März 2, 2025

Hesinde gibt, der Mensch muss schlussfolgern (7. Hesinde 1030 BF)

Es war der 7. Hesinde, im Jahre 1030 BF, als der ehrwürdige Harold in den ehernen Hallen des Tempels der Rondra stand. Der Tag neigte sich dem Zenit zu, als er, erfüllt von einer drängenden Angelegenheit, seinen Weg zum geachteten Rondrowin suchte, jenem Geweihten, der die Rolle des Ziehvaters für Leudara übernommen hatte. Er erfuhr, dass Rondrowin gegenwärtig am Übungsplatz verweilte, um die tapferen Rondrageweihten und Akoluthen in den Kampfkünsten zu schulen. Er begab sich dorthin, fest entschlossen, das Gespräch zu suchen.

 

Spieler: Christian (GM), Christoph, Holger, Sascha (Berichterstatter)

 

Am Übungsplatz angekommen, wartete er geduldig. Schließlich trat ein Rondrageweihter auf ihn zu, ein hagerer Mann, dessen Blick so scharf war wie das Schwert, das er trug. "Was begehrt Ihr, Fremder?", fragte er mit einem fragenden Blick. Harold erwiderte ruhig, dass er Rondrowin sprechen wolle. Doch der Geweihte entgegnete, dass der ehrwürdige Rondrowin gerade inmitten einer Übung stehe und nicht zu sprechen sei. Geduldig harrte Harold der Dinge, und nach einer halben Stunde trat Rondrowin endlich zu ihm. Der heilige Mann, von kräftiger Statur und durchdrungen von einer Aura des Friedens und der Autorität, begrüßte Harold mit einem stillen Nicken.

 

Zunächst stellte Harold sich vor, und auch Rondrowin ließ von sich hören, wer er war. Doch bald schon wich das formelle Gespräch dem Anliegen, das Harold hatte: Leudara, seine Ziehtochter, ein Mädchen von unbekanntem Ursprung und geheimnisvoller Bestimmung, hatte den Wunsch geäußert, Adelsmarschallin zu werden. Doch für dieses ehrgeizige Ziel brauchte sie Unterlagen, die ihre Abstammung bestätigten. Rondrowin, dessen Blick immer schärfer wurde, fragte nach den Beweggründen der jungen Frau. Mit einer ruhigen, aber festen Stimme erzählte Harold von der Vision, die Leudara in einem Moment göttlicher Offenbarung von Rondra selbst empfangen hatte.

 

"Doch warum," fragte Rondrowin, "vertraut sie gerade euch mit dieser Aufgabe?" "Warum uns?" Harold, nachdenklich und doch gelassen, erwiderte: "Es war mehr ein Zufall. Wir begegneten ihr, und sie vertraute uns an, was sie sich erhoffte. Nun versuchen wir, ihr zu helfen."

 

Rondrowin neigte den Kopf, als er seine Ziehtochter erwähnte. "Ich habe ihr geraten, dieses Thema ruhen zu lassen", sagte er. "Nichts deutet darauf hin, dass sie je mit den Theaterrittern verbunden war – einer Voraussetzung für den Titel der Adelsmarschallin. Ich fürchte, dass keine Dokumente existieren, die diese Abstammung belegen könnten. Und ich warne euch, zu tief zu forschen. Ihr könnte Dinge ans Licht bringen, die besser im Dunkeln bleiben." Seine Stimme nahm eine tiefere, nachdenkliche Färbung an, als er fortfuhr: "Ich weiß nicht, wer sie damals im Rondratempel abgegeben hat. Und ich glaube nicht, dass es für sie von Nutzen ist, diese Fragen weiter zu verfolgen."

 

Harold, von diesen Worten nicht unberührt, nickte, doch er wusste, dass dies nur der Beginn eines viel größeren, unheilvollen Rätsels war. Rondrowin aber blickte in die Ferne und sprach, als ob er von der Last dieser Geheimnisse befreit werden wollte: "Ich habe getan, was ich für das Beste hielt. Vielleicht ist es gerade das, was Leudara schützt."

 

Nach dem Gespräch, das die Luft mit ernsten Gedanken und unausgesprochenen Wahrheiten füllte, begaben sich die beiden Männer in die Küche des Tempels, um ein wenig von der Schwere des Moments abzulassen. Sie setzten sich nahe dem Ofen und tranken in schweigender Eintracht ein Bier, das die Kühle der Worte, die zwischen ihnen gewechselt waren, ein wenig linderte. Doch schließlich brach Rondrowin das Schweigen und fragte nach Harolds Reise von Festum nach Fierunen. Harold erzählte von dem erbitterten Kampf mit den Supfranzen, diese hatten auf der Strecke nach Schotzen eine Kaleschka überfallen, und die unschuldigen Reisenden mussten gerettet werden.

 

Er sprach von den anderen Reisenden, die mit ihm unterwegs waren – Hartwin, Hägar, Hesindian und er selbst – doch von Leudara, deren Schicksal ihn immer noch beschäftigte, sprach er nicht. In einem letzten Augenblick des Austauschs sagte Rondrowin: "Wenn du noch Fragen hast, abseits von Leudara's Abstammung, komm gerne wieder zu mir. Aber für heute, möge der Rest des Tages dir Frieden bringen."

 

Die beiden Männer tranken schweigend aus, und nach einer Weile verabschiedeten sie sich. Harold verließ den Tempel und trat in die Sonne des späten Vormittags.

 

Während dieser Ereignisse  machte sich Hartwin auf den Weg ein Großschild zu erwerben. Der Kampf gegen die Sumpfranzen lag schwer auf seinem Gemüt, dies trieb ihn zu diesem Vorhaben. In den Gassen der Stadt fand er schließlich eine Händlerin, die ihm das Schild anbieten wollte. Doch die Verkäuferin versuchte, ihn zu überlisten, seine Zahlung zu überhöhen und den wahren Wert des Schildes zu verschleiern. Doch Hartwin war weise und beharrlich. "Ich werde nur 80 Silbertaler ausgeben", erklärte er fest und ließ sich nicht täuschen. Nach einem kurzen Handeln, das der Weisheit und der Entschlossenheit des Heilers standhielt, erwarb er das Schild zu dem Preis, den er gefordert hatte – 80 Silbertaler.

 

Nachdem er sich mit diesem neuen Gegenstand ausgestattet hatte, machte er sich auf, die Straßen rund um den Rondratempel zu durchwandern. Es war seine Hoffnung, in den Gassen, in den Schatten der Mauern, etwas über Leudara zu erfahren. Doch der Tag hielt keine Antwort für ihn bereit. Die Menschen schienen in ihre eigenen Geheimnisse gehüllt, und niemand gab ihm die Informationen, die er suchte. So zog er weiter, den Blick fest nach vorn gerichtet, ohne der Ungewissheit nachzugeben.

 

Als Harold und Hesindian den Tempel der Rondra schließlich verließen, begegneten sie zufällig ihrem Gefährten Hartwin. Es entstand eine kurze Unterhaltung. Wie der Fluss, der über die Steine plätschert, so floss auch ihr Bericht. Jeder erzählte von den Ereignissen des Tages, von dem, was er erfahren und welche Wege er beschritten hatte. Nachdem die Erzählungen ein Ende fanden, trennten sich die Wege der Gefährten erneut. Doch nicht für lange, denn es wurde verabredet, dass sie sich am Abend um 18 Uhr zum gemeinsamen Mahl in einer Wirtshalle versammeln würden, um die Karten für den kommenden Tag neu zu mischen.

 

Unterdessen begab sich Harold, erfüllt von einer Aufgabe, zum Tempel des Firun, um ein Päckchen abzugeben, das er von seinem eigenen Tempel erhalten hatte. Der Wind wehte kühl, als er die heiligen Hallen betrat. Dort fragte er einen der Geweihten über Rondrowin und Leudara aus. Die Antwort, die er erhielt, war ein Blick in die dunklen und geheimen Kapitel der Geschichte. Rondrowin, so erfuhr Harold, war ein Mann, der früher als Tempelvorsteher des Rondratempels in Festum über dreißig Jahre regiert hatte. Er war einst ein Kämpfer im Schatten, ein Verfolger des Korsmalsbundes, der die Feinde der Kirche jagte. Doch die Jahre hatten ihn verändert, ihn zur Ruhe gebracht. Er war nun der Ziehvater von Leudara.

 

Hesindian, auf seiner Seite, strebte ebenfalls nach Wissen. Er begab sich in den Hesindetempel und stellte sich den Geweihten vor, bevor er sich in die Bibliothek zurückzog, um nach den geheimen Geschichten der Statuen von Schotzen zu suchen. Es war eine Geschichte von tragischer Schönheit: Tineke, eine Leibeigene, eine Künstlerin, hatte die Statue vor dem Gasthof erschaffen, doch bei der Herstellung hatte sie sich schwer verletzt. Ihr Leben endete in Schmerz, und die Statue, die sie erschuf, war durch das Blut ihrer Qual besudelt.

 

Hartwin, der in seinem Streben nach Wissen nicht ruhen wollte, setzte seine Suche nach Informationen über Leudara fort. Er suchte nach dem Namen der Amme, die einst für Leudara gesorgt hatte, dazu begab er sich erneut zum Rondratempel, um Antworten zu finden. Ein Gespräch mit Irinje wurde ihm jedoch verweigert. Doch Hartwin gab nicht auf. Der Sekretär versprach, nach einem Termin für ihn zu suchen und er würde ihm diesen Termin zukommen lassen.

Die Dämmerung des Abends senkte sich über die Straßen, als sich die Gefährten in der Wirtschaft „Altleuburg“ versammelten. Der Duft von frischem Brot und Bier mischte sich mit der Spannung in der Luft. Hier, unter den Hölzern der Decke und dem flimmernden Licht der Kerzen, fanden sie sich zusammen, um die Geschichten ihres Tages auszutauschen. Jeder von ihnen hatte Spuren in der Stadt hinterlassen, war einem Faden von Geheimnissen gefolgt und hatte Fragmente der Wahrheit erhascht. Doch noch war das Bild unvollständig.

 

„Morgen“, sprach Hesindian, „werden wir den Sekretär von Irinje aufsuchen. Der Name der Amme – das ist unser nächstes Ziel. Wir müssen wissen, wer sie war, und wie sie in die Geschichte von Leudara passt. Danach brechen wir auf, in die Bibliothek. Die Antworten müssen dort verborgen sein.“

 

Hesindian nickte nachdenklich, und Hartwin, der in den Ecken der Wirtschaft nach einem weiteren Krug Bier griff, stimmte zu. „Dann lassen wir den Tag der Wahrheit kommen“, murmelte er.

 

Am nächsten Morgen, bei den ersten goldenen Strahlen des Sonnenaufgangs, fanden sich die Gefährten vor dem Rondratempel zusammen. Ihre Blicke waren fest, ihre Gedanken entschlossen. Ihre erste Haltestelle war der Sekretär von Irinje. Hier fragten sie nach dem Namen der Amme. Der Sekretär, ein Mann der Geduld, versprach, sie zu benachrichtigen, wenn er etwas herausfand. Mit einem leisen Nicken trennten sich ihre Wege. Hesindian und Hartwin begaben sich zur Bibliothek, während Harold sich zur Küche des Tempels aufmachte, um eine Frage an die Köchin zu richten.

 

Die Köchin war eine strenge Frau, die sich nicht leicht aus der Ruhe bringen ließ. Ihre Hand war das Gesetz in der Küche, und ihr Blick scharf wie ein Messer. Harold bat eine der Novizinnen, die Köchin zu holen. Als die alte Frau erschien, erkundigte er sich nach der Amme von Leudara.

 

„Geertrja Peddersen“, sagte die Köchin ohne Zögern, als sie sich an Leudaras Vergangenheit erinnerte. „Sie war die Amme des Mädchens bis zum siebten Lebensjahr. Und ihre Adresse? Bestimmt weiß Geweihter Wulfen von Firunen mehr darüber. Aber...“, sie senkte kurz die Stimme, „Leudara hatte es nicht leicht. Sie ist gezeichnet von einem Schatten, den wir nur erahnen können.“

 

Die Köchin spürte ihre eigene Entgleisung und schloss schnell den Mund. Ihre Augen wurden schmal, als sie sich wandte, „Ich werde nicht weiter über dieses Thema reden. Der Ziehvater des Mädchens kann mehr dazu sagen.“

 

In der Bibliothek hingegen hatte Hartwin wenig Glück. Der Bibliothekar wusste nichts über die Amme und empfahl ihm, sich an die Ammengilde oder den Perainentempel zu wenden. Hesindian hingegen vertiefte sich in die alten Aufzeichnungen über die Stammbäume von Rondrowin und Leudara. „Ich werde mir auch die Aufzeichnungen über das Jahr 1002 ansehen, diese könnten den Schlüssel zu Leudaras Geheimnis enthalten“, murmelte er entschlossen, als er tief in den Wissensschatz des Tempels eintauchte.

 

Hartwin ging zu Harold, um ihm zu berichten, dass er zur Ammengilde aufbrechen wollte. Doch Harold, mit eiskaltem Blick, entgegnete: „Ich habe den Namen schon. Geertrja Peddersen. Ich bin gerade auf dem Weg zum Geweihten Wulfen Miljes zu Firunen, dieser könnte wissen, wo sie wohnt.“

 

Vereint in ihrem Vorhaben, suchten sie Wulfen auf und fragten ihn nach der Amme. Wulfen, mit einem Seufzer sprach er schließlich die Worte, die den nächsten Weg offenbaren würden. „Sie lebt“, begann er mit einer Stimme, die tief und ruhig, wie der Wind vor einem Sturm war, „in einem Haus, östlich vor der Stadt, jenseits der Felder und der Schatten.

 

Mit dieser neu gewonnenen Erkenntnis machten sie sich auf den Weg, um Hesindian zu informieren. Doch der Gelehrte wollte nicht aus der Bibliothek verschwinden und vertiefte sich weiterhin in die alten Aufzeichnungen. Harold und Hartwin machten sich zu zweit auf, den Osten der Stadt zu durchqueren.

 

Im Viertel fanden sie schnell heraus, wo die Amme lebte. Schon nach kurzer Zeit begegneten sie Leudara. Diese führte sie zu einem einfachen Haus, das ruhig und abgelegen wirkte. Zusammen mit Leudara betraten sie das Heim von Geertrja Peddersen. Die alte Frau empfing sie mit einem schüchternen Lächeln und einem besorgten Blick. In kurzen Worten fragte Harold sie nach allem, was sie über die Zeit wusste, in der sie Leudara als Kind betreut hatte.

 

„Rudjew, der Köhler“, begann sie mit wehmütiger Erinnerung, „brachte das Mädchen einst zum Tempel. Er lieferte mir Weidenruten für die Körbe, und bei diesen Lieferungen kamen wir ins Gespräch. So erfuhr ich von der Geschichte des Kindes.“

 

„Ich war ihre Amme bis zu ihrem siebten Lebensjahr“, fuhr Geertrja fort. „Und ja, ich weiß genau, wo Rudjew lebt. Er wohnt bei einem kleinen Weiler namens Bornsand, etwa sechs Kilometer westlich von Firunen.“

 

Mit diesen letzten Worten übergab Geertrja ihnen die letzte Fährte. Als die Gruppe sich zur Tür wandte, spürte sie, wie sich der Schleier der Geheimnisse immer weiter lüftete.

 

Hesindian wurde wieder von seinen Gefährten aufgesucht. Er wurde ins Vertrauen gezogen, und gemeinsam machten sie sich auf den Weg nach Bornsand. Der Weg war klar, die Schilder standen, und nach einer Stunde erreichten sie den kleinen Weiler. Es war ein abgelegener Ort, mit nur fünf Hütten und einem sumpfigen Terrain.

 

Angekommen, fragten sie die Köhler nach Rudjew. Die Männer wiesen sie auf ein kleines Haus hin, das unauffällig zwischen den Bäumen lag. Sie traten ein und fanden sich bald in einer kurzen, aber spannungsgeladenen Unterhaltung wieder.

 

Harold trat vor und sagte mit ernster Stimme: „Vor 30 Jahren, habt ihr ein Kind im Rondratempel abgegeben!“

 

Rudjews Miene wurde blass, als die Erinnerung die Vergangenheit zurückbrachte. Harold drängte weiter: „Was waren die Umstände?“

 

Die Antwort lag nun in der Luft, schwer und bedeutungsvoll, als sich der Schleier der Vergangenheit endgültig lüftete.

 

Rudjew saß auf seinem wackeligen Stuhl, die Hände zitternd, als er in die Gesichter der Fremden blickte. Er stotterte, die Worte schienen sich in seiner Kehle zu verheddern, als er versuchte, sich an die Schatten der Vergangenheit zu erinnern. „Das… das arme Kind...“ flüsterte er, und sein Blick wanderte nervös zu Boden. „Ich… ich kann nicht...“

 

Immer wieder brach seine Stimme ab, als er sich bemühte, mehr zu sagen. Es war, als ob die Erinnerung selbst ihm den Atem raubte. Er versuchte, Worte zu finden, doch sie flogen ihm davon, wie die Flügel eines gehetzten Vogels. Doch dann, in einem Anfall von Verzweiflung, flüsterte er, als würde er ein düsteres Geheimnis lüften: „Das Kind… sie hat es. Eine… eine Klaue im Nacken. Eine… eine Art Mal… Ein… ein Dämonenmal? Ich weiß nicht…“

 

Sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse der Angst, als er hastig fortfuhr, „Das… das arme Kind… Sie war immer anders… so… gezeichnet...“ Rudjew hob die Hände, als wollte er sich von den Erinnerungen befreien, die ihn wie Ketten fesselten. „Ich weiß nicht, was das zu bedeuten hat... Ich habe nur Angst gehabt… So viele… wurden abgeschlachtet, zu jener Zeit… und dann… dann kam sie…“

 

Die Erzählung stockte. Der alte Köhler kämpfte gegen die aufwallende Panik in seiner Brust, als er versuchte, weiterzusprechen. „Es war vor… vor dreißig Jahren. Unruhige Zeiten… alles war verworren. Blut… überall Blut…“ Seine Stimme brach, als er fortfuhr: „Die Mutter… sie trug eine metallene Rüstung, war mit Blut überströmt, als sie mir das Kind übergab. Sie… sie sagte, dass das Kind Leudara heiße… Und dann… dann sah ich es, dieses Mal.  Ich…. Ich konnte nicht anders, ich brachte sie zu einem Geweihten im Rondratempel.“

 

Ein Zittern überkam ihn, und er legte die Hände vors Gesicht, als wolle er den Albtraum vertreiben. Doch dann, ein Klopfen an der Tür, durchbrach die düstere Stille. Die Kinder des alten Köhlers, vier Männer in verschiedenen Altersstufen, betraten die kleine Hütte, besorgt über das laute Geschrei ihres Vaters.

 

„Vater“, fragte der Älteste mit ernstem Blick, „gibt es Probleme? Warum schreist du so?“

 

Es war klar, dass Rudjew in seiner Aufregung keine weiteren Antworten liefern konnte. Die Gruppe der Fremden, die sich um ihn versammelt hatte, wusste, dass keine weiteren Worte mehr von ihm zu erwarten waren. Doch die Kinder, die sich besorgt um ihren Vater versammelten, konnten nun vielleicht eine Klarheit bieten, die der alte Mann nicht mehr fähig war, zu geben.

 

Außer dem alten Köhler traten alle beteiligten vor dessen Hütte, bevor eine Unterhaltung beginnen konnte „Wir haben gehört, was unser Vater gesagt hat“, begann einer der Söhne, ein kräftiger Mann, dessen Gesicht in den Jahren von Sorge und Härte gezeichnet war. „Er glaubt, dass das Kind, das er damals aufgenommen hat, von Paktierern stammt. Er hat diese Gedanken nie ganz losgelassen. Und es verfolgt ihn bis heute. Selbst jetzt, nach all den Jahren, kann er den Gedanken nicht ertragen, dass das Kind ein Dämon oder ein Abbild von Dunkelheit gewesen sein könnte.“

 

„Er hat nie wirklich Ruhe gefunden“, fuhr der älteste Sohn fort, „selbst heute denkt er immer noch an das Kind, als wäre es ein Fluch. Etwas Dunkles, das mit ihm verbunden ist, und das ihm nicht entkommen kann.“

 

Mit diesen letzten düsteren Enthüllungen, die mehr Fragen als Antworten hinterließen, verabschiedeten sich die Fremden von Rudjew und seinen Kindern. Ohne weitere Worte traten sie hinaus aus der Hütte und verließen den Köhler, der in seiner Verzweiflung zurückblieb, mit den gequälten Erinnerungen an ein dunkles Kapitel seines Lebens.

 

Die Gruppe machte sich auf den Rückweg nach Firunen, die Schatten der Geheimnisse, die sie aufgedeckt hatten, noch immer schwer auf ihren Schultern lastend. Der Weg war lang, und der Dämmerungshimmel hatte sich bereits über die Landschaft ausgebreitet, als sie nach Firunen zurückkehrten.