November 2, 2025

Wo Schwerter vergeben werden, da schärft das Schicksal stets schon die Klingen für den nächsten Kampf (27. Ingerimm, 09:30 Uhr – 21:30 Uhr)

Es war der 27. Tag des Ingerimm, als die Sonne mild über dem Heerlager aufging und ihre goldenen Strahlen über die Zelte warf. Der Wind trug den Geruch von Schmiedefeuern und kaltem Stahl mit sich, als Geron, Gieselhold, Gamrik und Gerald das Zelt der Adelsmarschallin Nadjescha verließen. Eine neue Aufgabe lag vor ihnen – eine Botschaft, die Gewicht hatte wie gehärteter Stahl: Leudara sollte eines der ehrwürdigen Schwerter des Nordens empfangen.

Mit festen Schritten traten sie in Leudaras Zelt. Die Geweihte stand dort, bleich, doch von unbeugsamem Geist. Schwäche zeichnete ihre Züge, doch in ihren Augen glomm das Feuer der Entschlossenheit. „Was führt euch zu mir?“ fragte sie mit rauer Stimme, während sie sich auf ihren Stuhl niederließ. Sie sprach, dass sie hoffe, am kommenden Tage wieder reiten zu können.

Da offenbarte Gieselhold ihr die frohe Botschaft, dass die Schwerter des Nordens wiedergefunden wurden. Er nahm seine Klinge und zeigte sie ihr. Mit Ehrfurcht nahm Leudara den Dolch in die Hände, der Teil jener uralten Klingen war – und für einen Augenblick spiegelte sich die Erinnerung vergangener Helden in ihren Augen. Doch dann wandelte sich ihr Blick. Eilig reichte sie Gieselhold den Dolch zurück.

„Ich bin nicht würdig“, flüsterte sie, und in ihrer Stimme lag eine Schwere, die selbst das Licht zu dämpfen schien. Sie bat die Gefährten, sie zu verlassen. Und so gingen sie, ohne ihr noch sagen zu können, dass auch ihr ein Schwert bestimmt war.

Gieselhold und Gamrik, verwirrt über ihr Verhalten, suchten abermals Nadjescha auf. Die Adelsmarschallin hörte aufmerksam zu und sprach: „Leudara ist von großer Bedeutung. Ihr Wort trägt Gewicht unter den Söldnern. Sie muss verstehen, was ihr Vermächtnis bedeutet.“

So kehrten die beiden zu Leudara zurück. Sie fanden sie im Gebet, versunken in den Ruf ihrer Göttin. Gieselhold half ihr auf, und die Botschaft wurde erneut ausgesprochen: Ihr sollt eines der Schwerter des Nordens tragen. Doch Leudara schüttelte das Haupt.

„Nein“, sagte sie leise. „Nicht ehe ich mich im Auge meiner Göttin bewiesen habe. Bis dahin soll ein anderer das Schwert für mich führen.“

Dann sprach sie drei Namen, die sie als mögliche Träger ihres Schwertes bestimmte:

Nuschinja Ulmensen, ihre treue Knappin.

Kappe Oswin Densemkin, Gefährte der Rondrageweihten Vanjescha.

Jarle Winroff, der den Gefährten bereits bekannt war.

Gamrik und Gieselhold überbrachten die Namen Nadjescha. Nach reiflicher Beratung entschied man, dass Nuschinja Ulmensen das Schwert empfangen solle – als Zeichen von Leudaras Vertrauen und der Gunst Rondras.

Währenddessen suchte Gerald den Schrein der Göttin Rondra auf. Dort erfüllte er Leudaras Bitte, die sie am Vortag geäußert hatte: Er sprach mit der Göttin – und mit der Geweihten Vanjescha. In ehrlicher Zwiesprache fand er Frieden mit sich selbst und seiner Narbe, die ihn einst gezeichnet hatte. Zum ersten Mal seit langem legte er den Schleier ab und zeigte sein wahres Antlitz.

Als die Sonne ihren Zenit erreichte und das Horn den Beginn der Feierlichkeiten verkündete, versammelten sich die Gefährten auf dem Festplatz. Um die dreizehnte Stunde erhob sich Tsadan und sprach die einleitenden Worte. Dann trat Gamrik hervor und hielt eine Rede, die das Herz eines jeden im Lager berührte.

Er sprach von Ehre und Opfer, von Gemeinschaft und dem eisernen Willen, der die Menschen und Völker des Nordens verbinde. Seine Worte hallten über die Zelte – und als er endete, schoben sich die Wolken auseinander. Die Sonne und damit Praios selbst schien über die Krieger zu lächeln.

Dann begann die feierliche Verleihung:

Gieselhold, bereits Träger eines Dolches, stand abseits der Verleihung.

Gamrik erhielt eine Fechtwaffe von meisterlicher Schönheit.

Geron und Gerald empfingen ihre Schwerter, deren Klingen im Sonnenlicht funkelten wie das Lachen der Götter.

Auch Nuschinja Ulmensen wurde ein Langschwert für Leudara überreicht. Es war ihr deutlich anzusehen, dass sie sich unwohl fühlte.

Ein neuer Geist der Einigkeit durchzog das Lager. Der Zank wich dem Stolz, die Furcht der Hoffnung. Gerald stieß mit den anderen Waffenträgern und seinem Goblingeist an und zog sich dann zum Training zurück, das neue Schwert fest in der Hand.

Am Abend saß er mit Wolfhold beisammen, ohne Schleier, und zeigte, dass die Wunde seiner Seele begonnen hatte zu heilen. Yadwinja vom Salderkeim-Arigom sprach ihn an, bat um seinen Rat im Holzhandel – ein Zeichen, dass neues Vertrauen in ihm erwacht war. Gerald willigte ein, sofern das Schicksal es nach dem Feldzug zuließ.

Während der Abend dämmerte, suchte Gieselhold den Trainingsplatz auf. Er beobachtete die Krieger, wie sie ihre neuen Waffen prüften. Auch Leudara war dort, verborgen im Schatten, den Blick auf ihre ehemaligen Gefährten gerichtet. Als Gieselhold sie erblickte, wollte sie sich rasch entfernen – doch er sprach sie an. Ein stilles Gespräch folgte, leise wie der Atem des Windes. Schließlich geleitete er sie zu ihrem Zelt und beobachtete sie von fern, unschlüssig, was in ihr vorging.

Gamrik hingegen feierte seinen Erfolg mit einem Krug Wein unter freiem Himmel. Später verließ er das Lager, um den Kontakt zu den Goblins zu suchen. Drei von ihnen erwarteten ihn, verborgen im Gebüsch. Er versuchte ein Treffen mit Jäänni für den heutigen Tag zu vereinbaren, sie hatte jedoch keine Zeit. Gamrik verabredete darauf hin ein Treffen für den folgenden Abend – zwei Stunden nach Sonnenuntergang.

Als er ins Lager zurückkehrte und den Gefährten berichtete, geschah etwas Unerwartetes:

Neben dem Kriegergeist erschien ein weiterer Geist – alt, runzlig, mit einem Stab in der Hand. Der alte Goblin blickte sie durchdringend an und sprach mit rauer Stimme:

„Ihr solltet euch überlegen, ob das so Zielführend ist“

Gerald erstarrte, griff Gamrik an die Brust und rief mit bebender Stimme:

„Ein zweites Artefakt ist hier – ganz in unserer Nähe!“

Und so endete dieser Tag – mit Hoffnung und Unheil zugleich.