Der Weg zur Notmarkt (30. Ingerimm 21 Uhr bis 01. Rahja 15 Uhr)
Am 30. Ingerimm 1039, als die Schatten der Nacht bereits lang über die Zelte von Quelldunkel krochen und die Fackeln des Heerlagers im Wind flackerten, wanderte Gamrik suchenden Blickes zwischen den Feuerstellen umher. Er, der stets die Zeichen der Zeit deutete, suchte an jenem Abend nach politischen Bande wie auch nach möglichen ehrbaren Heiratskandidatinnen, denn in jenen unruhigen Tagen war jedes Bündnis Gold wert.
Spieler: Christian (GM), Christoph, Holger, Udo, Sascha (Berichterstatter)
Als die 22. Stunde verklang und die Gespräche verstummten, kehrte Ruhe im Lager ein. Und um 23:00 Uhr suchten schließlich die vier Gefährten – Gamrik, Geron, Gieselhold und Gerald – ihre Schlafstätten auf, im Wissen, dass ein neuer, entscheidender Tag bevorstand.
Der Morgen des 01. Rahja brach unnatürlich kalt über Quelldunkel herein, als hätte Firun selbst seinen Atem über die Felder gelegt. Bereits bei der 6. Stunde trafen sich Gieselhold und Salvinja, deren Herz noch schwer war vom Verlust einer Freundin im Attentat der Notmarker. Gieselhold, der mit wachem Sinn die Zeichen des Krieges deutete, bat sie mit ruhiger Stimme, am Grünen Heerzug teilzunehmen. Die Trauer aber formte ihren Entschluss: Sie würde sich dem Heerzug anschließen, um den Notmarkern entgegenzutreten.
Kurz darauf versammelten sich alle Gefährten zur morgendlichen Besprechung mit der Heeresführung. Während die Banner im eisigen Wind flatterten, trat Geron gemeinsam mit Gieselhold an die große Heereskarte heran. Geron begann, den Schlachtplan laut zu überdenken – doch Gieselhold wich zurück, denn er wollte nicht verantwortlich sein für die Weichen, die über Leben und Tod entschieden.
Als Tsadan das Zelt betrat, begann die Sitzung offiziell. Zunächst verkündete er, dass die Adelsmarschallin diesem Treffen fernbleiben werde. Dann wandte er sich mit prüfendem Blick an die Gefährten:
Was würden sie tun, um einen erneuten Hinterhalt zu verhindern?
Mit klarer Stimme verlangte er die Erkenntnisse der Fern- und Nahfeldaufklärung – und das bis zur zwölften Stunde. Kurz darauf endete die Versammlung, und die Männer und Frauen des Heeres begannen ihre Vorbereitungen für den Aufbruch.
Gerald suchte nach dem Ende des Treffens Vito auf, um seinen Sold zu empfangen. Vito, Gieselhold und Gerald gehen zusammen zu Vitos Zelt. Leider wurden hier die Finanzunterlagen schon für den Aufbruch verstaut. Vito verwies die beiden Gefährten auf den Abend, dann sollten die Unterlagen wieder griffbereit sein. Danach begann ein Gespräch unter den drei Personen. Gieselhold und Gerald lauschen den Worten des Mannes, der mehr wusste, als er preisgab.
Er sprach von der guten Moral des Heeres, genährt durch das Auffinden der Schwerter und das Erschlagen des Drachen – Taten, die im ganzen Lager wie Legenden erzählt wurden. Doch dann senkte er die Stimme und sprach über Seltsamkeiten, die das Heer durchzogen:
- Die Rondrageweihte, die in ihrer letzten Andacht die Tugenden Kors pries – ein befremdlicher Ton, da man doch gegen seine Anhänger in den Krieg zog.
- Die rätselhafte Heilerin und Hexe Bisminka, eine Bronjarin und angebliche Pazifistin – und doch sei sie nie im Lazarett gesehen worden.
Zwischen den Zelten schien sich ein Nebel aus Geheimnissen, verschlungenen Pfaden und doppelten Masken zu verdichten.
Währenddessen sprachen Gamrik und Geron mit der Adelsmarschallin, die – entgegen Tsadans Aussage – kurz nach der Auflösung des Treffens in das große Zelt trat. Ihre Stimme war fest, ihre Augen erfüllt von einer Mischung aus Pflicht und Erwartung.
Sie forderte die Gefährten auf, alles zu tun, was dem Heer und der Gerechtigkeit dienlich sei, um den Sieg zu erringen.
Zudem sprach sie ihnen die Teilnahme an der Mittagsbesprechung ab – solange sie keine neuen Erkenntnisse brachten.
Wichtiger sei nun, dass sie Informationen sammelten, um den Feind zu durchschauen und einen erneuten Hinterhalt zu verhindern.
Als der Heerzug endlich anrollte, schlossen sich auch die Gefährten der Bewegung an.
Gamrik ritt an der Seite der Bronjaren, fest im Sattel wie einer der Ihren. Gieselhold übernahm die Aufklärung und jagte mit den Spähern voraus, während Gerald und Geron sich zurückfallen ließen, um Bisminka und Fetanka zu suchen – denn nicht jede Gefahr kündigt sich mit Gebrüll an; manche beginnt als leises Wort.
Sie fanden Bisminka im Gespräch mit einem Geweihten, und zwischen den wehenden Fahnenschweifen des Heeres fragte Gerald Bisminka offen, ob sie das Verhalten des grünen Zuges gegenüber ihrer Mitschwester aus Quelldunkel befürworten würde.
Doch Bisminka schüttelte den Kopf. Ein Funken Gutes brennt bestimmt noch in ihr, sprach sie. Erst reden, dann richten – wenn überhaupt. Ihr Wort war ruhig, doch trug es mehr Gewicht als manch geschwungener Säbel.
Währenddessen jagte Gieselhold mit den Spähern über die karge Weite voraus.
Dort, wo die Luft flimmerte, sahen sie ihn: einen Drachen, gewaltig und uralt, der hoch oben seine Kreise zog und seine Bahn unheilvoll Richtung Notmarkt lenkte. Als sie weiter ritten, ragte vor ihnen ein Galgen in den grauen Himmel – und darunter hingen, schrecklich starr, die Leichen der vermissten Späher, zusammen mit anderen Reisenden, sorglos der Straße entrissen und dem Tod überlassen.
Gieselhold, von Grimm erfüllt, stieg mit einigen seiner Leute ab, um die Toten vom Holz zu schneiden und ihnen eine ruhige Erde zu gewähren. In diesem Augenblick stießen Gamrik, Gerald und Geron wieder zu ihm und sahen, was geschehen war.
Die Gefährten berieten sich rasch.
Ein Teil von Gieselholds Begleitern sollte sofort zum Heer zurückreiten: mit der Warnung, dass ein Drache gesichtet worden war, dass die eigenen Späher aufgeknüpft wurden – und dass die Gefährten nun selbst die Aufklärung übernähmen. Die Boten ritten davon wie Pfeile, und die Gefährten wandten ihre Pferde der Notmarkt zu.
Doch was sie dort sahen, übertraf selbst ihre schlimmsten Ahnungen.
Vier Drachen kreisten über der Burg wie Schatten finsterer Prophezeiungen. Und auf dem Zwölfgötterplatz erhob sich ein Tribok – geschmückt mit dem Wappen des Korsmalbundes. Mit einem erbarmungslosen Schlag schleuderte er seine Geschosse gegen die Mauern des Grauen Zahns, während die Drachen donnernd über den Himmel strichen.
So begann das dunkle Vorspiel der Schlacht um die Notmarkt – und die Gefährten ritten dem Sturm entgegen.