April 27, 2025

Einmal quer durch Norburg und zurück (8. Peraine, 18:00 - 22:30)

Der Abend des 8. Peraine begann in der Herberge, in der wir – Gamrik, Gieselhold, Geron und Gerald – nicht nur nächtigten, sondern unverhofft mitten in ein Fest voller Händler, Gelächter und Wetttrinken gerieten. Zwischen Humpen und Händeschütteln ging es weniger ums Trinken als darum Verbindungen aufzubauen. Reiche Kaufleute, gewandte Zungen – jeder schien auf seinen Vorteil bedacht.

 Spieler: Christian (GM), Christoph, Holger, Sascha (Berichterstatter)

Doch wir hatten anderes im Sinn: die Sarajelovs. Der gepanschte Wein, den wir den Tag über entdeckten, führte unsere Schritte zur Etage dieser einflussreichen Familie. Noch bevor wir ihr Domizil erreichten, hielten uns ihre Leibwächter auf. Die Situation schien festgefahren, bis uns Umrickes Sekretär erschien. Gieselhold arrangierte einen offiziellen Termin für den 10. Hesinde um 10 Uhr, und wir übergaben ihm einen Brief mit der Bitte um ein schnelles Treffen.

Unser nächstes Ziel war der Graf von Ask – wir wollten ihn über die vergifteten Weine informieren und zur Absage seiner Veranstaltung bewegen. Unsere Reise führte uns zur Norburg im Norden, wo die Straßen vom Trubel des Bardenfests erfüllt waren. Zwischen Musik und Gelächter trafen wir auf eine Gruppe Betrunkener. Eine betrunkene Frau schlug ohne Vorwarnung nach Gamrik, dieser konnte jedoch ausweichen. Auch Gerald wurde angegriffen, doch der Angreifer war zu betrunken, um zu treffen. Wir entkamen dem Tumult und erreichten schließlich die Burg.

Gleich neben der Burg, nur einen Steinwurf entfernt, lag der Tempel der Hesinde – das Heiligtum der Weisheit und der Kunst. Der Tempel war in goldenes Licht getaucht, und aus dem Portal strömten die letzten Gäste einer gerade beendeten Veranstaltung. Ihre Stimmen hallten durch die klare Nachtluft. Einer der Besucher – ein älterer Mann mit violettem Wams und einer silbernen Brosche – sprach beeindruckt von der Darbietung des Esquirio Tyrael ya Trequona. Offenbar hatte er über den sagenumwobenen Antaraleon-Zyklus rezitiert, ein Thema, das nur wenigen verständlich und noch weniger zutiefst begreiflich war.

Wir hielten uns nicht lange auf und betraten die Norburg, wo wir von einem höflichen, aber sichtlich erschöpften Diener empfangen wurden. Auf unsere Bitte um eine Audienz mit dem Grafen von Ask legte er die Hände vor dem Leib zusammen und senkte leicht den Blick.

Der Diener berichtete uns, dass der Graf für den Abend nicht mehr empfing, jedoch um 22 Uhr im nahegelegenen Hesindetempel erscheinen würde. Stattdessen sprachen wir mit der Adelsmarschallin, der wir erklärten, dass der Wein, den sie mit uns trank, mit einem halluzinogenen Gift versetzt war. Sie war entsetzt und bat uns, alles mit dem Grafen zu klären, denn nur er konnte die Feier absagen.

Unser nächstes Treffen war mit Jäänie angesetzt, im Lagerhaus gegenüber der berüchtigten Kneipe „Zur Ogerfaust“ im Süden der Stadt. Auf dem Weg dorthin begegneten wir der Perainegeweihten Tanile Walroder, die die Feiernden warnte – vor den Gefahren des Alkohols, wie passend.

 

Pünktlich um 22 Uhr erreichten wir die Ogerfaust. Das Etablissement war so rau wie sein Name – harte Burschen, fliegende Fäuste, ein Ort, an dem man lieber keine Feinde hatte. Gieselhold bemerkte zuerst die Goblins, die uns aus dem Schatten heraus beobachteten. Dann sah Gerald etwas, das ihn erstarren ließ: eine geisterhafte Gestalt, die ihm zunickte und in der Kneipe verschwand. Das magische Gefüge war hier spürbar gestört. Gerald beschloss, später der Spur des Geistes zu folgen.

Mit einem leisen Klirren der Tür traten wir in das düstere Lagerhaus gegenüber der berüchtigten Ogerfaust. Der Raum roch nach alten Holzbalken und feuchtem Stein, und ein schwaches Licht schlich sich durch schmutzige Fenster. Kaum hatten wir einen Fuß gesetzt, näherte sich uns eine kleine, schelmische Gestalt. Ein Goblin, kaum größer als ein Kind, mit glänzenden Augen und einer schnellen, aufmerksamen Miene.

 „Seid ihr die Gäste, die wir erwarten?“ fragte sie mit einer rauen, aber neugierigen Stimme. Wir bejahten und folgten ihr, als sie uns durch den düsteren Raum führte und in die Mitte des Hofes lenkte. Die Geräusche der Stadt, immer noch gut zu hören, verbargen nicht die Anwesenheit vieler Goblins, die uns aus den Schatten heraus beobachteten.

Nach kurzer Zeit kamen drei weitere Goblins auf uns zu. Ihre Bewegungen waren schnell, fast tänzelnd. Eine weibliche Stimme, die aus dem Schatten hervorklang, ließ uns aufhorchen. „Da seid ihr ja endlich.“ Die Stimme schien Jäänie zu gehören, deren Name uns schon bei der Planung unseres Treffens vertraut war.

Wir stellten uns direkt und fragten sie, was mit ihr passiert war, da wir gehört hatten, dass sie im Feruner Tempel gefangen gehalten wurde. Sie nickte und ihre Augen wurden für einen Moment traurig. „Ja, ich konnte entkommen“, sagte sie mit gedämpfter Stimme. „Aber es war nicht einfach.

Meine Meisterin, Manka Riiba, hat mir befohlen, euch zu helfen. Ihr habt die Insignien immer noch nicht zurückbekommen, welche damals vom Korsmalsbund entrissen wurden. Es sind Geister in diesen Insignien gefangen, welche aktiv werden können.“

Gerald, dessen Interesse sofort geweckt war, runzelte die Stirn. „Geister?“ fragte er leise, und ein tiefes, unheilvolles Interesse blitzte in seinen Augen. Die Goblins schienen die Stille zu bemerken, als Gerald an sie herantrat. Gerald bat höflich um ein kurzes Gespräch mit Jäänie, und die drei Goblins zogen sich mit ihm ein paar Schritte zur Seite.

In einer unheimlichen Stille berührten die Goblins Gerald an den Schultern. Ihre harten, kalten Hände schienen einen Moment innezuhalten, bevor sie langsam nickten. Es war, als hätten sie etwas gespürt. Jäänie, die uns weiterhin beobachtete, sprach in einem leisen, fast geheimnisvollen Ton: „Die Geister erscheinen nur, wenn die Insignien in ihrer Nähe sind. Sie sind an die Objekte gebunden und erwachen nur dann, wenn es ihnen passt.“ Sie fuhr fort mit  „Die Geister kommen, wenn sie wollen, nicht wenn wir es wünschen. Wenn sie erwachen, suchen sie etwas –  etwas durch das sie ihre Macht zurückerlangen können. Erst wenn sie diese erhalten haben, können wir richtig mit ihnen reden. Doch der Preis für diesen Kontakt ist nie ohne Konsequenzen.“ Gerald nickte verstehend. „Das ist weise“, sagte er leise. „Ihr habt die Wahl, ob ihr hier aktiv werden wollt. Ihr müsst wissen welche Bedeutung es für euch hat, dass der Korsmalbund weiterhin die Insignien kontrolliert. Wenn ihr euch entscheidet, die Insignien zurückzuholen so hat mir meine Meisterin befohlen euch dabei zu Unterstützen. Hilfreich, aber nicht notwendig, wäre für die Unterstützung folgenden Dinge: vier Meskinnes, drei Schweine und eine Tüte Bonbons. “ beendete Jäänie dieses Thema.

Dann fragten wir nach dem Trommelritual. Jäänie verriet, dass sie keine neue Trommel hergestellt hatte und dass das Trommelritual gehört werden müsse, um zu wirken. Auch nach der Zerstörung halte die Wirkung an, bis nur noch eine Person übrigbleibe. Eine düstere Macht.

Gerald erzählte Jäänie, was die Geister ihm offenbart hatten. Gamrik fragte Jäänie ob in letzter Zeit Fässer in die Stadt geschmuggelt wurden. Jäänie erklärte ihm, dass sie sich für den richtigen Preis, eine Kiste gepökeltes Schweinefleisch, auch danach umhören könnte.

Falls sie erneut Kontakt aufnehmen wollten, boten die Goblins Gamrik einige merkwürdige Zeichen an. Er sollte entweder mit einem rosa Taschentuch oder einem blauen Schal auf dem Marktplatz in alle vier Himmelsrichtungen winken. Doch Gamrik war von diesem Vorschlag wenig begeistert. Der nächste Plan der Goblins war noch absurder: Gamrik sollte einen Salto rückwärts machen. Um die Sache zu verkürzen, schlug Gamrik vor, dass ein Goblin im "Mülltonnenbereich" des Gasthofes als Anlaufstelle für eine Kontaktaufnahme bereitstehen könnte. Schließlich konnten sich alle auf diese pragmatische Lösung einigen.

Gamrik aktivierte kurz seinen Quenpetrillstein, um Licht zu erzeugen und zu prüfen, ob die Gestalt tatsächlich Jäänie war. Die Gestalten wichen blitzschnell zurück, doch Gamrik meinte, in dem kurzen Moment in dem er den weiblichen Goblin sehen konnte, dass es Jäänie sein könnte. Ihre Miene sprach Bände – sie war alles andere als erfreut über Gamriks ungebetenen Lichtblitz. Die Goblins jedoch zögerten nicht lange. Mit atemberaubender Geschwindigkeit zogen sie sich zurück, als wäre die Angelegenheit für sie erledigt. In dem Moment, als das Licht erstrahlte, hatte Gerald das Gefühl, dass der Boden unter ihm bebte und eine riesige, bedrohliche Präsenz sich näherte. Doch zum Glück verschwand dieses bedrohliche Gefühl, als auch Jäänie mit einem letzten finsteren Blick verschwand.

Nach diesem Ereignis wollte Gerald so schnell wie möglich losziehen. Fest entschlossen, in der Ogerfaust den kämpferischen Geist wiederzusehen.