Mai 12, 2026

Wo Silber wacht und Wasser richtet (vom 30.Rahja 23:30 Uhr bis ?)

Am 30. Rahja, zur späten Stunde um 23.30 Uhr, stehen die Zeichen des Schicksals auf Wandlung. Die Gefährten Gamrik, Gieselholt und Gerald treten gemeinsam mit Jucho und den verbliebenen Bewohnern der Burrg Trescha an das wässrige Portal im Bergfried. Ohne Zögern springen sie in das dunkle Wasser zu Füßen des Turmes – und stürzen kopfüber in die Umarmung fremder Mächte.

Das Nass reißt sie hinab, wirbelt sie durch schlierenhafte Leere. Licht scheint aus allen Richtungen zu strömen. Dann: Stille. Auftauchen. Leben.

Geblendet von bunt schillerndem Licht stehen die Gefährten hüfttief in einem kleinen Teich. Sie sind durchnässt, aber unversehrt. Ein lieblicher Duft liegt in der Luft, süß und zugleich erdig, während eine frische, feuchte Brise sie umweht. Es ist heller Tag – der Sonnenstand verrät eine Zeit um die neunte Stunde des Morgens.

Am bewaldeten Hang erwartet sie ein seltsamer Hofstaat:
Biestinger – aufrecht gehende Tierwesen mit menschlichen Zügen, vor allem Otter, dazu Wiesel und gar eine Maus. Umflattert werden sie von Blütenfeen mit schmetterlingsgleichen Flügeln, die in melodischer, fremder Sprache aufgeregt schnattern. Doch hinter dieser heiteren Szenerie stehen zwei reglose Gestalten wie Mahnmale des Ernstes: vollständig gepanzerte Ritter in glänzendem Silber, bewaffnet mit mächtigen Zweihandschwertern.

Ein ottergestaltiger Biestinger namens Knurr tritt vor. Mit höflicher Würde lädt er die Neuankömmlinge ein, ihm zu folgen – der Walsachkönig selbst habe sie erwartet. So setzt sich der Zug in Bewegung zum Schloss des Königs, während Knurr von der strengen Etikette bei Hofe berichtet und die Großen des Reiches benennt:
Graf Nagrach, Gräfin Lymen, Baron Hursach, Gräfin Brinna, Junkerin Aue, Junkerin Ele – die ehrwürdigen Flussfürsten, denen gebührender Respekt zu erweisen ist.

Im Schloss angekommen, erhalten die Gefährten und Jucho eigene Gemächer. Nach kurzer Rast und dem Anlegen angemessener Gewänder erkunden sie die fremden Hallen und finden sich schließlich an einer Bar wieder. Doch kaum ist der erste Trunk genommen, erscheint eine kleine Fee, die sie wortlos bittet, ihr zu folgen. Sie gehorchen.

Der Weg führt sie in einen riesigen Festsaal, erfüllt von zahllosen Gästen. Knurr erhebt die Stimme und verkündet ihre Anwesenheit. Höflicher Applaus brandet auf, als sie eintreten. Dann hallt ein rhythmisches Klopfen durch den Saal, und die Menge weicht ehrfürchtig an die Wände zurück.


Audienz beim Walsachkönig

In feierlicher Pracht erscheint der Walsachkönig:
Eine drei Schritt große, stämmige Elfengestalt, mit blassblauer Haut, weißem Haar, durchzogen von grünen Strähnen, und einem wallenden Wellenbart, der klingt wie rauschendes Wasser. Seine Stimme ist tosenden Stroms gleich, sein Temperament so unberechenbar wie die Fluten selbst.

Mit ausladender Ansprache begrüßt Knurr den König als
„Seine tosende Nassigkeit und Majestät von Schnellen und Rauschen, Schützer des Eistriebs, Vorsteher der Flussforellen“ – und mehr Titel, als ein Otter zählen kann.

Die folgende Ansprache des Königs offenbart folgende Punkte:

  • Die Gruppe seien als Ablösung der „Borstenfürstin“ und ihrer „guten Rothaarigen“ gerufen, die sich seit geraumer Zeit ihren Pflichten entziehen.
  • Diese Ablösung sei dringend notwendig, denn die Recken der „Frau von Turm und Hummer“ hielten zwar standhaft Wacht, könnten jedoch den Wall nicht verlassen.
  • Die Späher meldeten, dass „der Ungenannte“ bald die Finsternis über die Dunklen Hügel bringen werde. Die Steinesammler seien nur der Anfang gewesen.

Als Zeichen königlicher Gunst überreicht der Walsachkönig den Helden zudem prächtige Winterkleidung, gewoben für die kommenden Prüfungen.

Neben ihm treten zwei der mächtigsten Flussfürsten hervor:
Graf Nagrach, kalt und berechnend, sät Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Helden und tadelt des Königs mangelnde Vorsicht.
Gräfin Lymen, stolz und klar wie ein Bergsee, weist ihn scharf zurecht und stellt unmissverständlich klar, dass es nicht an ihm sei, den König zu richten – noch je über Valsa Aha zu herrschen.

Gräfin Lymen offenbart den Gefährten schließlich die Wahrheit über die Silberne Wehr:
Sie ist der Walsach selbst – manifestiert in silbernen Rüstungen. Ein schwerer Frevel habe einst diesen Hof erschüttert und den Wall ins Wanken gebracht. Um Sühne zu leisten, schlossen die silbernen Ritter ein ewiges Bündnis mit dem Walsachkönig: unablässige Wacht auf den Zinnen gegen die Mächte hinter den Hügeln.


Erkenntnisse und Forderungen

Auf die Fragen der Gefährten antwortet der Hof klar:

  • Das Bündnis der Silbernen Wehr ist nicht das Bündnis mit den Menschen.
  • Die Aufgabe der Wehr ist es, den Wall zu verteidigen.
  • Die Trommel kann verborgen werden – doch nur zu hohem Preis:
    Ein ernster Teil der Gefährten soll in Silber gebunden und zur Wacht verpflichtet werden.
    Der heitere Teil hingegen soll in einen Biestinger verwandelt werden.
  • Die Aufgabe der Menschen sei es fortan, die Waldigen Seen gegen das erneute Eindringen des Ungenannten zu schützen.

So endet die Audienz – und beginnt ein Kapitel, in dem Opfer, Wandel und Pflicht untrennbar verwoben sind. Die Wasser haben die Gefährten nicht nur an einen neuen Ort getragen, sondern an die Schwelle eines Schicksals, das Aventurien selbst erschüttern könnte.