Die Flüsse der Opfergaben
Tief unter der Erde, in einem gewaltigen Gewölbe aus Stein und Dunkelheit, standen Gamrik, Gieselhold, Gerald und Bellameria vor den Geheimnissen einer fremden Welt. Das Wasser tropfte unaufhörlich von der Decke, während die Schatten zwischen uralten Säulen lebendig zu werden schienen.
Aus eben diesen Schatten lösten sich plötzlich unheimliche Wesen. Bellameria erkannte sie sofort als Lichtschrecken, Kreaturen, die das Licht fürchten und sich stets in den dunkelsten Winkeln verborgen halten. Vorsichtig umkreisten sie die Helden, ohne sich zu nähern. Doch als das grüne Leuchten Gieselholds die Dunkelheit durchschnitt und die Wesen berührte, erfüllte schrilles Quietschen das Gewölbe. Panisch flohen die Lichtschrecken zurück in die Schatten.
Die Gefährten beschlossen, dem Gang nach Norden zu folgen. Stundenlang wanderten sie durch die feuchten Tunnel, bis sich vor ihnen die Ruinen eines längst vergessenen Dorfes erhoben. Zerfallene Häuser standen stumm in der Finsternis, als hätten ihre Bewohner sie vor Jahrhunderten verlassen. In einem der verfallenen Gebäude fanden die Helden Schutz und verbrachten dort eine ruhige, wenn auch beklemmende Nacht.
Am nächsten Morgen folgten sie dem unterirdischen Fluss stromaufwärts. Schon bald erreichten sie eine steinerne Treppe, die zu einer Brücke führte. Oben angekommen fanden sie eine kunstvoll gearbeitete Schale, in der eine kleine Perle sowie zwei Münzen lagen. Ohne zu zögern nahm Gieselhold die Fundstücke an sich.
Jenseits der Brücke wartete eine zweite Schale. Darin lagen ein verrostetes Messer und wiederum zwei Silbermünzen. Auch diese wechselten den Besitzer. Doch am Ende der Brücke führte eine weitere Treppe hinab zum Wasser. Als Gamrik hinabstieg, bemerkte er etwas Verstörendes: Der Fluss bewegte sich nicht mehr. Als er seine Hand hinein tauchte, fühlte es sich an, als würde das Wasser sie festhalten. Nur mit großer Kraft gelang es ihm, sich wieder zu befreien. Sofort warnte er die anderen, dem Wasser nicht zu nahe zu kommen.
Während die Gruppe die Tunnel weiter erkundete, stießen sie auf einen weiteren Fluss. Wieder stand das Wasser regungslos da. Daneben befand sich erneut eine Opfer- oder Wegschale. Diesmal enthielt sie eine steinerne Tafel mit unbekannten Symbolen, eine Kette und eine Silbermünze. Gieselhold hob die Tafel heraus und zeigte sie seinen Gefährten. Bellameria mutmaßte, dass es sich um eine Art heiliges Bild handeln könnte. Schließlich legte Gieselhold die Tafel zurück und steckte stattdessen die Kette und die Münze ein.
Kaum hatte er sich dem Wasser genähert, erhob sich plötzlich ein Tentakel aus der scheinbar ruhigen Oberfläche. Wie lebendig schoss das Wesen hervor und griff Gieselhold an. Nur seiner schnellen Reaktion verdankte er es, dem Angriff auszuweichen. Erneut zog sich die Gruppe zurück.
Doch die Warnungen endeten nicht. Auch der nächste Weg führte an einen Fluss, und auch dort lauerten dieselben unheimlichen Wassertentakel. Nun begann die Gruppe über den Sinn der vielen Schalen und Münzen nachzudenken. Gieselhold legte sämtliche Münzen zurück, die er zuvor an sich genommen hatte. Doch die Tentakel blieben.
Bellameria brachte schließlich einen entscheidenden Gedanken vor: Vielleicht handelte es sich gar nicht um Opfergaben, sondern um eine Art Wegzoll, den Reisende entrichten mussten.
Gamrik warf einen Silbertaler in die Schale.Sofort wurden die Tentakel weniger.Daraufhin legte auch Gieselhold eine Silbermünze hinein.Im selben Augenblick verschwanden die Kreaturen vollständig.Die Prüfung war bestanden.
Erleichtert setzten die Helden ihren Weg stromaufwärts fort. Nach langer Wanderung erreichten sie ein trockenes, sandiges Plateau, das sich aus der unterirdischen Wasserlandschaft erhob. Eine Treppe führte nach oben, und dort fanden sie erneut eine steinerne Schale. In ihr lagen ein Metallwürfel und ein Fingerknochen.
Gamrik entschloss sich zu einem Experiment. Er legte seinen eigenen Knochenwürfel in die Schale.Zunächst geschah... nichts.
Doch als die Gefährten wieder in das Wasser hinabstiegen, spürten sie plötzlich eine warme Strömung, die sie umgab wie eine freundliche Hand. Das Wasser trug sie sanft vorwärts und beschleunigte ihre Reise erheblich. Offenbar hatte auch diese Gabe ihren Zweck erfüllt.
Der Fluss führte die Gruppe immer tiefer in das Herz der Finsternis. Schließlich passierten sie einen Schrein des Namenlosen Gottes. Dort stand eine goldene Statue, die vermutlich den Namenlosen selbst darstellte. Doch etwas war ungewöhnlich: Die Figur war nicht, wie es Darstellungen des Namenlosen oft zeigen, in Ketten gelegt. Hinter der Statue erstreckte sich ein Gemälde, auf dem zwölf weitere göttliche Gestalten in derselben Haltung abgebildet waren.
Der Ort wirkte ehrwürdig und fremd zugleich. Trotz seiner einstigen Pracht waren überall die Zeichen von Verfall sichtbar. Staub, Feuchtigkeit und Vernachlässigung zeugten davon, dass seit langer Zeit niemand mehr hier gebetet hatte.
Die Helden ließen den düsteren Schrein hinter sich und folgten weiter dem Tunnel. Doch die Gefahren des Untergrunds hatten noch längst kein Ende gefunden.Schon bald tauchten erneut Lichtschrecken aus der Dunkelheit auf.Diese Wesen waren größer als jene, denen die Gruppe zuvor begegnet war.Und als Gieselhold sein grünes Licht erhob, geschah etwas, das niemand erwartet hatte: Die Lichtschrecken wichen nicht zurück.
Was werden die Kreaturen jetzt machen? Sehen sie Ist die Gruppe