worte der Adelsmarschallin und warben für Unterstützung im Namen Rondras. Vanjescha versprach ihre Klinge, sofern das Heer in Rondras Namen handelt. Auf ihren Vorschlag hielt Geron eine feurige Rede, die in den Herzen der Anwesenden loderte. Der Zwerg Gandresch Holzfuß, Sprecher der Ogerfaust-Plänkler, trat hervor und versprach mit seinen neun Kameraden den Dienst im Heer.
Gamrik, wachsam und weitsichtig, verfasste währenddessen Schreiben an Leudara, Graf Alatzer und Salvinja von Elkenacker – mit dem Ziel, Unterstützung für den Feldzug gegen den Korsmalsbund und Expertise zum Buch zu gewinnen.
Am nächsten Morgen beim Frühstück stießen Gieselhold und Geron auf Rejkad Stellmacher, den Leiter des Roten Chors. Gieselhold versuchte, ihn als Barden für das Heer zu gewinnen. Rejkad zeigte sich offen, wollte sich jedoch noch Zeit für eine Entscheidung nehmen.
Zurück in seinem Zimmer fand Gieselhold, dass die Bärentatze erneut blutete und den Rucksack sowie den Boden verschmutzt hatte. Zwei Stunden dauerte die Reinigung der unheimlichen Spuren.
Schließlich begaben sich Geron und Gieselhold zur Magierakademie, wo Bisminka ihre Analyse des blauen Buches abschloss: Es handelt sich um ein beseeltes Artefakt, dessen Ursprung alt und mächtig, aber nicht identifizierbar ist. Interessant war, dass das Buch magisch zu seien scheint, wo eher karmales Wirken vermutet wurde. Sie verwies aber auf ihre fehlende Expertise in dieser Angelegenheit, ein Graf Alatzer ist da deutlich kompetenter.
Gamrik der die ganze Nacht darüber nachdachte wieso im Bilkis so bekannt vorkam, musste sie zum Abschied nach ihrem Nachnamen fragen, in der Hoffnung so mehr über sie zu erfahren. Bilkis gab auf die Nachfrage preis, dass sie Bisminkas Tochter ist und ihr voller Name Bilkis von Jassula ist.
Es schlug gerade die 11. Stunde, als sich die Gefährten von der Akademie entfernten und zum Rondratempel aufbrachen. Der alte Geweihte gewährte ihnen Zugang zur Bibliothek, damit sie nach den Verfassern des blauen Buches forschen konnten. Die folgenden Personen konnten identifiziert werden:
- Almin aus Skullen (AaS) – Trommler bei der Schlacht von Kungutzkateil (191 BF), Zeuge des Schwertwunders von Leufurten.
- Turonia von Beilunk (TvB) – Magierin, starb 263 BF als Adjutantin Marschall Gerbalds in der Großen Mosse. (Die Gruppe traf sie im Geisterzug.)
- Gari Bärenblut (GB) – Empfänger des Buches nach Turonias Tod.
- Elko von Dornacker (EvD) – Gefolgsmann des Anshag von Glodenhof, der ab 321 BF den Theaterorden von Dekadenz und Dunkelheit reinigte.
Mit dem Glockenschlag zur 16. Stunde endeten ihre Nachforschungen. Das weitere Vorgehen galt es jetzt zu besprechen.