Die Piratenbraut (17. Rahja 9 Uhr bis 21. Rahja. 3:00 Uhr)
Am Morgen des 17. Rahja, als der Nebel noch schwer über dem Heerlager hing und die Banner der versammelten Streitmacht träge im Wind flatterten, begann ein neuer Abschnitt eines sich anbahnenden Abenteuers. Nach einer gewichtigen Unterredung mit der Adelsmarschallin wurden die Gefährten Gamrik, Geron, Gieselhold und Gerald auserkoren, eine Aufgabe von besonderer Bedeutung zu erfüllen.Durch die Vermittlung Jucho von Elkinnen zu Widderstroß-Blutfurten, einem treuen Gefolgsmann der Adelsmarschallin, erhielten sie Kontakt zu Rangnid – die die Gefährten unterstützen kann.Ihre Mission war klar und doch von Ungewissheit umwoben: Die Trommel musste sicher zur Burg Trescha gebracht werden, einem Ort, an dem sich das Schicksal der kommenden Tage entscheiden könnte. So standen die Helden am Rand des Lagers, bereit, den ersten Schritt auf einem Weg zu setzen, der sie in die Tiefen alter Geheimnisse und neuer Gefahren führen würde.
Spieler: Christian (GM), Christoph, Holger, Sascha (Berichterstatter)
Nach kurzem Beratschlagen entschieden Gamrik, Geron, Gieselhold und Gerald, Jucho von Elkinnen zu Widderstroß-Blutfurten aufzusuchen, um mehr über die geheimnisvolle Kontaktperson zu erfahren, die ihnen von der Adelsmarschallin genannt worden war.Als sie Jucho erreichten, wurden sie mit ehrlicher Freundlichkeit empfangen. Doch bevor ein Wort über Wichtiges gesprochen wurde, sorgte Jucho dafür, dass keine fremden Ohren lauschen konnten. Erst dann sprachen sie über die Wirren der vergangenen Schlacht, tauschten Eindrücke und Erlebnisse aus – ein kurzes, fast schon vertrautes Geplänkel, bevor Gamrik schließlich die entscheidende Frage stellte: Wer ist Rangnid?
Jucho offenbarte ihnen, was er wusste:
- Rangnid sei eine enge Freundin und eine Frau, die Bronjaren nicht ausstehen könne.
- Sie sei eine erfahrene Thorwallerin, verschwiegen, wenn der Preis stimme – und da sie Jucho etwas schuldete, würde dieser Preis mehr als genügen.
- Sie besitze ein Schiff namens Nebelbringer, ein wendiges Gefährt, das auf der Walsach heimischer war als jeder Fisch.
- Sie verstehe sich gut mit dem Biestinger und kenne die Strömungen, Untiefen und Geheimnisse des Flusses wie kaum ein anderer Mensch.
Als Erkennungszeichen übergab Jucho den Gefährten eine unscheinbare Tasche. Sie sollten Rangnid fragen, was sich darin befinde – nur sie würde die richtige Antwort kennen.Ihr Schiff, so erklärte Jucho, liege gut verborgen südlich des Heerlagers an der Walsach. Wenn Rangnid sie erkenne, würde sie von selbst auf sie zukommen.So machten sich die Gefährten bereit, den nächsten Schritt zu wagen.
Im Schatten des Heerlagers schmiedeten die Gefährten einen kühnen und listigen Plan, um die Goblintrommel unbemerkt aus den Händen der Obrigkeit zu lösen.Zunächst sollte die Trommel offiziell in einer verschlossenen Transportkiste eingelagert werden – ein unscheinbarer Akt, der jedoch den Grundstein für die Täuschung legte. Die Box soll von Jucho angefertigt werden.In der Nacht, wenn das Lager in Dunkelheit gehüllt war und nur vereinzelte Fackeln flackerten, wollten Gamrik, Geron, Gieselhold und Gerald die Nachtwache der Trommel übernehmen. Dann, geschützt vom Mantel der Finsternis, würden sie die Kiste öffnen, die Trommel entnehmen und sie heimlich im eigenen Zelt verbergen.Um die Aufmerksamkeit des Lagers weiter zu zerstreuen, sollte die Adelsmarschallin am Vorabend der Abreise ein großes Fest ausrichten – ein Gelage, das die Soldaten betrunken, unachtsam und sorglos zurücklassen würde. Während die meisten ihren Rausch ausschlafen, würden die Gefährten ihre stille Arbeit verrichten.Am folgenden Morgen sollte eine feierliche Abschiedszeremonie stattfinden. Die Transportkiste – nun leer – würde gemeinsam mit dem restlichen Tross nach Norburg geschickt werden, angeblich, um die Trommel dort an der Akademie durch alchimistische Mittel endgültig zu vernichten. Niemand würde ahnen, dass das Artefakt längst einen anderen Weg eingeschlagen hatte.Offiziell jedoch hatten die Gefährten einen anderen Auftrag: Im Namen der Adelsmarschallin sollten sie den Widderorden aufsuchen, um über ihn den Kontakt zum Wallsachkönig, den Herrscher der Feenwesen, zu stärken und diesen in den Kampf gegen den Korsmalsbund stärker einzubinden. Ein Auftrag, der ihnen Deckung bot – und zugleich ein Ziel, das vielleicht selbst von großer Bedeutung war.So stand der Plan: kühn, verschlungen und voller Risiken.Der Plan wurde mit der Adelsmarschallin und Jucho abgesprochen und diese befanden ihn für gut. Im Anschluss besorgte Gamrik noch Premer Feuer, ein besonders hochwertiger Schnaps für Rangnid.
So ausgerüstet wurde der Plan am 19. Rahja in die Tat umgesetzt.
Am Morgen des 20. Rahja setzte sich das Heer in Bewegung. Die leere Transportkiste, offiziell mit der Goblintrommel betitelt, wurde im Tross mitgeführt – ein perfektes Trugbild. Während Banner und Harnische im ersten Licht des Tages glänzten, blieben Gamrik, Geron, Gieselhold und Gerald zurück. Ihr Moment würde erst kommen, wenn die Nacht die Welt verschluckte.
In der tiefen Schwärze des 21. Rahja, als selbst die Lagerfeuer nur noch glimmende Punkte in der Ferne waren, brachen die Gefährten auf. Die echte Goblintrommel, sicher verborgen, ruhte in ihren Händen. Der Weg führte sie rasch fort von der Straße, hinein in einen dichten, schweigenden Waldpfad, dessen Schatten wie Finger nach ihnen griffen. Drei Stunden wanderten sie, begleitet vom Rascheln der Blätter und dem fernen Rufen nächtlicher Tiere.Dann – wie aus dem Nichts – stand eine Gestalt vor ihnen. Eine Frau, breitbeinig, selbstbewusst, mit einer Stimme, die wie ein Peitschenhieb durch die Nacht schnitt:„Komm her, Skrellinger.“Gamrik erkannte das Thorwalsch sofort. Skrellinger – Schwächling. Ein Spottwort, das eher eine Prüfung war als eine Beleidigung. Noch bevor die Gefährten reagieren konnten, traten weitere Gestalten aus dem Unterholz. Die größte unter ihnen, eine massige Erscheinung mit dem Selbstbewusstsein eines Sturms, stellte sich vor:„Ich bin Rangnid. Die meisten nennen mich Wanderer. Aber, bei Efferds nassen Fürzen: Heute bin ich wohl eher der Abschlepper, was?“Gamrik, der wusste, was zu tun war, stellte die entscheidende Frage: Was ist in der Tasche? Rangnid grinste breit und antwortete ohne Zögern:„Ein Hasenohr mit einem Ohrring.“Die Gefährten überprüften den Inhalt – und fanden genau das vor. Das Zeichen, das Jucho ihnen gegeben hatte, hatte seinen Zweck erfüllt. Die Spannung wich aus der Luft, und Rangnid nickte zufrieden.Mit einer einladenden Geste deutete sie in die Dunkelheit hinter sich.Ihr Schiff, die Nebelbringer, lag verborgen am Ufer der Walsach – bereit, die Trommel und ihre Hüter aufzunehmen.So erhielten die Gefährten die Erlaubnis, an Bord zu gehen. Ein neuer Abschnitt ihres Weges begann, getragen vom Fluss, vom Nebel und vom ungewissen Schicksal, das sie erwartete.